Kritik:Strahlende Spitzentöne

Mit einer konzertanten Aufführung von "Orfeo ed Euridice" werden im Stadttheater Fürth die Gluck-Festspiele eröffnet.

Von Klaus Kalchschmid, Fürth

Mehr Authentizität geht nicht: Zur Eröffnung der Gluck-Festspiele singt im neobarocken Stadtheater Fürth (1902 erbaut) der männliche Sopran Bruno de Sà. 1769 verkörperter der Soprankastrate Giuseppe Millico in Parma eben jene Partie des Orfeo in Christoph Willibald Glucks "Orfeo ed Euridice", die der Opernreformer sieben Jahre zuvor, ebenfalls auf Italienisch, für Wien und einen Altkastraten komponiert hatte. Heute wird diese Partie meist von einem weiblichen Mezzo ersetzt .

Der letzte Teil von "Le feste d'Apollo" für die Hochzeit von Erzherzogin Maria Amalia mit Herzog Ferdinand von Bourbon-Parma ist nach der von Gluck 1774 grundlegend für Paris und einen hohen Tenor auf Französisch veränderten Fassung bis heute die am seltensten aufgeführte Version. Denn die für Parma mal um eine Terz, mal um eine Quart nach oben transportierte Partie liegt den meisten Countertenören zu hoch, einem Bruno de Sà oder Samuel Mariño schon fast zu tief.

Sà musste nach Absage von Samuel Mariño vor wenigen Wochen die Partie erst lernen, um sie nicht nur musikalisch in die Stimme sondern auch in den Körper bekommen. Denn geplant war eine auswendig gesungene Version mit einem Hauch von Szene. Zudem war der junge Sopranist erheblich gesundheitlich angeschlagen. Das führte zu Nervosität und manchmal mangelnder Tragfähigkeit der Stimme in Mittellage und Tiefe, während die Spitzentöne stets einsam strahlten. Als Sà einmal einen hohen Ton vibratolos mit immer mehr Lautstärke und vibrierendem Klang vom Pianissimo ins Fortissimo steigerte, ging ein Raunen durch die Reihen.

Ihm zur Seite stand eine feine, ihr Unverständnis ob des scheinbar gefühllosen Mannes immer stärker artikulierende Euridice in Gestalt von Georgina Melville und als Amor der sicher und kraftvoll agierender Knabensopran Cajetan Deßloch von den Tölzern. Dessen musikalischer Leiter ist der Dirigent dieses Abends, Michael Hofstetter, gerade geworden. Er war mit dem Händelfestspielorchester Halle erfolgreich um viel Originalklang bemüht, während das fünfköpfige Calmus Ensemble, manchmal erweitert um den Kammerchor Josquin des Préz, schöne junge Stimmen mit Ausdruck hören, aber manchmal die chorische Mischung vermissen ließ.

© SZ/chj/arga
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