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Glyptothek:Arkadien rückt näher

Die Glyptothek ist beinah fertig saniert. Das größte Baugerüst ist schon verschwunden

Von Susanne Hermanski

Unfassbar aber wahr. Das Gerüst ist weg! Der Blick auf den Portikus der Glyptothek ist seit Donnerstag wieder frei. Und dies lässt ahnen, dass bald die Münchner ihr kleines Arkadien am Königsplatz wieder ganz für sich erobern können. Denn selbst wer die Qualitäten dieses einzigartigen Museums für klassische Skulpturen nicht als Kunstfreund zu schätzen weiß und nicht schmachtet nach dem Barberinischen Faun, der sich dort im Inneren sinnlich rekelt - die Aussichten dürften ihn trotzdem freuen. Die Stufen zu dem ehrwürdigen Gebäude sind einer der schönsten Sonnenplätze der Stadt. Und wenn weiterhin alles nach Plan verläuft, sollen sie im Sommer wieder voll zugänglich sein. Dann werden sich auf ihnen wieder die Studenten der benachbarten Technischen Universität, der Musik- und der Filmhochschule begegnen. Und viele andere Wissensdurstige werden auf einen Sundowner oder zum Studium eines guten Buchs ebenfalls dort anlanden.

Derlei positive Nachrichten sind rar in diesen Tagen. Deshalb verkündet das Bauministerium sie besonders stolz: "Ziemlich genau 200 Jahre nach ihrer Erbauung strahlt die Glyptothek am Münchner Königsplatz wieder wie neu." Ministerin Kerstin Schreyer jubiliert: "Nach der Sanierung strahlt der südliche Portikus wieder wie ein antiker griechischer Tempel. Die Staatsbauverwaltung setzt mit dem raschen Fortschritt ein Zeichen für Kunst und Kultur, das Mut macht." Und der Kunstminister Bernd Sibler freut sich nicht minder, hat er doch kürzlich erst auf dem Königsplatz die große Demonstration "Aufstehen für Kultur" über sich ergehen lassen. "Die Glyptothek ist der älteste Museumsbau in München und ein Highlight in unserem Kunstareal. Dank der Sanierung tragen wir dazu bei, ein Stück bahnbrechender historischer Museumsarchitektur und die Heimat weltbekannter Skulpturenkunst auch für kommende Generationen zu erhalten", sagt er. Die Sanierung der Glyptothek läuft seit Anfang 2019. Kürzlich wurde die Wiedereröffnung zwar von November auf Januar verschoben, doch insgesamt bewegen sich bislang die Arbeiten im ursprünglichen Termin- und Kostenrahmen.

König Ludwig I. hatte das Museum in Auftrag gegeben. Es wurde von 1816 bis 1830 nach einem Entwurf von Leo von Klenze errichtet und nach den Kriegszerstörungen im Inneren nach Plänen von Josef Wiedemann wiederaufgebaut. Seine Fassaden waren in der Nachkriegszeit überhaupt nur notdürftig repariert worden. Nun werden sind sie gemäß den Originalplänen beinah schon komplett saniert. Dafür wurde auch der Aufgang zum Haupteingang zurückgebaut und nach griechischem Vorbild schmaler wiederhergestellt. Genug Platz an der Sonne bieten die großen Tempelstufen daneben aber trotzdem noch.

© SZ vom 21.11.2020/van

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