Wer die bayerische Landeshauptstadt auf der Bundesstraße 2 gen Westen verlässt, trifft auf eine Oase des Glücks. Gleich auf Höhe einer großen Tankstelle mit Waschanlage und Getränkemarkt weist das gelbe Ortsschild die Grenze zwischen München und diesem sagenhaften Ort aus: Hier beginnt der Landkreis Fürstenfeldbruck. Der gerade publizierte SKL-Glücksatlas adelt den Landkreis westlich von München als eine von sechs Glücksoasen Deutschlands. Nirgendwo gaben die zwischen Juli 2023 und Juni 2024 für den Atlas befragten Menschen ein höheres Niveau an Zufriedenheit zu Protokoll als in den Landkreisen Düren, Gießen, Emmendingen, Dillingen an der Donau, dem Saalekreis und eben im Landkreis Fürstenfeldbruck.
Das besagte Ortsschild neben der Tankstelle klärt den Reisenden zudem darüber auf, dass er in Germering eintrifft – mit etwa 43 000 Bewohnern die einwohnerstärkste Stadt des Landkreises. Die Begrüßung fällt herb aus, lieblich ist hier nichts: Gegenüber der Tankstelle befindet sich ein Wertstoffhof, dahinter eine S-Bahn-Station mit Parkplatz, und davor, gut sichtbar, ein recht neues Vielparteienhaus, das aussieht, als habe jemand Überseecontainer gestapelt und hie und da mit Klinkern beklebt. Verkauft wurden die Wohnungen mit dem Claim „Glücksgefühl Germering“, was angesichts der ästhetischen Zumutung dieses Ortseingangs eine breitbeinige Ansage, angesichts der Ergebnisse des SKL-Glücksatlas womöglich aber zutreffend war.
Viele Familien mit Kindern heben offenbar das Glücksniveau
Zu den „Geheimnissen der sechs Glücksgebiete“, so die Formulierung, zählen nämlich einige, die auch an diesem Ort zu finden sind. Alle sechs Glückslandkreise befinden sich in der Nähe einer Großstadt, was kurze Pendelwege mit sich bringt und die Vorzüge der Stadt genießbar macht, deren Nachteile aber ausklammert. Der größte Vorteil mancher Orte scheint darin zu liegen, dass man sie rasch verlassen kann, beziehungsweise könnte: Wie hoch das Glücksniveau erst wäre, wenn die S-Bahn nach München zuverlässig fahren würde!
Auch in die andere Richtung, raus aufs Land, haben die sechs identifizierten Glücksgebiete Attraktionen in Reichweite: Seen, Berge, Wälder und andere Ausflugsziele. Eine hohe Dichte an Vereinen, kirchliche Prägung, viele Familien mit Kindern sowie wenige Einpersonenhaushalte heben offenbar ebenfalls das gemessene durchschnittliche Glücksniveau. Das höchste durchschnittliche Glücksniveau auf einer Skala von 0 (pfui) bis 10 (hui) gaben die Bewohner des Kreises Gießen mit 8,11 zu Protokoll. Im Landkreis Fürstenfeldbruck lag der Wert bei 8,02, was für Platz zwei der Glücksparade reicht.
Aber handelt es sich um sechs Oasen des Lichts im Land des finsteren Griesgrams? Nein, insgesamt steht es laut SKL-Glücksatlas, dessen Aussagekraft gewiss Grenzen hat, recht gut um die Zufriedenheit der Deutschen. Der Wert für das gesamte Land liegt bei 7,06 und damit wieder auf dem Niveau der Vor-Corona-Zeit – durchaus überraschend angesichts des permanenten Gemaules und Gejaules im Land. Manchmal ist das größte Glück eben dort zu Hause, wo man es nicht vermutet, sogar in Germering im Landkreis Fürstenfeldbruck.

