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Gewalt unter Fußballfans:"Die wollen sich hauen"

Diskussion um Gewalt von Fußballfans vor dem kleinen Derby im Grünwalder Stadion

Beim Derby zwischen dem TSV 1860 II und dem FC Bayern II im Grünwalder Stadion ist die Polizei im Großeinsatz.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Die bayerische Justiz diskutiert über Krawall von Fußballanhängern - allerdings ohne Fans aufs Podium zu holen.

Von Martin Bernstein

Erschreckende Bilder sind es, die da auf der Leinwand im Künstlerhaus zu sehen sind: Fußballfans stürmen das Spielfeld in Berlin, überrennen Mannschaften und Unparteiische, hacken Stücke aus dem Rasen. "Kampfsport - von der Fanlust am Krawall" hat der Bayerische Richterverein seine Podiumsdiskussion überschrieben. Einmal fällt an dem Abend sogar das Wort vom "Bürgerkrieg".

Doch die auf dem Podium versammelten Justiz- und Verbandsvertreter räumen auch ein: Wirklich passiert ist noch nicht einmal beim Platzsturm im Berliner Olympiastadion etwas. Und, "klar und eindeutig", für normale Zuschauer sei es in einem deutschen Stadion nicht gefährlich, sagt der Poinger Rainer Koch, Richter am Oberlandesgericht München und Vizepräsident des deutschen Fußballbundes. Schließlich gehe es immer nur um wenige hundert gewaltbereite Personen - "Problempersonen" nennt sie der Münchner Polizeivizepräsident Robert Kopp.

Was das für ein Dialog sei, will einer wissen

Und so wird sehr klug und fachkundig - es sitzen auch "Sportrechtspapst" Christoph Schickhardt sowie der Fan-Verantwortliche beim 1. FC Köln, Amtsrichter Thomas Schönig, mit auf dem Podium - zwei Stunden lang diskutiert. Es geht dabei um Fanmärsche ("Ein Spaziergang durchs Strafgesetzbuch", sagt Schickart); um Netzwerke (Kopp: "Nur mit Prävention und Repression der Polizei und Ahndung durch die Justiz kommen wir nicht weiter - wir brauchen die Vereine und Verbände, das Kreisverwaltungsreferat und die Fanprojekte"); um Gewalttäter (Schönig: "Die erreichen Sie nicht mit sozialpädagogischen Mitteln - die wollen sich hauen"); und um Vermummung (Kopp: "Mir hat noch keiner erklären können, warum man Mundschutz oder Sturmhauben für ein Fußballspiel braucht").

"Justiz im Dialog" heißt die Veranstaltungsreihe. Was denn das für ein Dialog sei, möchte ein Anhänger des Karlsruher SC wissen. Für einen Dialog brauche man schließlich zwei, warum dann aber die Fans nicht auf dem Podium vertreten seien. Schönig sagt: "Hier hätten Sie keinen Ultra herbekommen, weil da ein Polizist sitzt."

Die Erfahrung hat Robert Kopp auch schon gemacht. Im Vorfeld des kleinen Derbys zwischen den Viertligamannschaften der Bayern und der Löwen hätten sich die Fans seinen Dialogversuchen verweigert. Spricht man mit Fans etwa vom Club Nr. 12, einem Zusammenschluss von Bayern-Fans, darunter viele Ultras, dann haben die das anders in Erinnerung. Es habe vor dem Derby fünf Treffen gegeben, drei davon mit Kopp, an denen auch der Club Nr. 12 teilgenommen habe - und damit auch die Ultras, zumindest indirekt.

"Fans sind ein Teil der Lösung"

Vielleicht hilft es ja, die Anregung einer Zuhörerin aufzugreifen, der am Ende des Abends entschieden zu viel von Problemfans die Rede war. "Die erfolgreichen Kampagnen gegen Rassismus zeigen doch: Fans sind ein Teil der Lösung", sagt sie. Das kann man jetzt mal sacken lassen, auch in München. Das für den 26. Juli terminierte nächste kleine Derby im Grünwalder Stadion ist um eine Woche verschoben worden, auf den 2. August. Die Polizei kann bis dahin ja noch mal überlegen, ob sie erneut 1500 Beamte einsetzen will und muss.

Und die Ultras, ob ein Kodex, der direkte Gespräche mit der Polizei verbietet, nicht ein ziemlicher Schmarrn ist. "Wenn man was will, findet sich ein Weg - wenn man es nicht will, finden sich Gründe," sagt Polizeivize Kopp. "Deutsches Recht gilt auch in den Kurven der Stadien," sagt Richter, Fußballfunktionär und Fan Rainer Koch. Ist einfach so. Aber so einfach ist es dann halt doch nicht.

© SZ vom 09.07.2015/sekr
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