Glaube Beachvolleyball unterm Kreuz

Judith Amend-Knaub will viel ausprobieren in den neuen Räumen.

(Foto: Noemi Isser)

Von Sonntag an zieht die Evangelische Jugend München gemeinsam mit der Ortsgemeinde in die umgebaute Rogatekirche - zur Nutzung gibt es schon kreative Ideen

Von Jakob Wetzel

Ideen gibt es bereits viele. Konzerte sollen in der neuen Jugendkirche stattfinden, eine Ausstellung und Theateraufführungen sind auch geplant. Doch den Raum könne man für nahezu alles nutzen, sagt Judith Amend-Knaub, die Leiterin der Jugendkirche. Und wer weiß? Wenn es die Fußbodenheizung aushält und die Partnergemeinde nichts dagegen hat, vielleicht füllen sie auch einmal den Kirchenboden mit Sand, spielen Beachvolleyball unter dem großen Kreuz der Kirche und feiern einen Strandgottesdienst.

An diesem Sonntagabend um 18 Uhr wird die evangelisch-lutherische Rogatekirche an der Bad-Schachener-Straße wiedereröffnet - und damit auch Münchens evangelische Jugendkirche eingeweiht. Die Ortsgemeinde und die Evangelische Jugend München (EJM) teilen sich ab sofort Gemeindezentrum und Gotteshaus. Es ist ein Modellprojekt, von dem alle Seiten profitieren sollen: Für die Gemeinde mit ihren etwa 1200 Mitgliedern war die Kirche in den vergangenen Jahren zu groß geworden; die EJM, die zuvor in Büros an der Birkerstraße in Neuhausen untergebracht war, suchte eine Kirche, um einen spirituellen Ort für die eigene Arbeit zu erhalten. Das Dekanat wiederum suchte nach Wegen, Immobilien effektiver zu nutzen, um den klammen Etat zu entlasten.

Zwei Jahre lang ist die 1963 errichtete Backsteinkirche nun nach Plänen des Büros Drescher & Kubina umgebaut worden. Die zuvor eher abweisend wirkende Architektur des Zentrums - Architekt Werner Eichberg hatte sie nach dem Leitmotiv "Eine feste Burg ist unser Gott" entworfen - ist durch eine Fensterfront aufgebrochen worden, innen wurden die Kirchenbänke entfernt und durch flexibel verwendbare Stühle ersetzt. Der Altar lässt sich ebenfalls bewegen, und eine moderne Licht- und Tonanlage wurde installiert. Der neue Raum lade zum Ausprobieren regelrecht ein, sagt Amend-Knaub.

Was die EJM aus ihren neuen Möglichkeiten machen wird, dabei sollen die Jugendlichen selbst mitreden. Für die ersten Monate zurre ein Leitungsteam aus den sechs Prodekanaten ein Programm fest, sagt Amend-Knaub. Man wolle auch zunächst im Stadtviertel Fuß fassen, etwa mit einem Stadtteilfest im Park nebenan, eine Genehmigung durch die Stadt vorausgesetzt. Künftig soll es dann jährliche Treffen für alle interessierten Jugendlichen geben. Festlegen wolle sie aber möglichst wenig. "Jede Zeit hat schließlich ihre eigenen Vorstellungen von Kirche." Die Jugendkirche solle kreativ bleiben und offen für neue Impulse.

Konkrete Vorbilder gibt es ohnehin wenige. Die einzige weitere evangelische Jugendkirche in Bayern steht in Nürnberg und heißt "Lux". Dort aber hat die Evangelische Jugend die Kirche für sich alleine, und anders als dort dient den Münchnern ihre Jugendkirche nicht nur als Veranstaltungsraum, vielmehr hat die EJM auch ihre Büros in das Gemeindezentrum verlegt. Die tägliche Arbeit habe einen ganz neuen Charakter erhalten, erzählen Mitarbeiter.

Welche Möglichkeiten eine eigene Jugendkirche bieten kann, zeigt sich aber auch ganz in der Nähe, etwa zwei Kilometer entfernt. An der Preysingstraße in Haidhausen betreibt der Bund der Deutschen Katholischen Jugend seine Jugendkirche. Auch hier gibt es keine festen Sitzbänke. Zum Diözesanen Jugendtag habe man die Kirche zum Beispiel mit Teppichen ausgelegt, heißt es vom BDKJ. Und für eine Sozialaktion habe man mit Klebeband den Umriss der Erzdiözese München und Freising auf den Boden gezeichnet. Die Teilnehmer konnten sich so gut zu regionalen Gruppen zusammenfinden.

An der Preysingstraße gibt es auch einen Hochaltar, der sich aufklappen und in eine Leinwand verwandeln lässt. Das lasse sich nicht nur für multimediale Gottesdienste nutzen, sagt Hoffmann, sondern auch für Tagungen, bei denen sich die Veranstalter ein kirchliches Umfeld wünschen - zuletzt etwa für den ersten ökumenischen Kongress der Krankenhaus-Seelsorger. Auch für die evangelische Jugendkirche gebe es erste Anfragen, sagt Judith Amend-Knaub. Man wolle aber im ersten Jahr noch abwarten, wie sich das Zusammenleben mit der Kirchengemeinde einspiele. Ob sich Ideen wie der Strandgottesdienst wirklich umsetzen lassen, werde sich dann zeigen. "Das werden spannende, aber auch wohltuende Gespräche", glaubt Amend-Knaub. "Wir müssen diskutieren, was uns heilig ist, und wo wir sagen: Das geht dennoch."