Giesing:Das Giesinger Loch soll's richten

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Regionalliga-Derby TSV 1860 München - FC Bayern München II, 2017

Drinnen gute Stimmung, draußen Probleme: Wenn viele Fans zu den Spielen des TSV 1860 München kommen - hier das kleine Derby in der Regionalliga Süd gegen die Bayern - wird das gesamte Viertel belastet.

(Foto: Johannes Simon)

Der Bezirksausschuss fordert im Hohlraum über dem U-Bahnhof Wettersteinplatz eine Anwohner-Tiefgarage. Sie soll die Parksituation an der Oberfläche lindern, wenn das Sechziger-Stadion wie geplant ausgebaut wird

Von Julian Raff, Giesing

Ob und in welcher Liga die Löwen auch in ein paar Jahren an der Grünwalder Straße spielen werden, ist so offen wie die Frage nach der verträglichen Lenkung von Auto- und Fanströmen. Der Bezirksausschuss Untergiesing-Harlaching stimmt daher dem Ausbau des Sechzigerstadions von 12 500 auf 15 000 Plätze per Sanierung der Westkurve zu, fordert aber als Bedingung ein Verkehrs-, Fanlenkungs- und Parkkonzept. Eine tragende Rolle kommt dabei dem statikbedingten Hohlraum über dem U-Bahnhof Wettersteinplatz zu, den der BA zur Anwohnertiefgarage umgebaut sehen will. Dem entsprechenden Zusatzbeschluss ging, wie beim "Giesinger Loch" üblich, eine scharfe Diskussion voraus, an deren Ende sich BA-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) das zweideutige Lob über einen "Lerneffekt" bei der SPD-Fraktion nicht verkneifen konnte.

Während die CSU seit Jahren fordert, die Kaverne als Parkraum zu nutzen, wie aus ihrer Sicht einst vorgesehen, bleiben die Sozialdemokraten auch weiterhin skeptisch: Selbst durch den Einbau teurer Auto-Lifte würden die Zufahrten den ohnehin beengten Wettersteinplatz als Aufenthaltsort für Nichtmotorisierte noch unattraktiver machen. Der An- und Abfahrtsverkehr würde zudem die relativ ruhigen Nebenstraßen belasten, befürchten unter anderem Helga Hügenell und Christa Knappik (beide SPD).

Für Baumgärtner ist dies ein "intellektueller" Spagat, solange die SPD die neuen Giesinger Parklizenzgebiete befürworte. Ihr "ideologisches" Nein zur Tiefgarage sollten die Genossen doch bitte dem Wähler gegenüber klar aussprechen, statt sich hinter technischen Bedenken zu verstecken, so Baumgärtner. Die SPD-Politiker verwahrten sich zwar erneut gegen solche "Polemik", schlossen sich aber am Ende der Forderung des Gremiums nach einer reinen Anwohner-Tiefgarage an. Falls technisch machbar, soll diese Entspannung an der Oberfläche schaffen, ohne neuen Verkehr ins Viertel zu ziehen. Ob MVV-Kombitickets, eventuell auch für Gastfans, stattdessen die Autoströme ausdünnen können, beurteilen CSU und SPD weiterhin unterschiedlich. "Herbeibeten" lasse sich ein solcher Effekt jedenfalls nicht, glaubt Baumgärtner, während Hügenell einen solchen bereits beobachte.

Neue Belastungen bringt der Spielbetrieb dem Viertel bekanntlich auch ohne Blechlawinen: Wie eine Stadion-Anwohnerin berichtete, ließ ihre Eigentümergemeinschaft zum Schutz vor Wildbieslern und anderen Belästigungen kürzlich für 18 000 Euro einen Schutzzaun errichten. Außerdem habe der Stadionwart nach einem der jüngsten Spiele offenbar vergessen, das Flutlicht auszuschalten, ärgerlich in puncto Ruhestörung und Stromverschwendung. Am Rand des "kleinen Derbys" gab es außerdem laut einem Anwohnerbericht und einer Polizeianzeige offenbar mindestens zwei Übergriffe auf zufällig rot gekleidete Passanten. Zustände, die unter anderem Christoph Schneider (FDP) und Ferdinand Brinkmöller (CSU) laut darüber nachdenken ließen, ob der Freistaat nicht, nach Bremer Vorbild, die Vereine für Polizeieinsätze zur Kasse bitten sollte. Ermüdet vom "Déjà-vu" wiederkehrender Beschwerden, hatte Melanie Kieweg (Grüne) beantragt, den Ausbau rundweg abzulehnen, was der BA mit Zweidrittelmehrheit nicht wollte. Nach Einschätzung von Winfried Schreyer (SPD) ist der Ausbau auf 15 000 Plätze mit diversen Ertüchtigungen technisch längst erfolgt und müsste nur noch rechtlich genehmigt werden. Für diesen Fall liefe zumindest eine Sorge ins Leere, die der BA, quer durch die Fußballlager, teilt: In einer gar nicht so fernen Zukunft könnten die Löwen ja die derzeit angepeilte Dritte Liga hinter sich lassen und wohl oder übel in die Allianz-Arena oder in ein eigenes Stadion am Stadtrand umziehen. Die Fehlinvestition in einen Ausbau ginge zwar auf Kosten der Stadt; es wäre aber für den BA peinlich, solange er kleinen Sportvereinen im Viertel gegenüber weiter knausern müsste.

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