Giesing Tegernseer Platz soll zur Tempo-20-Zone werden

Operation an Giesings Herz: Es gibt eine Machbarkeitsstudie zur Neugestaltung des Tegernseer Platzes.

(Foto: David-Pierce Brill)
  • Der Tegernseer Platz in Giesing ist längst vom Verkehrsinfarkt bedroht.
  • Der Bezirksausschuss hat sich nach langer Debatte für eine Geschwindigkeitsbegrenzung ausgesprochen.
  • Nun muss der Stadtrat darüber abstimmen.
Von Hubert Grundner

Die Tegernseer Landstraße ist die pulsierende Lebensader des Stadtbezirks 17. Doch dessen Herzstück, der Tegernseer Platz, ist schon längst vom Verkehrsinfarkt bedroht und bedarf dringend der Schonung. Deshalb soll aus dem rund 80 Meter langen Platz eine Tempo-20-Zone werden. Dies sieht eine Beschlussvorlage des Planungsreferates vor, über das die Stadträte voraussichtlich im Oktober abstimmen werden.

Schon jetzt war aber der Bezirksausschuss Obergiesing-Fasangarten mit seiner Stellungnahme gefragt. Dieser Aufforderung kam das Gremium in seiner jüngsten Sitzung nach. Die Stadtviertelpolitiker bejahten einstimmig das Grundkonzept zur verkehrlichen Neuordnung der Tegernseer Landstraße. In punkto Geschwindigkeitsbegrenzung auf 20 Stundenkilometer am Tegernseer Platz setzte sich hingegen nur eine knappe Mehrheit durch. Gegen Tempo 20 stimmten die ganze CSU-Fraktion, Heribert Wagner (FDP) und Kerstin Wehmeyer (Freie Wähler).

Obergiesing Freiraum oder Parkraum
Obergiesing

Freiraum oder Parkraum

Bei der Umgestaltung der Tegernseer Landstraße geht es voran, doch jetzt rückt die Frage in den Mittelpunkt, was mit dem Tegernseer Platz passiert. Ein Beschluss des Stadtrats steht noch aus   Von Hubert Grundner

Seit Jahren laufen mittlerweile die Bemühungen, Giesings Mitte herauszuputzen, ihr mehr Attraktivität und Aufenthaltsqualität zu verleihen. Die entscheidende Stellschraube, um dies zu erreichen, setzte naheliegender Weise beim Verkehr an. So kamen die Fachleute im Rahmen ihrer Machbarkeitsstudie zur Neugestaltung der Tela ursprünglich sogar zu dem Schluss, dass es das Beste wäre, den Tegernseer Platz komplett für den motorisierten Individualverkehr zu sperren. Ein Vorschlag, den der örtliche Bezirksausschuss in der Vergangenheit mehrheitlich bejaht hatte und den auch die Giesinger bei Bürgerversammlungen vorgetragen hatten.

Im Rathaus jedoch wurde dieser Wunsch ignoriert, im rot-schwarzen Bündnis ließ sich keine Mehrheit für eine komplette Sperrung des Tegernseer Platzes - mit Ausnahme von Bussen und Trambahnen - finden. Stattdessen erarbeitete das Planungsreferat nun eine Beschlussvorlage, die den Platz künftig als "verkehrsberuhigten Geschäftsbereich" ausweisen wird, in dem Tempo 20 gilt.

Aber selbst mit diesem Kompromiss, falls es denn einer ist, konnten sich einige BA-Mitglieder nicht anfreunden. Die stellvertretende Vorsitzende des Gremiums, Cornelia Denk (CSU), erinnerte beispielsweise an die Bedenken von Bewohnern der Martin-Luther-Straße. Diese befürchteten eine massive Zunahme des Schleichverkehrs in ihrer Nachbarschaft, die durch die Geschwindigkeitsbegrenzung am Tegernseer Platz ausgelöst würde. Überhaupt bedeute Tempo 20, so Denk weiter, einen höheren CO₂-Ausstoß und mehr Autolärm.

