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Gräfelfing:"Ich bin erstaunt über die Wucht"

Noch ist die Brache grün: Der Jahnplatz soll umgestaltet werden.

(Foto: Catherina Hess)

Gemeinderat kritisiert, dass die Entwürfe für den Jahnplatz zu massiv sind und die städtebaulichen Ziele verfehlen

Wenn Pläne für den Lochhamer Jahnplatz im Gemeinderat vorgestellt werden, stößt das erst mal auf offene Ohren. Das Gremium will den Platz seit Jahren attraktiver gestalten, doch das Vorhaben stagnierte bislang, weil der Eigentümer des ehemaligen Postgrundstücks - des zentralen Areals auf dem Platz - nicht baut. Doch jetzt kommt etwas in Bewegung. Vergangene Woche stellte der Architekt einen ersten Entwurf für das Grundstück vor. Doch der war dann alles andere als das, was den Gemeinderäten für den Platz vorschwebt.

Der Eigentümer plant auf dem Postgrundstück ein Boardinghaus mit 37 Wohneinheiten. Im Erdgeschoss soll ein großer Lebensmittelmarkt einziehen, ein sogenannter Vollsortimenter. Außerdem soll es ein Bäckercafé mit Sitzplätzen geben. Dem Eigentümer gehören auch noch Immobilien auf dem Platz: zwei Gebäude aus der Häuserreihe, die sich im rechten Winkel an das Postgrundstück anschließen. Dort befindet sich jetzt der Supermarkt Edeka im Erdgeschoss. Geplant ist, dass der Edeka-Markt in den Neubau umzieht und sich dabei vergrößert. Die alte Ladenfläche soll dann von einem Drogeriemarkt genutzt werden.

Soweit, so gut. Doch als Architekt Ludwig Hölzl die Dimensionen erläuterte, ging ein Raunen durch das Gremium. Seine Planung zielt auf das Maximum an Baumasse ab. Mit dem städtebaulichen Plan, den der von der Gemeinde beauftragte Architekt Klaus Molenaar für den Jahnplatz erarbeitete hatte und der im Gemeinderat stets befürwortet worden war, hat das Projekt auf dem Postgrundstück auf den ersten Blick wenig zu tun. Das neue Gebäude erschien im dreidimensionalen Entwurf plötzlich vier- statt dreigeschossig, wie ursprünglich vorgesehen. Außerdem ist geplant, einen Teil des öffentlichen Grunds auf dem Jahnplatz zumindest teilweise zu überbauen: Das Bäckercafé im Erdgeschoss des Neubaus steht auf Eigentümergrund, doch vom ersten Stock an erhält das gesamte Gebäude bis zum vierten Geschoss einen Überhang. Das Erdgeschoss erscheint dann zurückgesetzt. Bei der Dachgestaltung ist zwar ein geneigtes Satteldach vorgesehen, jedoch so flach, dass es wie ein Flachdach wirkt, merkte Bauberaterin Kathrin Fritsche kritisch an. Auch bei den bestehenden Häusern auf dem rechtwinklig angrenzenden Grundgrundstück plant der Architekt eine optimierte Nutzung der Dachgeschosse. Dadurch wirken die Häuser optisch nochmals deutlich vergrößert. Zudem soll der Laden im Erdgeschoss um 200 Quadratmeter erweitert werden.

"Ich bin erstaunt über die Wucht", stellte Florian Ernstberger (Bürgerverein Gräfelfing-Lochham) fest. Sein Ratskollege Franz Lang (SPD) formulierte es deutlicher. "Das gefällt mir absolut nicht." Vor allem das zusätzliche vierte Geschoss und die Dachgestaltung stießen auf Kritik im Gremium.

Durch die Masse werde das bisherige städtebauliche Konzept förmlich "konterkariert", sagte Bauberater Reinhard Moosmang. Dies setzte unter anderem auf deutlich steilere Satteldächer, auch bei den umliegenden Gebäuden. Aus Bauherrensicht sei die maximale Ausnutzung des Baurechts verständlich, aus Gemeindesicht jedoch nicht. Der Platz vertrage so viel Baumasse nicht. Architekt Hölzl zeigte sich kompromissbereit: "Die Baumasse ist auf jeden Fall diskutabel." Der Gemeinderat verständigte sich darauf, im nächsten Schritt eine Stellungnahme vom Stadtplaner Molenaar einzuholen und den Plan mit den städtebaulichen Zielen für den Platz abzugleichen.