Gewalt Wie die Stadt ihre Mitarbeiter besser schützen will

Das Sozialreferat am Ostbahnhof

(Foto: Robert Haas)

Beleidigungen, Schubsereien und Morddrohungen: Angestellte der Münchener Sozialbehörden werden immer häufiger Opfer von Gewalt. Die Stadt plant deswegen sogar Umbauten.

Von Dominik Hutter

Es ist schon vorgekommen, dass ein Besucher angedroht hat, "mit der Maschinenpistole aufzuräumen". In einem Notquartier gab es einen Angriff mit dem Messer, in einem anderen die Ankündigung, hier alle umzubringen. Dazu Beleidigungen, Schubsereien, Körperverletzung - für die Mitarbeiter der Münchner Sozialbehörden ist der Büro-Alltag nicht ohne Gefahren.

Und es wird immer schlimmer: 83 gewaltsame Übergriffe auf städtische Angestellte stehen in der Statistik des Sozialreferats fürs Jahr 2013. Die Zahl stieg bis 2016 auf 108 an, 2017 waren es dann schon 142. 17 Strafanzeigen wurden im vergangenen Jahr gestellt und 58 Hausverbote erteilt. Die Behörde rüstet auf - notgedrungen. Die Sicherheitskonzepte für die zahlreichen Bürohäuser des Sozialreferats werden stetig verbessert. Geplant sind zusätzliche Wachleute, ein besseres Alarmierungssystem und sogar Umbauten.

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Wie kann man verhindern, dass Beamte und Retter gefährdet werden, wenn die Situation eskaliert? Diese Frage stellt sich nach drei aus dem Ruder gelaufenen Vorfällen am Wochenende in München.

In den Fluren des Sozialreferats sowie seiner Außenstellen patrouilliert schon seit vielen Jahren ein Sicherheitsdienst - lange bevor es entsprechende Überlegungen auch für das Rathaus und weitere Kommunalbehörden gab. Hintergrund ist, dass es in einer Sozialbehörde eben sehr oft um existenzielle persönliche Fragen geht, da schlagen die Emotionen leichter hoch als in der Führerscheinstelle. Und natürlich sitzt oft auch ein schwieriges Klientel in den Wartebereichen, es geht um ernsthafte soziale und psychische Probleme, um Drogensucht.

Bei einer Kategorisierung der städtischen Büroarbeitsplätze wurde mehr als die Hälfte aller Jobs im Sozialreferat in die höchste Gefährdungsstufe eingeordnet. In diesen Büros gibt es standardmäßig einen Notrufknopf, mit dem per Funk der Wachdienst ins richtige Zimmer gelotst wird. Dieses System gilt inzwischen allerdings als veraltet, es gibt keine Ersatzteile mehr zu kaufen.

Bis Ende 2020 will Sozialreferentin Dorothee Schiwy ein neues Rufsystem anschaffen, steht in einer Beschlussvorlage für den Stadtrat, die am Dienstag im Sozial- sowie im Kinder- und Jugendhilfeausschuss bekanntgegeben wird. Zusätzlich soll es künftig einen computergestützten Alarm bei Feuer oder einem Amoklauf geben. Bereits heute verfügen die Mitarbeiter der höchsten Gefährdungsstufe zusätzlich über einen unauffällig gestalteten Taschenalarm, aus dem nach dem Auslösen eine Doppelsirene mit einer Lautstärke von 102 Dezibel ertönt. Dies könne entscheidend dazu beitragen, gefährliche Situationen zu entschärfen, so Schiwy. Das Gerät ist auch in den Außendienstrucksäcken für die Mitarbeiter der Sozialbürgerhäuser enthalten, zusätzlich zum Handy.