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Gräfelfing/Neuperlach:Anleitung zum globalen Denken

Kurt-Huber-Gymnasium nimmt seinen Preis virtuell entgegen

Von Annette Jäger, Gräfelfing/Neuperlach

Statt im Schloss Bellevue in Berlin hat die Preisverleihung im Raum 132 im ersten Obergeschoss des Kurt-Huber-Gymnasiums (KHG) in Gräfelfing stattgefunden: Das Gymnasium hat den Bundespreis des Schülerwettbewerbs zur Entwicklungspolitik "alle für eine Welt für alle" gewonnen, ausgelobt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die Auszeichnung hätte eigentlich eine Einladung in den Amtssitz des Bundespräsidenten nach Schloss Bellevue nach sich gezogen. Wegen der Corona-Pandemie musste ein einfacher Klassenraum in der Schule herhalten, in dem Frank-Walter Steinmeier und Bundesminister Gerd Müller am Donnerstag unter Anwesenheit engagierter Lehrer und Schüler der Q11 und Q12 virtuell die Preise verliehen.

Ziel des Schülerwettbewerbs ist es, den Lernbereich Globale Entwicklung im Unterricht zu verankern. Das ist dem Kurt-Huber-Gymnasium gelungen. Alle zwei Jahre setzt sich die Schule ein Motto, das sich wie ein roter Faden durch das Schulleben zieht. In den vergangenen zwei Jahren hieß das "Zerreiß den Mantel der Gleichgültigkeit - weil uns unsere Zukunft nicht egal ist!" Unter dieser Überschrift haben die Schüler sich mit Themen aus den Bereichen Bildung, Respekt und Verantwortung beschäftigt, von Arbeitsbedingungen in anderen Ländern über Rassismus bis hin zum ökologischen Fußabdruck. Die Themen wurden im Unterricht wie auch in Workshops und Arbeitsgemeinschaften behandelt.

Globales Lernen setzt das Gymnasium aber vor allem in der intensiven Partnerschaft mit der Girls Secondary School Emmaberg, einem Mädcheninternat in Tansania, um. Die Tansania-AG, die zweitgrößte Arbeitsgemeinschaft an der Schule, fördert den kulturellen Austausch mit der afrikanischen Mädchenschule. Im vergangenen Jahr haben Schüler die Partnerschule mehr als drei Wochen lang besucht. Ziel dieses Kontakts sei es, sich aus einer privilegierten Position heraus verantwortlich zu fühlen für andere und den gegenseitigen Austausch zu fördern, sagte Andrea Rückert, die als Lehrerin die Partnerschaft betreut und die Bewerbung für den Bundespreis initiiert hat. Das Preisgeld will die Schule unter anderem dazu verwenden, eine Delegation von Schülerinnen und Lehrerinnen der Partnerschule in Tansania nach Gräfelfing einzuladen.

Inzwischen steht das neue Schulmotto für die nächsten zwei Jahre schon fest: Diesmal geht es um Diversität, Gendergerechtigkeit und Antirassismus.

Als einzige Schule aus München hat das städtische Werner-von-Siemens-Gymnasium den Schulpreis erhalten. Es überzeugte mit dem Nachhaltigkeitsprojekt "Konzept N" und einer im Unterricht entstandenen Broschüre zu den globalen Zielen für eine nachhaltige Entwicklung. Das Konzept bezieht alle Akteure der Schulfamilie mit ein. Mithilfe der Broschüre, die Tipps für eine konkrete Umsetzung gibt, sollen die Jugendlichen zum Umdenken und Handeln animiert werden.

© SZ vom 11.12.2020
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