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Gräfelfing:Auf breiterer Basis

Handymast in Köln, 2002

Viele Bürger machen sich Sorgen um ihre Gesundheit, wenn sie Verteilerantennen wie diese auf dem Dach eines Nachbarhauses sehen.

(Foto: Joker)

Das "Gräfelfinger Modell" soll, erweitert um die Gemeinden Planegg und Krailling, realisiert werden. Mobilfunkanbieter müssten dann ihre Sendeantennen möglichst außerhalb von Wohngebieten aufstellen

Das "Gräfelfinger Modell" einer verträglichen Einbindung des örtlichen Mobilfunks schaffte es zu bundesweiter Bekanntheit. Seit klar ist, dass dieser Lösungsweg mit vorgegebenen Antennen-Standorten tunlichst außerhalb der Wohnquartiere bei voller Netzabdeckung für den gesamten Gemeindebereich juristisch wasserdicht abgesichert ist, wurde es ruhig um dieses Modell. Nun soll es, erweitert um die Nachbargemeinden Planegg und Krailling, in absehbarer Zeit doch noch Realität werden.

Derzeit untersucht das Umweltinstitut München im Auftrag der drei Gemeinden die Möglichkeiten einer Umsetzung des Modells auf ihrer Flur. Für Mitte bis Ende November erwartet Markus Ramsauer, der im Gräfelfinger Rathaus das gemeinsame Projekt federführend betreut, das Gutachten. Dann, sagt Ramsauer, "wird wieder verhandelt", auch mit den Betreibern der Mobilfunknetze, die sich mit vorgegebenen Standorten anfreunden müssen. Im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren seien diese Gespräche inzwischen einfacher geworden, erklärt Ramsauer, denn bei den Betreibern sei heute "eine andere Sensibilität" erkennbar als damals.

Was das Umweltinstitut hier erarbeite, betont Diplom-Ingenieur Hans Ulrich-Raithel ausdrücklich, das sei allerdings "kein Konzept", denn über die einzelnen Standorte müssten am Ende die Gemeinden selbst entscheiden. Untersucht werde zuerst einmal in allen drei Gemeinden, "in welchen Zonen haben wir welchen Bedarf". Daraus ergäben sich in der Folge für die Platzierung der Antennen ausdrücklich keine Standortvorschläge, sondern geeignete "deutliche Gestaltungsspielräume". Das sage zuerst einmal nicht mehr aus, als dass innerhalb eines Bereichs von jeweils unterschiedlich großem Umfang eine Antenne notwendig werde, um der betreffenden Zone den gesetzlich vorgeschriebenen ausreichenden Handy-Empfang zu sichern.

Die Entscheidungen, wo die nötigen Antennen möglichst außerhalb der Wohnbereiche errichtet werden sollen, treffe dann der Gemeinderat. Dass dabei Probleme entstehen, befürchtet das Umweltinstitut nicht. "Wir achten darauf, dass das, was wir machen, durchsetzbar ist."

Ein wenig, das lässt Ulrich-Raithel durchblicken, sieht er Gräfelfing und Planegg gegenüber Krailling wegen der günstigen Lage der Gewerbegebiete im Vorteil, da dortige Antennen-Standorte als unbedenklich eingestuft würden, aber größere Wohnbereiche gut abdecken könnten.

Offen ist weiterhin, was am Neunerberg geschieht, wo der dort bislang geplante vierzig Meter hohe Gittermast zwischen Gräfelfing und Planegg nach wie vor umstritten ist. Ein konkreter Lösungsvorschlag, betont Ulrich-Raithel, sei auch hier nicht vom Umweltinstitut zu erwarten, wohl aber "Spielräume", wozu auch der Bahndamm zähle. Varianten an diesem Standort werden auch in beiden Gemeinden erwogen.

Planeggs Umweltreferent Richard Richter verweist auf Möglichkeiten, die sich vielleicht im Zuge der Sanierung und Erneuerung der Antennen auf dem Dach des Altenheims St. Elisabeth auftun könnten. Womöglich könne der optisch störende Mast "filigraner" werden, ein Gedanke, den der Gräfelfinger Grünen-Gemeinderat Frank Sommer vor geraumer Zeit einmal erwog und den auch Ramsauer als Lösung nicht ausschließt.

Die Zusammenarbeit der drei Würmtalgemeinden zur Entwicklung eines gemeinsamen Mobilfunk-Modells schaffe gegenüber der bisherigen Situation "eine andere Basis", erklärt Gräfelfings Bürgermeisterin Uta Wüst. Sie ist zuversichtlich, weil nicht mehr Einzelinteressen maßgebend seien, sondern gemeinsame Interessen, bei denen alle profitierten. Das gelte auch für Krailling, betont Bürgermeisterin Christine Borst. Dort habe die Gemeinde in den vergangenen Jahren "nie ein Problem gehabt, weil die Betreiber keine Anträge" gestellt hätten, um neue Antennen aufstellen zu können. In Zukunft, da ist Borst sicher, könne man solchen Anträgen mit dem Hinweis auf die von der Gemeinde vorgegebenen Positivstandorte begegnen.