Eine massive Drohung gegen jüdische Menschen ist am Mittwoch von Unbekannten an die Tür eines Ladens im Münchner Stadtteil Haidhausen gesprüht worden. Eine weitere judenfeindliche Parole wurde an das Schaufenster des Modegeschäfts an der Weißenburger Straße geschmiert. „Da kriegt man schon Angst“, sagt die Inhaberin in einem Instagram-Video.
„Zios jagen“ und „Zionisten sind Faschisten“ lauteten die Graffiti. Hintergrund der Attacke sind wohl zwei Aufkleber gegen Antisemitismus, die die Geschäftsinhaberin nach eigenen Angaben schon vor zehn Jahren an der Ladenfront angebracht hat. „Antisemitismus ohne mich!“, steht da und „Kein Platz für Judenhasser“. Auch die beiden Aufkleber wurden beschädigt und mit einer „anti-imperialistischen“ Parole überklebt.
Der jüdische Hochschullehrer Guy Katz aus München, der selbst immer wieder mit dem Tod bedroht wird, hatte den Vorfall am Donnerstag öffentlich gemacht. „Das ist keine Kritik. Das ist eine Morddrohung“, schrieb er auf Instagram. Wenn Menschen anfingen, andere zu „jagen“, sei jede Grenze überschritten. Katz: „Die entscheidende Frage ist nicht, was dort an die Wand geschmiert wurde. Die entscheidende Frage ist: Wie viele schauen daran vorbei?“
Politikerinnen und Politiker demokratischer Partien sowie zahlreiche zivilgesellschaftliche Gruppen und Einzelpersonen haben mittlerweile in den Sozialen Netzwerken ihre Solidarität mit der angegriffenen Geschäftsinhaberin bekundet. Die Graffiti seien „widerwärtiger israelbezogener Antisemitismus“, urteilte der Beauftragte der bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben, der CSU-Politiker Ludwig Spaenle. Mittlerweile hat sich auch die Münchner Polizei eingeschaltet, der Staatsschutz ermittelt.
Der Vorfall zeigt, dass sich antisemitischer Hass nicht ausschließlich gegen Jüdinnen und Juden selbst richten muss, sondern auch Menschen betroffen sein können, die als „Zionisten“ attackiert werden, weil sie sich gegen Judenhass positionieren. Jedes vierte von der Polizei im vergangenen Jahr in München angezeigte Hassdelikt war antisemitisch geprägt. Von den 167 registrierten Fällen gingen 74 mutmaßlich auf das Konto rechter Täter, hinter 64 Übergriffen vermuten die Ermittler die „ausländische Ideologie“ zumeist pro-palästinensischer Akteure.

