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Greenpeace-Studie:Gibt München zu wenig für den Radverkehr aus?

Fahrradfahrer in München, 2010

Es gibt kein Konzept, um beispielsweise das Radeln auf der Ludwigstraße sicherer und angenehmer zu gestalten.

(Foto: lok)
  • Eine von Greenpeace veröffentlichte Studie soll zeigen, dass München pro Kopf viel weniger für Radverkehr ausgebe, als das beispielsweise Berlin oder Kopenhagen tun.
  • Die Stadt widerspricht: In München werde viel in das Fahrradfahren investiert.
  • Von Oktober an sollen die vor neun Monaten beschlossenen Luftpumpen und Reparaturstationen installiert werden.

München schneidet beim Radverkehr nicht gut ab. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Umweltorganisation Greenpeace. Darin heißt es, dass die Stadt gerade mal 2,30 Euro pro Einwohner und Jahr für den Radverkehr ausgebe, in Stuttgart seien es fünf Euro, in Berlin 4,70 Euro. Die dänische Hauptstadt Kopenhagen investiert der Studie zufolge hingegen pro Kopf und Jahr 35,60 Euro. Innerhalb weniger Stunden regte sich in München deutlicher Protest gegen die Untersuchung.

Laut Lukas Raffl von der Münchner Stabsstelle für Radverkehr stünden pro Jahr zehn Millionen Euro, also weit mehr als sechs Euro pro Kopf, zur Verfügung. Dieses Geld werde komplett investiert, versicherte der Sprecher. Auch die Münchner SPD reagierte auf die Studie. "München investiert sehr viel in die Förderung des Radverkehrs", teilte die Radverkehrsbeauftragte der SPD-Stadtratsfraktion, Bettina Messinger, mit. Allein die Nahmobilitätspauschale des Baureferats seien 2015 von 4,28 Millionen auf zehn Millionen Euro pro Jahr angehoben worden, die tatsächlichen Investitionen in den Radverkehr aber seien deutlich höher.

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Messinger nannte etwa den Bau des Arnulfstegs zwischen Hacker- und Donnersbergerbrücke, der 26 Millionen Euro kosten soll. Für die Baumaßnahme würden nur 22 000 Euro aus der Nahmobilitätspauschale entnommen. Im März sei das Kreisverwaltungsreferat (KVR) beauftragt worden, "binnen eines Jahres ein umfangreiches Maßnahmenprogramm" für die "Vision Zero" auszuarbeiten. Diese Vision bedeutet, die Zahl der schweren Unfälle insbesondere mit Radfahrern deutlich zu senken. Sonst verweist die SPD-Politikerin auf Bund und Land, die Fördermittel für den geplanten Radschnellweg im Münchner Norden geben sollten.

Doch wie fahrradfreundlich ist München wirklich? Im Kommunalwahlkampf vor vier Jahren stand tatsächlich eine Verbesserung für Radler im Mittelpunkt - an der Rosenheimer Straße. Seit knapp einem Jahr gilt dort versuchsweise Tempo 30, eine eigene Spur haben die Radler nicht bekommen. Auf anderen viel befahrenen Strecken wie der Ludwig- und Leopoldstraße gibt es noch nicht einmal ein Konzept, wie den Radlern mehr Raum und damit mehr Sicherheit gegeben werden könnte. Die seit Jahren diskutierten Radschnellwege sind noch immer in der Vorplanung.

Die Münchner Grünen kritisieren deshalb auch, dass "der Radverkehr in München chronisch unterfinanziert ist und zu wenig in die Infrastruktur und die Sicherheit des Radverkehrs investiert wird", wie Grünen-Stadtrat Herbert Danner meint.

Aber es gibt auch ganz einfache und kostengünstige Maßnahmen, wie München fahrradfreundlicher werden kann. Im Oktober 2017 beschloss der Stadtrat nach Anträgen der CSU und der SPD, öffentliche Fahrrad-Pumpstationen mit Werkzeug aufzustellen. Doch neun Monate später ist keine davon installiert. Zunächst müssten geeignete Orte für die Luftpumpen gefunden werden, erklärte Raffl, die wiederum mit verschiedenen städtischen Referaten abgestimmt werden müssten. "Die Lieferung der Reparaturstationen und Luftpumpen wird in Kürze erwartet", teilte KVR-Sprecher Johannes Mayer mit. "Sie werden voraussichtlich ab Oktober installiert."

Auch die Standorte stehen nun fest. Die Luftpumpen sollen vor allem an E-Mobilitätsstationen installiert werden: am Zenettiplatz und am Goetheplatz, im Domagkpark und der Parkstadt Schwabing sowie an der Münchner Freiheit, wo auch eine MVG-Radstation ist. Weitere Standorte sind die Radstation an der Uni, die B+R-Anlagen Pasing Nord, Kieferngarten und Bahnhof Giesing. Reparaturstationen wird es an der B+R-Anlage Moosach sowie an der Isarparallele geben.

Jede Pumpe kostet etwa 3500 Euro plus Montage. Betrieb, Wartung und Ersatzteile werden mit jährlich 18 000 Euro veranschlagt, die zwei Reparaturstationen sollen etwa 6000 Euro kosten und im Unterhalt jährlich 2000 Euro. Auf die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für den Radverkehr wird das kaum Auswirkungen haben.

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