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Größter St. Patrick's Day in Europa:München sieht grün

1800 Iren leben in München. Einer von ihnen ist Paul Daly. Seit fast 30 Jahren lebt er in Deutschland und versucht den Münchnern die Kultur seiner grünen Heimat näher zu bringen. So rief er den Münchner St. Patrick's Day ins Leben - den größten auf dem europäischen Festland.

Rani Nguyen

München und Dublin liegen nah beieinander. "Grüß Gott" leitet sich vom gälischen "Dia dhuit" ab, Lola Montez, die Geliebte von Ludwig I., stammte aus Irland und das Theaterstück "Verbannte" von Irlands Vorzeigeschriftsteller James Joyce wurde 1919 in München welturaufgeführt. Auch der Irische Berg südlich von München hat durch irische Mönche zu seinem Namen gefunden - heute ist der Irschenberg vor allem Autofahrern durch Staumeldungen bekannt. Erstmals seien irische Mönche vor etwa 1500 Jahren nach Bayern gekommen, um hier zu missionieren, sagt Paul Daly in fast akzentfreiem Deutsch.

Auf dem St. Patrick's Day 2011 trat Paul Daly mit seiner Band auf.

(Foto: DIF Bayern e.V.)

Paul Daly, 54, kam 1983 nach Deutschland, nachdem er seinen Job bei einer Bank geschmissen hatte und als Musiker quer durch Westeuropa getourt war. Ein Pub-Besitzer hatte ihm in Erlangen eine Festanstellung als Musiker angeboten. Fünf Mal die Woche spielte er jeden Abend. Drei Jahre später zog es ihn nach Regensburg. Er wollte sein eigener Chef sein und eröffnete zwei Irish Pubs.

Endstation: München

Doch eigentlich wollte er immer nach München. Damals gab es in der Landeshauptstadt kein Irish Pub, das von Iren selbst geführt wurde - eine Marktlücke, fand Daly. Den Wunsch vom Münchner Leben erfüllte er sich 1989. Noch im gleichen Jahr machte er das Shamrock in Schwabing auf. Im Laufe der Jahre schuf er sich mit sechs Lokalen und einer Getränkefirma ein regelrechtes irisches Imperium in München. Heute betreibt er nur noch das Kilian Irish Pub an der Frauenkirche und die Kennedy's Bar am Sendlinger Tor.

So wie Daly zogen in den 70er- und 80er-Jahren zahlreiche Iren nach München. Die Stadt sei sicher, ähnlich groß wie Irlands Hauptstadt Dublin und von weltoffener Mentalität, sagt Daly. Nach den Olympischen Sommerspielen im Jahr 1972 war München in aller Munde, es gab haufenweise Jobs hier - ganz anders als in Irland, dem damaligen Armenhaus Europas. Viele Iren wagten daher den Sprung über die Keltische See und den Ärmelkanal. So heuerten irische Studenten im Sommer als Urlaubsvertretung bei BMW oder englischsprachigen IT-Fimen an. Weil sie wenig Geld hatten, zelteten sie in Thalkirchen, abends feierten sie in den Lokalen. Viele der Zugereisten heirateten und blieben in München.

Die Idee zum St. Patrick's Day München

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Wirtschaftsaufschwung in Irland kehrten viele Iren in ihre Heimat zurück. Daly blieb: Er hatte geheiratet und war Vater von vier Kindern geworden. Iren würden sich im Ausland sehr gut integrieren. So gut, dass sie ihre Landsleute aus den Augen verlieren, sagt Daly. Daly aber wollte den Kontakt zu den in München verbliebenen Iren halten und die irische Kultur seiner Tochter und seinen drei Söhnen näher bringen - und wie ginge das besser als mit dem St. Patrick's Day, dem irischen Nationalfeiertag, der auf der ganzen Welt zelebriert wird. Erinnert wird dabei Irlands Schutzheiliger Patrick, der im 5. Jahrhundert lebte, tausende von Iren christlich missioniert haben soll und am 17. März starb.

Erstmals fanden sich 1996 die Münchner Iren und ihre Freunde zusammen und marschierten von der Münchner Freiheit bis zum Odeonsplatz. Anstatt der 300 erwarteten Menschen erschienen aber 3000, sodass die Straße kurzerhand gesperrt werden musste. Seitdem ist der Münchner St. Patrick's Day der jährliche Pflichttermin aller hier lebenden Iren.

Mittlerweile hat sich die Münchner Veranstaltung zum größten St. Patrick's Day auf dem europäischen Festland entwickelt. Im vergangenen Jahr kamen 20.000 Menschen zusammen - manche reisen eigens aus anderen deutschen Städten oder sogar aus dem Ausland an. In diesem Jahr schauen der irische Regierungsminister Paul Kehoe und der irische Botschafter Dan Mulhall auf ein Pint Guinness in München vorbei.

Wenn die Sehnsucht zu groß wird

Daly organisiert als Vorstand des Deutsch-Irisches Freundeskreis aber nicht nur den St. Patrick's Day. Er veranstaltet auch das Green Farm Festival in Halbergmoos - ein Festival mit irischen Bands -, Wanderungen und Quizabende für Iren, Deutsche und deren Freunde. Zudem tritt er mit seiner Band auf, deren Songs er schreibt und bringt den Deutschen irische Musik näher.

Irish Pub, St. Patrick's Day, Deutsch-Irischer Freundeskreis, Irische Musik - im Leben des Paul Daly dreht sich alles um seine grüne Heimat. Wenn die Sehnsucht nach Irland zu groß wird, packt er einfach seine Koffer. Mindestens viermal im Jahr macht er Urlaub in seinem Haus in Irland.

Die Parade startet am Sonntag, den 11. März um 12 Uhr an der Münchner Freiheit. Die Route führt über die Leopold- und Ludwigstraße zum Odeonsplatz, wo ein internationales Bühnenprogramm bis 17.30 Uhr geboten wird. 41 Gruppen aus Irland, Deutschland, Bolivien, Australien und anderen Ländern treten auf.

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