Jahresvorschau des DGB in MünchenWie die Gewerkschaften ihre Forderungen durchsetzen wollen

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Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat gerade ihre Tarifverhandlungen begonnen, bei denen es unter anderem um die Mitarbeiter von DB Cargo gehen soll. Unser Bild zeigt den Güterbahnhof im Münchner Norden.
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat gerade ihre Tarifverhandlungen begonnen, bei denen es unter anderem um die Mitarbeiter von DB Cargo gehen soll. Unser Bild zeigt den Güterbahnhof im Münchner Norden. (Foto: Wolfgang Maria Weber/Imago)

Acht Prozent für den öffentlichen Dienst, 7,6 Prozent für Schichtarbeiter bei der Bahn – die Beschäftigten in München haben hohe Erwartungen an die anstehenden Lohnrunden. Vielen geht es aber nicht nur ums Gehalt.

Von Sandra Kunkel

Ein Jahr der Verhandlungen kündigen die Münchner Gewerkschaften an. Dabei geht es um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen, aber auch grundsätzlich um Tarifbindung und Mitbestimmung. „Uns ist eine Investition in unser Land wichtig, damit Dinge auch funktionieren“, sagte Simone Burger vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mit Blick auf die Bundestagswahl bei ihrer Jahresvorschau. Sie verwies dabei auf pünktliche Bahnen oder funktionierende Prozesse in Behörden. Dafür sollten die Schuldenbremse fallen und das Steuersystem gerechter werden.

So fordert etwa Verdi eine Lohnerhöhung von acht Prozent im öffentlichen Dienst, zusätzliche freie Tage sowie flexible Zeitkonten. Höhere Energiepreise, steigende Münchner Mieten und kaum bezahlbare Speisen im Restaurant seien eine zu hohe Belastung für Beschäftigte, sagte Burger. Auf der anderen Seite sei die Personaldecke kurz. Die nächsten Verhandlungen stehen im Februar und März an. Auch Streiks zum Beispiel am Flughafen seien möglich, so Burger.

Schon am vergangenen Dienstag wurde bei der Post die Paketzustellung in mehreren Städten bestreikt, darunter auch in München. Die Gewerkschaft Verdi befinde sich auch hier in einer Tarifauseinandersetzung und fordere sieben Prozent mehr Lohn, mehr Urlaubstage und bessere Arbeitsbedingungen, so David Merck von Verdi. Die Verhandlungen sollen im Februar weitergehen. Die Beschäftigten hätten einen Anteil an den Gewinnen der Post verdient, findet Burger schließlich liege der Marktanteil im Münchner Paketmarkt bei 50 Prozent.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat in den gerade begonnenen Verhandlungen die Forderung nach 7,6 Prozent mehr Lohn und Zusatzgeld für Schichtarbeiter erhoben. Erst nach Ablauf der bestehenden Friedenspflicht im April seien Streiks theoretisch möglich. Darüber hinaus wolle man gegen Wettbewerb auf der Schiene angehen, den auch der CDU-Chef Friedrich Merz wieder ins Gespräch gebracht habe. Gemeinsam mit Münchner Kollegen werde Franz Schürle von der EVG in der kommenden Woche an einer geplanten Demonstration in Berlin teilnehmen. Für Schürle ist schließlich auch eine Unterstützung der Beschäftigten von DB Cargo wichtig.

Sie bemerkten derzeit einen starken Kampf gegen Mitbestimmung, erläuterte Daniele Frija von der IG Metall. Die IG Metall werde auch in München für einen Aktionstag am 15. März mobilisieren: Dann wolle man in Stuttgart eine an den Beschäftigten orientierte Industriepolitik einfordern. Auch für die Mitarbeiter in Autohäusern stehe eine Tarifrunde an pünktlich zur Reifenwechsel-Saison ab Ende März.

Die Tarifrunde in der Kunsstoffindustrie sei ebenfalls gestartet, da der Tarifvertrag Ende März ende, so Astrid Meier von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie. In der Kunststoffindustrie forderten die Gewerkschaftsvertreter unter anderem eine siebenprozentige Erhöhung der Entgelte.

Simone Burger vom DGB  –  hier bei einer Kundgebung auf dem Marienplatz  –  kündigt ein Jahr der Verhandlungen an.
Simone Burger vom DGB hier bei einer Kundgebung auf dem Marienplatz  kündigt ein Jahr der Verhandlungen an. (Foto: Robert Haas)

Trotz des insgesamt rückläufigen Biermarktes sei der Bieraustoß in München gestiegen, so Christin Schuldt von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). In der Belegschaft sei Gesundheitschutz besonders wichtig. Daher würden 6,6 Prozent mehr Lohn und ein Tarifvertrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung gefordert. Schuldt sagte, dass die NGG sich für eine Tarifbindung einsetze: So wolle etwa Giesinger Bräu auf das Oktoberfest, sei aber nicht tarifgebunden.

Für die Tarifbeschäftigten der Polizei steht erst im November ein neuer Tarifvertrag an. Das größte Problem ist laut Herbert Prussas von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) monetär und in erster Linie mit dem mangelnden Wohnraum und dem Wunsch nach einem Jobticket verbunden. Veränderungen seien für die Polizeibeamten wichtig, um Anreize für neue Arbeitskräfte zu bieten.

Die Gewerkschaften setzten sich schließlich gemeinsam für Demokratie ein, so Simone Burger. „Wir fordern die Brandmauer ein: Es darf im Bundestag keine Mehrheiten mit der AfD geben, und dafür werden wir auch kämpfen.“  Bei der Demonstration am 8. Februar, die unter anderem „München ist bunt“ initiiert hatte, wollen die DGB-Gewerkschaften auf der Theresienwiese aktiv dabei sein.

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