bedeckt München -1°

Google Street View:Hund sans scho

Sie rollten tagelang scheinbar ziellos durch die Städte und fielen mit den teleskopartigen Kisten auf dem Dach natürlich auf. Als Google der Öffentlichkeit erklären musste, was es mit seinen merkwürdigen Fahrzeugen vorhabe, rangen Datenschützer dem Unternehmen das Versprechen ab, Gesichter in der Internetanwendung unkenntlich zu machen und Nummernschilder zu verpixeln. Dies sollte eine automatisierte Software erledigen, doch die hat nicht in jedem Fall alles richtig gemacht. In München zum Beispiel sind Politiker wie Isabell Zacharias (SPD) oder Ludwig Spaenle (CSU) auf ihren eigenen Wahlplakaten nicht mehr zu erkennen, gerade die also, die unbedingt erkannt werden wollen. Interessant wird das mit den Wahlplakaten vor allem dann, wenn man dieselbe Straßenecke von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet - denn schon lächeln einen die beiden wieder an. Dies hat die Software offenbar nicht entdeckt. Besonders schön aber ist der braune Dackel, der herrenlos auf dem Viktualienmarkt Gassi geht - und dessen Schnauze Google ebenfalls unkenntlich gemacht hat. Der Konzern kennt sich mit der Münchner Seele aus: Hier ist der Dackel auch ein Mensch.

Herrenloser Dackel, verpixelt, aufgenommen am Viktualienmarkt.

(Foto: Screenshot Google)

Schwabing vor der Bombe

Die Feilitzschstraße war lange Zeit so etwas wie die Gute-Nacht-Kantine Schwabings. Zwischen Dönerbuden, die sich mit Kampfpreisen von 2,50 oder 2,60 Euro die Kunden wegzuschnappen versuchten, waren hier auch das Monopol-Kino und eine Kneipeninstitution namens Schwabinger 7 zu Hause. Wer sich gerne daran erinnert, wie Gerd "Manila" Waldhauser einem um 4.30 Uhr noch ein Bier zapft, der kann sich im Internet zumindest den Nachkriegsbehelfsbau anschauen, in dem die "Schwasi" untergebracht war. Dessen Abriss, die Bombensprengung vom vergangenen Jahr? Auf Google Street View nicht mal ansatzweise ein Thema. Früher war eben doch alles besser.

Abgerissen: der Nachkriegsbehelfsbau, in dem die alte Schwabinger 7 untergebracht war (Mitte). Links daneben: "Mama's Kebap Haus".

(Foto: Screenshot Google)

Das sehen vielleicht auch die Wirte des ehemaligen japanisch-chinesischen Restaurants Shinjuku an der Ligsalzstraße 38 so oder die Macher des Partyservice L'Ocean an der Rablstraße 37. Zwei Beispiele von vielen Münchner Lokalen, die längst nur noch virtuell existieren. Heute findet man an den jeweiligen Adressen spannendere Restaurants: das La Kaz im Westend und das Burger House in Haidhausen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema