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Gräfelfing:Klares Votum gegen den Kiesabbau

Gemeinderat lehnt Förderung auf einer Fläche von 24 Hektar im Planegger Holz ab

Kein weiterer Kiesabbau im Planegger Holz, auch genannt Dickwiese: So lautete das deutliche Votum des Gräfelfinger Gemeinderats in seiner Sitzung am Dienstag. Damit folgte das Gremium der Einschätzung des Ausschusses für überörtliche Angelegenheiten. Ihre Position können die Gemeinderäte freilich nur in Form einer Stellungnahme im laufenden Raumordnungsverfahren einbringen. Bürgermeisterin Uta Wüst (Interessengemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing/IGG) hofft jedoch, damit ein deutliches Signal an die Regierung von Oberbayern zu senden, wie es um die Stimmung bei dem Thema steht.

Die Argumente, die in der Sitzung gegen den geplanten Kiesabbau in einem 24,4 Hektar großen Waldstück westlich von Planegg - zwischen Autobahn A 96, Anschlussstelle Germering-Süd und Germeringer Straße - vorgebracht wurden, glichen größtenteils jenen im vorangegangen Ausschuss: Der Wald sei schützenswert, es gebe an anderer Stelle eigens für Kiesabbau vorgesehene Vorranggebiete, und außerdem könnten die Einzelinteressen eines Unternehmens nicht unterstützt werden. Auch jene Gemeinderäte, die die Firma in ihrem Vorhaben unterstützen wollen, betonten ihre Haltung erneut. Werde der Kies nicht ortsnah durch das Unternehmen Glück gewonnen, lieferten ihn Lkw aus größerer Entfernung an, "der Verkehr bleibt uns", sagte Günter Roll (Bürgerverein Gräfelfing Lochham).

Deutlich wurde in der Diskussion, dass ein großer Teil der Gemeinderäte durchaus bereit ist, den Kiesabbau in den ausgewiesenen Vorrangflächen, zum Beispiel im Forst Kasten, zu unterstützen. Peter Köstler (CSU) wünschte sich gemeinsame Gespräche mit der Firma, wie der schonende Abbau in diesen Gebieten ablaufen könnte. "Ich hoffe, es kommt zu diesen Gesprächen". Derzeit ist die Firma Glück allerdings von einem aktuell laufenden Ausschreibungsverfahren für Kiesabbau auf neuen Flächen im Forst Kasten ausgeschlossen.

Der Kommunikationsstil der Firma erhielt an dem Abend im Gemeinderat insgesamt keine gute Bewertung. Mathias Pollok (IGG) vermisste es, dass die Firma nicht aktiv das Gespräch mit den Gemeinderäten suche. Auch Bürgermeisterin Wüst wünschte sich, dass die Firma Glück bei solchen Vorhaben "früher in Kommunikation" gehe, sagte sie auf Anfrage. Zudem müsse auf Umweltbelange einfach noch stärker geachtet werden.

Unterdessen gibt es gegen den Plan der Heiliggeist-Stiftung, ihr gehörende Flächen im Forst Kasten für den Kiesabbau freizugeben, auch Widerstand aus der Stadt München. Georg Schuhmann, der in Hadern wohnt, fordert in einem Schreiben an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), dass die Stiftung (sie wird von der Stadt verwaltet) ihren Besitz im Forst Kasten komplett für den Kiesabbau sperrt. "Es darf keine Zerstörung mehr von knapper und wertvoller Natur durch zügellosen Kiesabbau im Würmtal geben!" Der von der Stadt "geplante unsägliche Frevel an der Natur muss unbedingt gestoppt werden!" Es wäre zu dem ein "eklatanter Verstoß" gegen den Stiftungszweck, wenn die Stadt dort Kiesabbau erlauben würde. Schuhmann hat deshalb bei der Regierung von Oberbayern eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Stadt - vertreten durch den OB - eingereicht.

© SZ vom 25.07.2019
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