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Gräfelfing:Faible für die Vergangenheit

Silvia Helling, der nostalgische Laden, Bahnhofstraße 15, Gräfelfing

Kurioses aus aller Welt: Sylvia Helling in ihrem Gräfelfinger Laden mit Puppenköpfen unter einer Glasglocke.

(Foto: Florian Peljak)

"Der nostalgische Laden" offeriert Accessoires mit Patina

"Frucht's Schönheitswasser Aphrodite, das Gesichtswasser, das wirklich die Haut verschönt", lautet das Versprechen, das auf eine Werbetafel aus Metall gedruckt ist und neben einem alten Wäscheholz, original Sunlicht-Seifen ("preiswert und gut"), Schiffslampen aus Indonesien und einer OP-Lampe aus den Fünfzigerjahren zu den kuriosen Funden zählt, die Kunden im Laden von Sylvia Helling in Gräfelfing machen können. "Der nostalgische Laden", neu eröffnet in der Bahnhofstraße 15, lädt ein zum Stöbern, Entdecken und Erinnern.

Sylvia Helling hat eine Leidenschaft für Schätze der Vergangenheit. Möbel und Wohnaccessoires von der Gründerzeit bis Art Deco sind in ihrem Laden arrangiert. Das meiste sind Antiquitäten, manches ist auch Neuware und trifft im Stil den Nerv der Zeit, der gerade Industriedesign und "shabby chic" feiert: lackierte Oma-Kommoden oder Metallschränke mit einem Hauch von Rost überzogen, sind gefragte Ware. Zu den Kunden zählen junge Leute, die mit einem mit Patina versehenen Accessoire Atmosphäre in ihre spiegelglatte, moderne Küchenwelt zaubern wollen, aber auch ältere Leute, die sich staunend daran erinnern, was sie alles schon achtlos weggeworfen haben. Emotional unberührt bleibt keiner.

Auch nur Schauen ist erlaubt. Stöberkunden sind eingeladen, mitten im Panoptikum an zwei Tischen Platz zu nehmen, einen Espresso zu trinken, kleine Törtchen zu verzehren und ihre Blicke schweifen zu lassen. Da gibt es den alten Weihnachtsschmuck zu entdecken und Telefone mit Wählscheibe aus Triest sowie Handschellen, die am Bank-Safe aus Indien hängen.

Ihren Anfang nahm die Leidenschaft für die alten Sachen, als Sylvia Helling noch bei einer Fluggesellschaft arbeitete und erste Schätze aus Indien mitbrachte. Es folgten weitere von Märkten in ganz Europa. Als die eigenen Kinder aus dem Haus waren, hat sie den Laden schon mal vier Jahre lang in der Maxvorstand geführt. Jetzt, nach zwei Jahren Ladenpause, ganz neu in Gräfelfing. Die Ware erhält sie von Händlern in Wien, Belgien, Brüssel, Paris, Tschechien oder Indien. Aber es wird immer schwieriger, Ware zu finden, sagt die Gräfelfingerin. Irgendwann ist alles Alte ausverkauft. Ein wichtiger Partner an ihrer Seite ist Ehemann Manfred, der hilft, die Einzelstücke herzurichten, zu säubern, hier und da noch etwas anzuschrauben, auszubessern oder einen Standfuß für die OP-Lampe zu kreieren.

Im Schaufenster präsentiert Sylvia Helling einen großen schwarzen Eisenständer mit massiven Haken: klassisches, antiquarisches Metzgermobiliar. "Das eignet sich doch als Garderobe." Manchmal ist auch Fantasie gefragt, wenn es darum geht, ein antiquarisches Fundstück in die Einrichtung zu integrieren.