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Gleichberechtigung:Mehr Frauen auf die Bühne

Bei Festivals sind im Schnitt nur acht Prozent des Line-ups weibliche Artists. Hanna Sikasa (Foto) und Elena Steri wollen das ändern.

(Foto: Anika Maass)

Pop und Feminismus: Konzertreihe "Songs from her(e)"

Interview von Johanna Schmid

In der Musikbranche sind Frauen immer noch unterrepräsentiert. Auch bei Auftritten auf Festivals. Dort sind im Durchschnitt nur acht Prozent des Line-ups weibliche Artists. Doch gibt es immer mehr Projekte und Initiativen, die das ändern wollen. So zum Beispiel die bayerische Initiative MusicBYWomen. Hier werden vor allem Netzwerk-Arbeit betrieben und Projekte gefördert, die Frauen auf die Bühne bringen - etwa die Konzertreihe "Songs from her(e)" im Frühjahr. Auch die in München ansässige Jazz-Sängerin Hanna Sikasa ist Teil davon. Zusammen mit fünf anderen Künstlerinnen ist sie nun Teil dieser Konzertreihe, die in sieben bayerischen Städten zu sehen und hören sein wird.

SZ: Wie entstand die Idee, diese Konzertreihe ins Leben zu rufen?

Hanna Sikasa: Ins Leben gerufen hat das Ganze tatsächlich Elena (Elena Steri, Sängerin aus Nürnberg, Anm. d. Red.). Sie hat mich angefragt, ob ich auch Lust hätte, dort mitzumachen. Elena hatte die Idee zusammen mit ihrem Booker Paul Marx. Sie hat eine EP veröffentlicht. Und bei dem Release-Konzert stand auch Cosma Joy aus München mit auf der Bühne. Elena und Paul hat dieser Abend, nur mit Frauen auf der Bühne, so gut gefallen, dass sie das gerne wiederholen wollten. Sie haben sich dann gefragt: Warum machen wir so etwas nicht noch einmal, nur in größerem Stil? Elena hat sich dann nach Musikerinnen umgeschaut, mit denen sie das gerne machen würde. Da war ich dann auch dabei.

Wie werden die Konzertabende denn ablaufen?

Wir sind alle mit unserem jeweiligen Programm unterwegs. Das heißt, es werden auf jeden Fall vollgepackte Abende, weil wir dann natürlich fünf kleine Programme haben. Der Plan sieht so aus, dass wir tatsächlich fünf Mini-Sets spielen werden. Also pro Künstlerin etwa 20 bis 25 Minuten. So kann jede Künstlerin ihr Programm und ihre Musik ein bisschen vorstellen. Wir werden dabei alle alleine spielen, also ohne unsere Bands, mit denen wir teilweise sonst auftreten. Aber gerne würden wir es natürlich auch nutzen, dass wir fünf Frauen sind und eventuell auch gemeinsam etwas machen.

Wie unterstützt ihr euch denn untereinander, wenn ihr nicht gerade gemeinsam auf der Bühne steht?

Indem wir auf das aufmerksam machen, was die anderen so tun. Also ganz einfach zum Beispiel über Social-Media. Ich persönlich gebe auch gerne an Kolleginnen weiter, sollte ich an einem Termin mal keine Zeit für einen Auftritt haben. Oder wenn ein Angebot kommt, von dem ich denke, dass es eher nichts für mich ist, schaue ich, ob mir vielleicht eine andere Künstlerin einfällt, an die ich das weiterleiten könnte.

Hast du das Gefühl, dass dieser gegenseitige Support auch bei anderen Musikerinnen stattfindet?

Ja, auf jeden Fall. Beispielsweise mache ich gerade ein Crowdfunding für mein neues Album und auch das wird von Kolleginnen geteilt und weitergeleitet. Außerdem habe ich das Gefühl, dass es immer mehr Gruppen und Gruppierungen gibt, die sich genau diesem Thema widmen. Dass Musikerinnen eben sichtbarer werden und vorankommen mit dem, was sie machen. Wie die MusicBYWomen-Initiative, die ja auch unsere Konzertreihe fördert.

Hast du denn schon die Erfahrung gemacht, dass es für dich als Musikerin schwieriger ist als für deine männlichen Kollegen?

Dass man als Musikerin manchmal unterschätzt wird, kommt schon vor. Ich beispielsweise spiele Klavier und begleite mich selbst. Zudem schreibe ich auch alle meine Songs selbst und produziere sie. Und was da schon häufiger passiert: Die Leute nehmen einfach automatisch an, dass ich Sängerin bin, weil als Frau kann man ja nur die Sängerin sein. Solche Dinge begegnen einem immer wieder. Oder aber es wird mir nicht zugetraut, dass ich mich mit der Technik auskenne und mich bei Auftritten auch selbst darum kümmern kann.

Wie gehst du mit solchen Aussagen um?

Ich denke, man muss da immer einfach direkt darauf eingehen und sagen: Du, lass mal. Das kann ich selbst auch. Vielleicht lernt die Person so etwas dazu.

© SZ vom 07.01.2020

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