Das stimme zwar im Einzelfall, hielt ihr daraufhin Joachim Lorenz entgegen. Dennoch überzeuge das Argument nicht, da die Verkehrsbelastung insgesamt durch die Regelung stark abnehmen werde. Als erfolgreiches Beispiel, wo dies bereits gelungen sei, führte er das Pasinger Zentrum an - "die Vorteile überwiegen eindeutig". Außerdem werde Elektromobilität eine immer wichtigere Rolle spielen.

"Typische grüne Halbwahrheiten"

Doch auch diese Hinweise konnten Thomas Krieger von der CSU-Fraktion nicht überzeugen. Er warnte, dass bereits während der Gleisbauarbeiten in der Tela Geschäfte schließen mussten. Mit dem Tempolimit und weiter eingeschränkten Parkmöglichkeiten am Tegernseer Platz werde sich diese negative Entwicklung fortsetzen. Und Heribert Wagner (FDP) hielt Lorenz vor, "typische grüne Halbwahrheiten" zu verbreiten. E-Autos werde es nicht in absehbarer Zeit geben.

Lorenz, der frühere Gesundheitsreferent Münchens, verteidigte sich mit dem Hinweis, dass die Martin-Luther-Straße zusätzlichen Verkehr gar nicht mehr aufnehmen könne. Tatsächlich hatte ein städtischer Verkehrsexperte bei der Vorstellung der Tela-Machbarkeitsstudie erklärt, dass die Ampeln bereits jetzt für einen maximalen Fahrzeugdurchsatz geschaltet seien. Abgesehen davon räumte Lorenz ein: Manche Autofahrer werden wohl auf den öffentlichen Personennahverkehr umsteigen, "und das wollen wir ja auch". Als eine Art Schlichter trat in der Diskussion schließlich Roland Geres (SPD) auf.

Er erkannte die Angst vor Verdrängungseffekten als durchaus berechtigt an. Sein Vorschlag zur Güte: Der BA fordere ja in seiner Stellungnahme bereits, nach dem Umbau des Tegernseer Platzes und der Einführung von Tempo 20 eine zweijährige Monitoringphase, die mit einer Verkehrszählung enden solle. Diese Forderung, so Geres, könnte man um den Hinweis ergänzen, dass diese auch zum Ziel hat, Schleichverkehr zu erkennen und zu verhindern. Eine Idee, für die schließlich eine Mehrheit der BA-Mitglieder stimmte.

Einigkeit herrschte hingegen wieder hinsichtlich einer Unterführung am Giesinger Berg. Die dazu von der Verwaltung vorgeschlagene Untersuchung zur Verbesserung der Wegebeziehung zwischen Unter- und Obergiesing sei zwar grundsätzlich zu begrüßen. Sie sei aber keineswegs als Alternative zu einer Fuß- und Radwegbrücke am Giesinger Berg zu sehen, mahnt der BA und schickt zur Verdeutlichung hinterher: "Dies würde dem Stadtratsbeschluss vom 16. März 2016 zuwider laufen."

Obergiesing Platz für Radfahrer
Obergiesing

Platz für Radfahrer

Die Giesinger fordern bei der Bürgerversammlung, die Tegernseer Landstraße umzugestalten und aufzuwerten   Von Hubert Grundner

Die vorweggenommene Beschreibung möglicher Planungsschwierigkeiten im Gesamtverlauf der Kfz-freien Fahrradverbindung zwischen dem Gasteig und Harlaching sei aus Sicht des BA 17 aus dem Beschlussvorschlag zu streichen, da es keinen Zusammenhang zum Vorhaben "Verkehrliche Neuordnung der Tegernseer Landstraße" gebe.

Ein Hinweis für den Matthias Rajmann, der als Zuhörer die Sitzung verfolgte, froh gewesen sein dürfte. Der Initiator der Fuß- und Radwegbrücke am Giesinger Berg fürchtet nämlich, dass das Projekt auf diese Weise von der Verwaltung still und leise beerdigt werden könnte.