Gewerbegebiete in der Region:Schluss mit dem Wachstum

Ein Bündnis aus Umweltorganisationen fordert, dass in der Region keine neuen Gewerbegebiete mehr ausgewiesen werden. Unterstützung von den Parteien bekommen die Aktivisten kaum, deswegen setzen sie auf Druck aus der Bevölkerung.

Michael Tibudd

Keine neuen Gewerbegebieten mehr, nirgendwo in der ganzen Region München: Das ist die zentrale Forderung eines neuen Bündnisses aus zahlreichen Umweltorganisationen. "Wir wollen eine Umkehr einläuten, in der Stadt und im Umland", sagt Claus Obermeier, Chef der in München ansässigen Gregor-Louisoder-Umweltstiftung, die das Bündnis organisiert.

Gewerbegebiete in der Region: Das Gewerbegebiet Planegg. "Das muss aufhören", sagt Schemel.

Das Gewerbegebiet Planegg. "Das muss aufhören", sagt Schemel.

(Foto: Stephan Rumpf)

Dabei geht es den Umweltschützern nicht nur um ein Ende des seit Jahrzehnten fortschreitenden Flächenverbrauchs mit den entsprechenden Folgen für die Ökologie. "Wir wollen auch eine Abkehr von der Ideologie des Wachstums", sagt Obermeier. Die Logik: Wo keine neuen Gewerbeflächen entstehen, gibt es keinen weiteren Zuzug aus anderen Regionen - und somit weniger Bedarf auch zum Neubau von Wohnflächen.

Hinter der Forderung stehen der Bund Naturschutz, der Landesbund für Vogelschutz, Attac München, der Umweltschutzverein Green City und die Gregor-Louisoder-Umweltstiftung, dazu mehrere kleinere Gruppierungen. Auch der Grünen-Ortsverband Pasing-Aubing hat sich dem Bündnis angeschlossen - als einzige parteipolitische Gruppierung.

"Wir haben alle Parteien in München angesprochen, aber niemand wollte sich ansonsten anschließen", sagt Hans-Joachim Schemel, Stadtplaner, inhaltlicher Sprecher des Bündnisses und Vertreter der Organisation Attac. "Die Forderung nach einem Stopp weiterer Gewerbeflächen hat alle verschreckt." Die Organisatoren setzen deswegen auf Druck aus der Bevölkerung und sammeln im Internet unter www.gruenflaechenaufruf-muenchen.de Unterschriften. Darüber hinaus wollen die beteiligten Vereine und Organisationen bei Veranstaltungen in der ganzen Region Unterschriftenlisten auslegen. Sie hoffen, damit in den kommenden sechs Monaten auf 100.000 Unterschriften. "Durch seine Wachstumspolitik bereichert sich München auf Kosten anderer Regionen", sagt Schemel. "Das muss aufhören."

Der Flächenverbrauch im Großraum ist dabei nach Einschätzung des Bündnisses heute enorm. Allein im Stadtgebiet München würden laut Zahlen des Statistischen Landesamts im Schnitt pro Tag 1500 Quadratmeter Grünfläche versiegelt. In München wendet sich das Bündnis deswegen auch gegen die weitere Bebauung von Grünland mit Wohnungen, wie die Stadt sie etwa in Daglfing plant.

In den Umlandgemeinden Feldkirchen, Aschheim, Garching und Unterföhring kommen der Statistik zufolge insgesamt 700 Quadratmeter Flächenverbrauch am Tag zusammen.

Wir bekennen uns zur Freizügigkeit der Menschen und fordern daher keinen Zuzugsstopp oder ähnliches", sagt Stiftungschef Claus Obermeier. "Aber wir wollen verhindern, dass durch immer neue Gewerbegebiete immer noch mehr Nachfrage nach Firmen und dann auch Zuzüglern entsteht."

© SZ vom 11.11.2011/sonn
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