Im Porträt der Süddeutschen Zeitung hieß es vor mehr als 30 Jahren, Waldemar Capeller sei so etwas wie ein Schmetterlingssammler, der quasi mit dem Netz durch Münchner Schulen laufe, um Leichtathletik-Talente zu entdecken. Das mit dem Netz stimmte sicher nicht, doch einen geübten Blick hatte Capeller schon, wenn er in Stadt und Region bei Bundesjugendspielen oder Schulsportfesten regelmäßig hochbegabte Sprinter, Springer und Werfer ausfindig machte, die dann auf Landes- und oft sogar Bundesebene für Furore sorgten, ja teilweise sogar das Nationaltrikot trugen.
Nach einem kurzzeitigen Intermezzo beim TV Planegg/Krailling ließ er 1981 die verwaiste Sparte beim TSV Gräfelfing aufleben, deren Abteilungsleiter er bis vor vier Jahren auch war. Weit mehr als 100 Landesmeistertitel holte der Würmtal-Klub in dieser Ära. Gerade in Staffeln ist der TSV Gräfelfing bis heute bundesweit eine feste Größe. Seine Begeisterung gerade für diese Disziplin liegt sicherlich auch darin begründet, dass seine Ehefrau Anni unter ihrem Mädchennamen Biechl 1960 in Rom mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel Olympia-Silber gewann. Doch Capeller flachste gerne, dass er mit 11,3 Sekunden den "Familienrekord" innehabe und nicht seine Gattin, deren Bestzeit zwei Zehntel langsamer war.
Der studierte Diplom-Kaufmann kam 1946 mit der Olympischen Kernsportart in Kontakt. In seiner aktiven Laufbahn war er im Trikot des VfL München (späterer Postsportverein) insgesamt drei Mal bayerischer Juniorenmeister über 110 Meter Hürden beziehungsweise in der 4x100-Meter-Staffel. Nach einer beim Skifahren erlittenen Kreuzband- und Meniskusverletzung musste er 1950 seine Karriere beenden. Doch er blieb der Leichtathletik verbunden. In seiner Ära als Jugendwart holte der heutige PSV München mehrfach deutsche Meistertitel, unter anderem im Fünfkampf und in der Jugend-Mannschaftsmeisterschaft.
Capeller war Ende der Fünfzigerjahre auch im Schießsport aktiv, wurde mit dem "Winzerer Fahndl" deutscher Mannschaftsmeister im Armbrustschießen. Als seine beiden Töchter in den Siebzigerjahren mit dem Sprinten begannen, engagierte er sich als Funktionär. Capeller, dreifacher Großvater, war zudem 16 Jahre Bezirksvorsitzender des Bayerischen Leichtathletikverbandes (BLV) und war acht Jahre BLV-Vizepräsident. Über die Jahrzehnte hatte er im Spitzensport grundlegende Veränderungen in der Einstellung der Aktiven festgestellt: "Kaum einer tut heutzutage was ohne Geld." In der Nacht von Montag auf Dienstag ist er 93-jährig nach schwerer Krankheit gestorben.