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Glockenbachsuiten:Miet-Angebot in München: ein Zimmer für 3000 Euro kalt

Glockenbachsuite

60 Euro pro Quadratmeter? So sah das Fake-Angebot bei Immobilienscout24 aus.

(Foto: Screenshot SZ.de)

60 Euro pro Quadratmeter, das ist selbst für München zu irre. Die Anzeige stellt sich als Fälschung heraus - aber wer steckt dahinter?

Fast hätte man darüber hinweggelesen. Schließlich ist das Internet voll von Luxusbuden, die es in München für Besserverdienende gibt. Aber bei jenem besonders unverschämten Angebot einer "Frau M", das so bei Immobilienscout eingestellt war, konnte man schon stutzig werden. Es ging um 50 Quadratmeter in den "Glockenbachsuiten" - und damit um ein Zimmer zu stattlichen 3000 Euro kalt.

Wegen akuten Gentrifizierungsverdachts hatten Aktivisten den Neubau an der Reichenbachbrücke bekämpft. In einem besonderen Stück München könne man leben, in einem Objekt, das entscheidend zur Stadtentwicklung beigetragen habe, hieß es in der Annonce.

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Klingt nach echter Aktivisten-Ironie. Und 60 Euro Quadratmetermiete - das muss selbst in München ein Scherz sein. Das glaubt auch Thomas Fischer von Concept Bau, jener Firma, die die Suiten hat errichten lassen. Mittlerweile sind sie längst an Eigentümer verkauft. "Nein, 25 Euro kalt, 30 bis 35 Euro möbliert, dazu würden wir unseren Eigentümern raten", sagt Fischer. "Die Annonce ist eine wahre Lüge, ein Fake - und sonst nichts."

Bei Immobilienscout löschen sie die Anzeige schon bald

Doch wer ist der Scherzkeks - die Aktivisten von Goldgrund? Von Green City? Dementi von beiden Seiten. Recherche bei Immobilienscout, wo sie die Anzeige schon bald löschen. Dort glauben sie an einen Betrugsversuch: "Die mangelnde Objektbeschreibung sowie eine Vertragsadresse im Ausland lassen einen Betrüger vermuten." Bezahlt worden sei die Annonce per Lastschrift, vermutlich mit gestohlenen Kontodaten.

Bislang sind Sicherheitsfilter und Abfragen, die vor Betrügern schützen sollen, bei Immobilienscout auf besonders günstige Objekte eingestellt. Jetzt drehen die Betrüger den Spieß wohl um - und erwarten einen Ansturm potenzieller Münchner Mieter-Millionäre.