IT-Sicherheit für Behörden und UnternehmenWas Google derzeit in München plant

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Am Münchner Google-Standort an der Arnulfpost sollen Behörden und Konzerne Hilfe für den Schutz ihrer IT bekommen.
Am Münchner Google-Standort an der Arnulfpost sollen Behörden und Konzerne Hilfe für den Schutz ihrer IT bekommen. Andreas Gebert/dpa
  • Google eröffnet am Mittwoch in München seinen weltweit ersten Sovereign Cloud Hub für souveräne Cloud-Lösungen.
  • Der US-Konzern bietet verschiedene Sicherheitslösungen von teilisolierten bis zu physisch getrennten Systemen an.
  • Google investiert bis 2029 rund 5,5 Milliarden Euro in Deutschland und baut die Arnulfpost bis 2026 aus.
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Google hat in München seinen weltweit ersten Standort für souveräne Cloud-Lösungen eröffnet. Was der US-Konzern damit vorhat – und welche Pläne es sonst noch gibt.

Von Catherine Hoffmann

SZ bei Google bevorzugen

Google baut seine Präsenz in Deutschland – und auch in München – weiter aus. Am Mittwoch eröffnete der US-Konzern in der Arnulfpost in der Maxvorstadt seinen weltweit ersten sogenannten Sovereign Cloud Hub. Der neue Standort soll zu einem Schaufenster für souveräne Cloud-Lösungen werden, einem Thema, das für Politik, Verwaltung und Unternehmen in Europa zunehmend existenziell ist.

„Wir glauben, dass europäische Organisationen die Kontrolle über ihr digitales Schicksal haben sollten“, sagte Hayete Gallot, die zum obersten Führungsteam der Google Cloud gehört, bei der Eröffnung. Das Zentrum soll dazu beitragen, dieses Versprechen einzulösen: Google will Cloud-Technologie nicht nur importieren, sondern in Europa weiterentwickeln und an die Bedürfnisse der hiesigen Kunden anpassen.

„Wir sind unglaublich stolz, den ersten Sovereign Cloud Hub hier in München zu eröffnen“, sagte Wieland Holfelder, der seit fast 18 Jahren das Google Engineering Center in München leitet und Vizepräsident für Cloud Engineering ist. Der Hub sei ein Ort, an dem souveräne Cloud-Lösungen nicht nur erklärt, sondern praktisch erfahrbar würden. Kunden und Partner sollen hier gemeinsam mit Google-Ingenieuren experimentieren und konkrete Probleme lösen. Hier könne man, sagt ein Google-Sprecher, „mit der eigenen IT vorbeikommen, Prototypen bauen und Szenarien durchspielen“. Auch KI-Anwendungen gehören dazu: Google bietet nicht nur eigene Modelle an, sondern eine Auswahl von rund 300 KI-Modellen, darunter auch solche von Meta, Anthropic oder Open-Source-Anbietern.

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Was digitale Souveränität genau bedeutet, ist allerdings umstritten. Jeder versteht etwas anderes darunter. Das weiß man auch bei Google und versucht, den Begriff technisch zu fassen. „Unser Anspruch ist, dass wir nicht nur Versprechen abgeben, sondern technisch nachweisen können, dass wir keinen Zugriff auf Kundendaten haben“, sagt Holfelder. Dafür arbeitet Google eng mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zusammen – für einen US-Konzern ein ungewöhnlicher, aus Münchner Sicht aber notwendiger Schritt.

Die Nachfrage nach solchen Lösungen wächst, nicht zuletzt wegen geopolitischer Verwerfungen. Putins Krieg gegen die Ukraine, die Unsicherheit über den Kurs des US-Präsidenten, und Debatten über den Cloud Act, wodurch US-Behörden Zugriff auf gespeicherte Daten haben, haben Behörden und Unternehmen in Europa aufgerüttelt. Viele fragen sich heute: Was passiert, wenn ein fremder Staat versucht, auf unsere Daten zuzugreifen?

Die Antworten von Google heißen: Data-Boundary, Dedicated Cloud und Air-Gapped Cloud. Das Unternehmen hat einen Baukasten von Modellen geschaffen – von teilisolierten bis zu physisch vollständig getrennten Systemen. Data Boundary ermöglicht es Kunden zu steuern, wo sensible Daten gespeichert werden, zum Beispiel nur in Europa oder auch ausschließlich in Deutschland. Die Dedicated Cloud richtet sich an Unternehmen und Behörden, die eine nur für sie bestimmte, isolierte Infrastruktur nutzen wollen, die von einem lokalen Partner bereitgestellt wird und unabhängige Abläufe ermöglicht.

Die Air-Gapped Cloud schließlich ist die radikalste Form der Abschottung: Die komplette Google-Cloud-Technologie steht beim Kunden im abgeschlossenen Serverraum, ohne jede Verbindung zum öffentlichen Internet oder zu Googles Infrastruktur. Diese Variante ist für Organisationen gedacht, die hochsensible Daten verarbeiten oder kritische Infrastruktur betreiben, etwa die Bundeswehr oder die Deutsche Rentenversicherung.

Dass das erste souveräne Cloud-Zentrum ausgerechnet in München entsteht, ist kein Zufall. Google investiert seit fast zwei Jahrzehnten in den Standort, inzwischen arbeiten mehr als 1000 Ingenieurinnen und Ingenieure in der Stadt. Die Eröffnung steht zudem in engem Zusammenhang mit Googles Ankündigung, in Deutschland bis 2029 rund 5,5 Milliarden Euro zu investieren. Das Geld fließt in neue Rechenzentren in Hessen, in klimaneutrale Energieprojekte sowie in Büroflächen in Berlin, Frankfurt und München.

Für München bedeutet das konkret: Die Arnulfpost wird bis 2026 zu einem hochmodernen Entwicklungszentrum mit 30 000 Quadratmetern Bürofläche ausgebaut und eröffnet – genau 100 Jahre, nachdem der Rohbau des historischen „Postpalasts“ errichtet wurde.

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