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Gräfelfing:Das Baggern geht weiter

Die Firma Glück will im Lochhamer Schlag Kies abbauen, über die Genehmigung entscheidet das Landratsamt. Der Gemeinderat hat offenbar kaum noch Chancen, das Vorhaben zu verhindern

Von Annette Jäger, Gräfelfing

Für das Gräfelfinger Kiesunternehmen Glück stehen die Chancen äußerst gut, in einem neuen Abgrabungsgebiet aktiv zu werden, im Lochhamer Schlag. Zwar hat Gräfelfings Bauausschuss in seiner Sitzung am Donnerstag seine Zustimmung, auf einer Fläche von rund 11,4 Hektar Kies abzugraben, verweigert. Doch es ging dabei nicht um die Grundsatzfrage, ob dort überhaupt Kies abgebaut wird, sondern nur um das Wie. Die finale Entscheidung über den Kiesabbau trifft das Landratsamt als Genehmigungsbehörde. Die Gräfelfinger hoffen, dass die kritisierten Aspekte noch von der Firma nachgebessert werden müssen.

Nachschub scheint gesichert zu sein: Geschäftsführer Markus Wahl plant, in etwa vier Jahren mit dem Abbau im Lochhamer Schlag zu beginnen.

(Foto: Catherina Hess)

Die neue Auskiesungsfläche befindet sich nördlich der Würmtalstraße und damit in der Nähe des Kieswerks Glück. Über einen Zeitraum von sieben Jahren möchte das Unternehmen in vier Abschnitten jedes Jahr rund 250 000 Kubikmeter Kies entnehmen und wieder verfüllen. Anschließend wird die Fläche rekultiviert. Etwa drei Hektar der potenziellen Kiesabbaufläche sind Ackerland, der Rest ist Wald, der jedoch nach Aussagen von Markus Wahl, Geschäftsführer der Firma Glück, "verbesserungswürdig" ist. Große Flächen seien durch Waldbrände geschädigt, weitere große Bereiche seien voller Büsche und Gestrüpp ohne durchgängigen Baumbestand. Nach Ende des Kiesabbaus soll mehr Wald entstehen als zuvor, die Ackerfläche werde größtenteils aufgeben, in Summe entstünden etwa zehn Hektar Laub- und Mischwald.

Rohstoff und Zündstoff zugleich

Kies in bester Güte unter den Würmtaler Wäldern treibt seit Jahrzehnten hitzige Diskussionen an, in denen wirtschaftliche und ökologische Interessen aufeinanderprallen. Derzeit gibt es zwei Schauplätze, die im Zentrum der Debatte stehen. Im Forst Kasten, der im Bereich der Gemeinde Neuried liegt, baut die Firma Glück seit Jahrzehnten an verschiedenen Stellen zwischen Neuried, Planegg und Gräfelfing Kies ab. Der Wald gehört der Heiliggeistspitalstiftung, die dort weitere neuneinhalb Hektar Wald zur Auskiesung ausgeschrieben hat. Die Firma Glück war von der Teilnahme ausgeschlossen. Den Zuschlag hat die Neurieder Firma Gebrüder Huber Bodenrecycling GmbH erhalten, dem musste der Sozialausschuss des Münchner Stadtrats in seiner Rolle als Stiftungsorgan zustimmen - Umweltschützer und Politiker protestieren gegen den Beschluss. Das Landratsamt hält zudem ein zweites Abbaugebiet im Forst Kasten durch eine weitere Firma für nicht verträglich und hat eine Genehmigung derzeit nahezu ausgeschlossen. Umweltaktivisten haben aus Protest Baumhäuser im Forst Kasten errichtet. jae

Grundsätzlich steht dem Kiesabbau im Lochhamer Schlag nichts entgegen. Das stellte Frank Sommer, früherer Gemeinderat und beratender Rechtsanwalt der Gemeinde in dieser Sache, fest. Der Abbau erfolgt im Außenbereich, dieser sei privilegiert für Kiesabbau, und zudem mache die zeitliche Befristung des Abbaus den Eingriff in den Bannwald möglich. Eine Genehmigung des Landratsamts sei sehr wahrscheinlich. Dennoch ergeben sich zwei Hebel, um das Vorhaben erst mal abzulehnen. So ist im Moment unklar, wie die zeitliche Befristung gesichert wird. Laut Sommer muss sie in den Genehmigungsbescheid aufgenommen werden. Zudem müsse beim Grundwasserschutz nachgebessert werden. Es sei sicherzustellen, dass das vor der Rekultivierung eingebrachte Verfüllmaterial unbelastet ist.

Vehementer Widerspruch zum Kiesabbau kam von Gemeinderat Martin Feldner (Grüne). Er argumentierte, dass Wald 70 Jahre brauche, bis er wieder so dastehe wie vor einer Abholzung. Wenn für Kiesabbau kein Wald beschädigt werde, so Felner, "haben Sie meine Stimme auch". Sommer betonte, dass aus juristischer Sicht der Anspruch auf Kiesabbau gegeben sei, "politisch kann man das anders sehen".

Glück-Geschäftsführer Markus Wahl plant, in etwa vier Jahren mit dem Abbau im Lochhamer Schlag zu beginnen, dann sind seine Vorräte im Forst Kasten erschöpft. Auf weiteren Abbau auf neuen Flächen im dortigen Wald setzt Wahl nicht mehr: "Den Forst Kasten habe ich abgeschrieben." Dort hat aktuell ein anderes Unternehmen den Zuschlag auf Abbau erhalten. Noch Ende Juni muss sich auch die Gemeinde Planegg mit einem Antrag der Firma Glück beschäftigen. Das Unternehmen möchte im Umfeld des Abbaugebiets an der Fürstenrieder Straße eine mobile Betonrecyclinganlage aufstellen.

© SZ vom 19.06.2021
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