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Gräfelfing:Wieder Sichtbeton

Rathaus- Erweiterung Gräfelfing

Sieben bis acht Räume könnten in dem eingeschossigen Anbau auf dem Parkplatz (links im Bild) entstehen. Jetzt soll die Verwaltung prüfen, wie sich dann die 16 Stellplätze ersetzen ließen. Visualisierung: Biedermann Architekten

Mit einem optisch angepassten ebenerdigen Anbau auf dem Parkplatz könnte das Rathaus von 1968 erweitert werden. Architekt Rupprecht Biedermann möchte außerdem die Eingangshalle verschönern

Von Annette Jäger, Gräfelfing

Das Gräfelfinger Rathaus aus dem Jahr 1967 steht unter Denkmalschutz. Eine bauliche Erweiterung ist deshalb knifflig, deutliche Veränderungen am Gesamteindruck werden von der Denkmalschutzbehörde kaum genehmigt. Jetzt hat das Architekturbüro Biedermann, das das Rathaus einst geplant hat, eine Lösung gefunden, die verträglich sein könnte: einen winkelförmigen, eingeschossigen Anbau auf der Rückseite des Gebäudes.

Der neue Bürgermeister Peter Köstler (CSU) war schon immer Anhänger einer baulichen Erweiterung des Rathauses. In diesem Punkt lag er noch als Gemeinderat mit seiner Vorgängerin Uta Wüst (Interessengemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing/IGG) überkreuz, die eine Rathauserweiterung vorerst für nicht notwendig erachtete. Köstler hingegen geht davon aus, dass die Verwaltung in Zukunft mehr Platz benötigt und das bestehende Rathaus diesen nicht hergibt. Anfang des Jahres hatte die CSU deshalb noch unter Rathaus-Chefin Wüst einen Antrag gestellt, die Erweiterungsoptionen zu prüfen. Rupprecht Biedermann, Sohn des architektonischen Schöpfers des Rathauses, legte in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses seine Pläne dazu vor.

Angebaut werden könnte im Erdgeschoss, auf der Rückseite des Rathauses. Zwischen dem Erweiterungsbau mit einer Fensterfront hinaus zum jetzigen Parkplatz und dem bestehenden Gebäude würde ein Innenhof entstehen. Der Neubau soll fast ganz freistehen, zum Bestand hat er kaum Berührung. Die Idee, das Rathaus auf der Rückseite zu erweitern, ist nicht neu. Sie wurde bereits in den Sechzigerjahren, bei der ursprünglichen Planung des Rathauses erwogen. Durch die Erweiterung könnten sieben bis acht Räume entstehen, eine Unterkellerung wäre ebenfalls möglich. "Es wäre die logische Ergänzung des Baus", sagte Biedermann in der Sitzung. Einer Aufstockung hingegen würde die Denkmalschutzbehörde kaum zustimmen.

Bei der optischen Gestaltung des Erweiterungsbaus habe er sich für "Annäherung" anstatt für "Gegensatz" entschieden, sagte der Architekt. Er würde wieder auf Sichtbeton setzen, allerdings mit helleren Fenstern, um deutlich zu machen, dass es sich um einen modernen Anbau handelt. Geht es nach dem Architekten, würde auch die Eingangshalle im Rathaus verändert werden: "Damals hat man vergessen, Aufenthaltsqualitäten zu schaffen." Durch das Herausnehmen weniger Wände ließen sich eine Sitzecke wie auch ein Durchblick vom Eingang zum neuen Innenhof schaffen. "Das würde dem Rathaus sehr, sehr guttun", sagte Biedermann, es erhielte dadurch eine "zeitgemäßere Erscheinung". Dem Erweiterungsbau würde allerdings der Rathaus-Parkplatz mit 16 Stellplätzen zum Opfer fallen. Es sei der nächste Arbeitsauftrag der Verwaltung zu prüfen, wie diese ersetzt werden könnten, sagte Köstler.

Im März 2021 beginnt die lange geplante energetische Sanierung des Rathauses. Im Fokus steht der Austausch der Fenster, der bis November dauern wird. Ein neuer, breiterer Aufzug soll Barrierefreiheit garantieren. Alle Maßnahmen werden während des laufenden Betriebs umgesetzt. Das Rathaus wird deshalb an einigen Tagen geschlossen sein, um Lärm- und Schmutzbelastung für Mitarbeiter und Besucher zu reduzieren. "Da werden wir kreativ sein müssen", sagte Köstler.

© SZ vom 17.11.2020
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