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Glasfaser-Ausbau:Ohne Hauseigentümer kein Glasfaseranschluss

Glasfaserkabel bei M-net, 2010

Das Rechenzentrum von M-Net in der Domagkstraße. Durch jedes Glasfaserkabel laufen Tausende von Daten.

(Foto: Catherina Hess)
  • Die Stadtwerke München investieren derzeit massiv in den Ausbau des Glasfasernetzes - in den kommenden fünf Jahren sollen 70 Prozent der Münchner das schnelle Internet nutzen können.
  • Doch es geht nicht nur darum, Kabel zu verlegen - der Anschluss an den Häusern gestaltet sich mitunter schwierig.
  • Mitarbeiter sind nun in der Stadt unterwegs, um von M-Net-Kunden zu erfahren, wer die Haus-Eigentümer sind.

Von Melanie Staudinger

Schnelles Internet und ein hochwertiger Kabelanschluss mit vielen Sendern - das soll bald Realität in der Mehrzahl der Münchner Haushalte und auch Wirtschaftsbetriebe sein. Dazu investieren die Stadtwerke München derzeit massiv in den Ausbau des Glasfasernetzes, das ihr Tochterunternehmen M-Net betreiben soll.

Doch der kommunale Betrieb steht vor einem großen Problem: Um die Leitungen auch anzuschließen, ist die Erlaubnis des Gebäudeeigentümers nötig. Und der ist nicht überall bekannt. Deshalb recherchieren die Mitarbeiter nun bei M-Net-Kunden.

Das Telefon läutet, ein freundlicher Herr stellt sich als Werkstudent von M-Net vor. Das Unternehmen, für das er arbeite, würde gerne einen Glasfaseranschluss an der Adresse des Angerufenen bereitstellen. Dazu aber bräuchte er eine Kontaktadresse der zuständigen Hausverwaltung. In anderen Teilen der Stadt stehen die Mitarbeiter von M-Net gleich vor der Tür, um die entsprechenden Informationen zu erfragen. Solche Anrufe und Besuche sind derzeit keine Seltenheit bei Kunden des städtischen Telekommunikationsanbieters, auch wenn sie etwas hilflos wirken.

Doch M-Net benötige nun einmal die Genehmigung der Eigentümer, um die hausinterne Telefonverkabelung zu benutzen, wie ein Sprecher auf Nachfrage mitteilt. Daher also sollen die Münchner bei der Recherche helfen.

Wie viel Geld die Stadtwerke und M-Net in den Ausbau des Glasfasernetzes investieren, will der Sprecher von M-Net nicht verraten. Es handle sich um einen dreistelligen Millionenbetrag bis 2021, sagt er lediglich. Schon heute umfasse das Netz das Gebiet innerhalb des Mittleren Rings und einige angrenzende Stadtteile. Im Sommer 2016 begann die zweite Ausbaustufe außerhalb des Rings.

Schnelles Internet für 70 Prozent der Münchner

In den kommenden fünf Jahren soll viel passieren: Bewohner von mehr als 230 000 Wohnungen in 35 000 Gebäuden sollen schneller im Internet surfen können. Für 70 Prozent aller Münchner Haushalte will M-Net dann Glasfaseranschlüsse anbieten. Was mit den restlichen 30 Prozent geschieht, ist derzeit noch unklar. Die Stadträte von Alfa forderten daher kürzlich eine dritte Ausbauoffensive.

M-Net nutzt das Glasfasernetz exklusiv. "Es gibt aber bereits Gespräche mit anderen Wettbewerbern, um zukünftig eine Zusammenarbeit und somit eine Nutzung für andere Anbieter zu ermöglichen", sagt der Sprecher. Auch wollen die Stadtwerke über das Glasfasernetz innovative Anwendungen wie intelligente Mess- und Steuerungslösungen anbieten, wie er sagt. Diese geben etwa zeitnah Aufschluss über den Energieverbrauch und ermöglichen es so, mehr Strom zu sparen.

Ohne Genehmigung der Hausbesitzer kein Anschluss

Der Vorteil von Glasfasernetzen ist, dass Daten per Licht übertragen werden. Das geht nicht nur schneller als bisher, sondern geschieht auch über weite Strecken verlustfrei. Bereits seit Jahren sind in Münchens Untergrund Leerrohre verlegt worden. In diese werden Glasfaserkabel eingeblasen, wie der Fachmann sagt, und die Verbindungen hergestellt. "Der überwiegende Teil der Tiefbauarbeiten sind aber neue Verlegungen", erklärt der Sprecher. Das alles aber kann nur funktionieren, wenn die Hauseigentümer auch zustimmen. Sie können ihre Immobilie derzeit sogar kostenlos an das Glasfasernetz anschließen. Wer erst später Interesse hat, muss dafür bezahlen.

Und auch die Kunden müssen laut M-Net nichts befürchten, wenn sie am Telefon Auskunft geben. "Ganz wichtig ist, dass es sich hierbei nicht um werbliche Anrufe handelt", erklärt der Sprecher. Einen Anschlusszwang gebe es nicht. Kunden könnten selbstverständlich bei ihrem bisherigen Anbieter bleiben. Der Glasfaseranschluss erweitere lediglich das Angebot. Über spezielle Rabatte für all die hilfsbereiten Bürger, die die Kontaktdaten ihrer Hausverwaltung herausgegeben haben, ist allerdings bisher auch nichts bekannt.

© SZ vom 19.12.2016/vewo

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