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Gräfelfing, Neuried, Planegg:Das Würmtal ist einsatzbereit

Grundsteinlegung Campus neuried

Geschrumpfte Feier: Der Investor auf dem ehemaligen Hettlage-Gelände versenkte den Grundstein für das Neubauprojekt in kleiner Gruppe.

(Foto: Janine Wetzka)

Die Gemeinden treffen Vorkehrungen für mobile Stationen, um Coronavirus-Tests durchzuführen. Wertstoffhöfe sind geschlossen, Ausschuss-Sitzungen finden teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt - während Bürger auf Plätzen und in Parks gruppenweise auftreten

Von Annette Jäger und Johannes Korsche, Gräfelfing/Neuried/Planegg

In den Gemeinden Gräfelfing, Planegg und Neuried sind zehn Bürger positiv auf das Coronavirus getestet worden, so lauten die aktuellen Zahlen aus dem Gesundheitsamt. Sieben Fälle gibt es in Gräfelfing, zwei in Planegg und einen in Neuried. Die Gemeinden sind damit beschäftigt, jeweils die Kontaktpersonen der Infizierten zu ermitteln und zu kontaktieren.

Landrat Christoph Göbel (CSU) hat am Donnerstag eindringlich an die Menschen im Landkreis appelliert, soziale Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Auch mit Blick auf teils volksfestähnliche Zustände und große Menschenansammlungen sagte Göbel am Donnerstag in einer Pressekonferenz via Skype: "Hirn einschalten!" Zu diesem Zweck würden notfalls von staatlicher Seite Maßnahmen wie Ausgangssperren durchgesetzt.

In Gräfelfing kann das mobile Zelt, um Bürger auf das Coronavirus zu testen, nach Angaben aus dem Rathaus jederzeit in Betrieb genommen werden. "Wir sind einsatzbereit", sagt Bürgermeisterin Uta Wüst (Interessengemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing, IGG). Allerdings sei unklar, wer in dem Zelt an der Adalbert-Stifter-Straße auf dem Schulcampus überhaupt getestet werden soll. Die Vorgaben änderten sich ständig, so Wüst. Zuerst habe es geheißen, es sollten infizierte Personen nach deren zweiwöchiger Quarantänedauer getestet werden, ob das Virus noch nachweisbar sei. Nach Vorgaben vom Donnerstag heiße es, Tests nach der Quarantänephase würden nicht mehr vorgenommen.

Ansonsten gestaltet es sich zuweilen schwierig, die Menschen zu erreichen, was vernünftiges Verhalten angeht. Bis Donnerstagmittag war der Wertstoffhof geöffnet. Jeweils drei Fahrzeuge durften gleichzeitig hineinfahren, sodass alle beim Entsorgen ihrer Wertstoffe genügend Abstand voneinander halten konnten. Wüst zufolge hat sich in kürzester Zeit eine lange Autoschlange gebildet, die Besucher hätten sich nicht an die Anweisungen des Personals gehalten und seien zum Teil ausgestiegen, um ihren Müll zu Fuß auf dem Gelände zu entsorgen, berichtet Wüst. Nun sei der Wertstoffhof bis auf Weiteres geschlossen.

Auch in den Grünanlagen treffen sich die Bürger, vor allem Jugendliche, nach wie vor in Gruppen: auf dem Asamplatz, am Neunerberg und an der Würm am Anger. Die Polizei fahre dort vermehrt Streife und löse solche Gruppen auf, sagt Wüst. Ausschuss-Sitzungen des Gemeinderats finden kommende Woche wie gewohnt statt, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Gemeinderatssitzung am 31. März könnte Wüst zufolge jedoch entfallen. Es sei nicht sinnvoll, mit 24 Gemeinderäten in enger Runde zu tagen. Planegg will von Fall zu Fall entscheiden, ob die Sitzungen stattfinden und/oder öffentlich sind. Auch Neuried trifft Vorkehrungen wegen des Coronavirus. Sowohl die Gemeinde als auch Privatpersonen. So hat sich die Facebook-Gruppe "Neurieder helfen Neuriedern" gegründet, zwischen "besonders gefährdeten Bürgern" und Helfern zu vermitteln. Wer Einkäufe erledigen und im Alltag helfen will, kann sein Angebot dort posten. Eine Neuriederin bot zum Beispiel an, mit Hunden Gassi zu gehen, falls das Herrchen nicht mehr vor die Tür darf oder will. Bürgermeister Harald Zipfel (SPD) empfiehlt, dort Hilfe anzubieten oder seinen Bedarf zu melden. Im Rathaus, das derzeit nur nach Terminabsprache für dringende Verwaltungsgänge offen ist, kümmern sich die Gemeindemitarbeiter vor allem darum, eine Corona-Teststation für Neuried zu organisieren. "Wir könnten die Teststation schon aufbauen", sagt Zipfel. Es sei bereits genug medizinisches Personal verfügbar und mit dem Parkplatz beim TSV Neuried, Am Sportpark 8, auch ein geeigneter Ort gefunden. Einen Pavillon gebe es auch schon. Was noch fehlt, ist Schutzkleidung: "Das ist jetzt die Bedingung." Es sei fahrlässig, darauf nicht zu warten. Die Gemeinde folgt der Verfügung des Gesundheitsministeriums und hat den Wertstoffhof, Spielplätze und die Skateanlage geschlossen. Der Bau- und Umweltausschuss sowie der Haupt-, Finanz- und Personalausschuss sollen jedoch am Dienstag, 24. März, im Sitzungssaal in der Mehrzweckhalle, Am Haderner Winkel 2, tagen. Die Gemeinderatssitzung am Dienstag, 31. März, soll in der Aula der Grundschule, Planegger Straße 4, stattfinden, "da dort der nötige Abstand sichergestellt ist", so die Verwaltung. Nach derzeitigem Stand ist es Neuriedern erlaubt, die Sitzungen zu besuchen, "wobei natürlich jeder selbst entscheiden muss, ob er teilnimmt", heißt es aus dem Rathaus.

Andreas Lesser, Investor auf dem ehemaligen Hettlage-Gelände, hatte sich am Dienstag entschieden: Auf die Grundsteinlegung für den "Campus Neuried" wollte er nicht ganz verzichten. Zwar hatte er die geplante Feier abgesagt, im ganz kleinen Kreis versenkte er den Grundstein aber dennoch. In der traditionellen Zeitkapsel im Grundstein dürften sehr viele Zeitungsberichte über das Coronavirus eingemauert sein. Auch darüber, wie man das Virus am besten eindämmen kann.

© SZ vom 20.03.2020
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