Gleichgeschlechtliche Partnerschaften Die Münchner CSU ist beim Thema Homo-Ehe viel weiter als die Landtagskollegen

Die Stadtpartei denkt in Sachen Homo-Ehe ganz anders als die Landtagskollegen (Symbolbild).

(Foto: dpa)

CSU-Bürgermeister Josef Schmid ist den Parlamentariern um Welten voraus. Für die Landespartei würde sich ein Blick nach München lohnen.

Kommentar von Heiner Effern

Den folgenden Ausschnitt aus einer politischen Rede bitte ganz genau studieren, liebe Leser, danach folgt eine Abfrage. Hier der Text: "Und ich bin fest davon überzeugt, dass es für Kinder prinzipiell keinen Unterschied macht, ob sie in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften oder in gemischtgeschlechtlichen Ehen aufwachsen. Entscheidend ist die vorhandene - oder oft auch nicht vorhandene - Liebe der Eltern zu ihren Kindern. Und ich bin deshalb ganz persönlich dafür, dass auch homosexuelle Paare die Möglichkeit haben, nicht-leibliche Kinder zu adoptieren."

Nun, wer spricht? Thomas Niederbühl, Stadtrat der Rosa Liste? Lydia Dietrich, seine Kollegin von den Grünen? Oder gar Alexander Reissl, Fraktionschef der SPD? Alles weit daneben. Der Redner heißt Josef Schmid, ist Bürgermeister dieser Stadt und mit seiner Erklärung auf dem Christopher Street Day (CSD) 2015 bestimmt einer der liberalsten CSU-Politiker. Seine Stadtratsfraktion darf da nicht hintanstehen, sie fährt bei der Parade des CSD sogar auf einem eigenen Wagen mit. Die CSU in München gibt sich großstadtliberal, ohne Wenn und Aber. Wenn es sein muss, sogar ohne die eigenen Landtagabgeordneten.

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Die Münchner CSUler im Landtag jedoch haben nun mit fast allen ihren Parteikollegen gegen die Ehe für alle inklusive Adoption für gleichgeschlechtliche Paare gestimmt. Eine Steilvorlage für die Grünen, deren "entsetzte" Abgeordnete Claudia Stamm vor lauter Empörung gleich noch den (tatsächlich originalen) Redetext von Bürgermeister Schmid mitversendete. Auch wenn das Manöver nicht besonders feinsinnig ist, berührt es einen wunden Punkt in der CSU.

Damit gemeint ist nicht der offensichtlich sehr begrenzte Mut ihrer Münchner Abgeordneten. Der Punkt ist, dass viele Bürger in ihrer Toleranz und ihren Lebensmodellen oft viel weiter sind, als es ihnen die CSU zutraut. Es war immer eine ihrer Stärken, Stimmungen im Land zu erspüren. Was wegen der internen Affären und der chronischen Erfolglosigkeit in der Hauptstadt lange undenkbar war, könnte sich für die Landespartei nun lohnen: ein intensiver Blick nach München.

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