Süddeutsche Zeitung

Giesing:Hilferuf der Wirte

Von Annette Jäger, Giesing

Es ist ein Hilfeschrei, den Giesinger Wirte da formuliert haben. In einem offenen Brief fordern Gastronomen die Mitglieder des Bezirksausschusses Obergiesing-Fasangarten auf, politisch aktiv zu werden, um die Gaststätten im Stadtviertel zu retten. "Uns steht das Wasser bis zum Hals und wir benötigen dringend Unterstützung, um diese Pandemie wirtschaftlich überleben zu können", heißt es in dem Schreiben, das neun Gastronomen unterzeichnet haben. Mehrheitlich stimmten die Mitglieder dafür, den Brief in den Unterausschüssen zu beraten. Zwei Dringlichkeitsanträgen der Grünen und der SPD zur Unterstützung der Wirte wurde ebenfalls mehrheitlich zugestimmt. Das Gremium stieg damit gleich in seiner konstituierenden Sitzung in die praktische Arbeit ein.

Laufende Kosten, vor allem hohe Mietzahlungen und zum Teil ausbleibende finanzielle Soforthilfen, belasten die Giesinger Wirte sehr. Das bringen sie in ihrem Brief "Zur Lage der Gastronomie" zum Ausdruck. Die angekündigte Mehrwertsteuerentlastung sei für viele nur "marginal relevant", da sie nur auf die Abgabe von Speisen, nicht auf Getränke gelte, welche die entscheidende Größe beim Umsatz seien. Auch mit dem Mindestabstand, der als Auflage gilt, wenn die Gastronomie wieder öffnet, lasse sich nicht ausreichend Umsatz generieren. Die Unterzeichner dringen deshalb auf rasche und konkrete finanzielle Hilfen und appellieren an das Gremium, über seinen Beitrag dazu nachzudenken. "Wie kann und will der BA 17 auf den Zusammenbruch der lokalen Wirtschaft reagieren?".

Die Fraktionen von SPD und Grünen hatten in ihren Anträgen Vorschläge formuliert, wie praktische Hilfe möglich sein könnte. Die Grünen fordern eine Änderung der Bezirksausschuss-Satzung: Das Stadtteilbudget soll auch eingesetzt werden können, um die negativen Folgen der Pandemie abzumildern. Durch gezielte Maßnahmen sollen Gewerbetreibende unterstützt, Leerstände verhindert und Begegnungsstätten erhalten werden. Die SPD fordert in ihrem Antrag, dass Freischankflächen unbürokratisch und möglichst gebührenfrei erweitert werden können. Zuletzt hatte der Stadtrat bereits den Weg für eine großzügigere Haltung bei der Genehmigung von Freischankflächen frei gemacht. Wirte sollen etwa auch Parkplätze neben dem Lokal nutzen dürfen.

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Quelle:
SZ vom 16.05.2020
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