Gewalt im Fußball Mit den Fußballschuhen ins Gesicht

Doppelter Jochbeinbruch, gebrochene Augenhöhle, stundenlange Operation: Brutale Tritte ins Gesicht eines Spielers in Taufkirchen bilden einen neuen Höhepunkt der Gewalt im niederklassigen Fußball. Erschreckend ist, wie tief verwurzelt das Problem zu sein scheint.

Von Sebastian Winter

Die gute Nachricht steht am Anfang dieser traurigen Geschichte aus den Niederungen des Münchner Amateurfußballs: Matthias W. wird wohl keine bleibenden Schäden davontragen, nachdem er am Sonntag beim C-Klassen-Fußballspiel seines Klubs SpVgg Höhenkirchen gegen den SV-DJK Taufkirchen krankenhausreif getreten worden war - mutmaßlich von SV-DJK-Kapitän Murat S..

Der 20-jährige W. wurde sofort nach dem Spiel mit einem doppelten Jochbeinbruch, gebrochener Augenhöhle und weiteren Verletzungen in eine Münchner Klinik gebracht und am Dienstag operiert. "Die OP hat Stunden gedauert, viel länger als gedacht. Matthias' Gesicht ist sehr geschwollen", sagt Höhenkirchens Fußball-Abteilungsleiter Hans Mader.

S. war an Ort und Stelle von der Polizei verhaftet worden, der 39-Jährige sitzt seither in Untersuchungshaft. "Offenbar auch, weil er schon ein gewisses Strafregister hat", sagt Mader, der angibt, mit der zuständigen Staatsanwaltschaft in Kontakt zu stehen. Zum Hergang kursieren verschiedene Versionen.

W. berichtete der tz vom Krankenbett aus von einer Spuckattacke S.' gegen ihn, daraufhin habe er zurückgespuckt, später sei er dann von zwei Spielern Taufkirchens umgerissen worden. Dann seien die Tritte gekommen. Taufkirchens Trainer Thore Marhöfer erzählt von einer Massenschlägerei kurz nach dem Schlusspfiff, in der sich die Situation entwickelt habe.

Unbestritten bildet der Fall einen neuen Höhepunkt der Gewalt im niederklassigen Fußball, wo in den vergangenen Monaten gerade in und um München Debatten um Aggressionen gegen Schiedsrichter sowie um die Integration von migrantisch gefärbten Klubs geführt wurden. Wo es aber offensichtlich auch zunehmend schwieriger wird, aufgestauten Aggressionen Herr zu werden.

"Es handelt sich um eine schwere Straftat, die im Rahmen eines Fußballspiels passiert ist und zu Recht zu einem Haftbefehl geführt hat. Darüber hinaus wird der Vorfall jetzt von der BFV- Sportgerichtsbarkeit konsequent aufgearbeitet", sagt Rainer Koch, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes und Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), der SZ. Zugleich schränkt er ein: "Die gestiegene Gewaltbereitschaft ist kein exklusives Problem des Fußballs, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem und wird deswegen auch nicht durch fußballspezifische Lösungen alleine in den Griff zu bekommen sein." Keine Maßnahme böte jedenfalls einen hundertprozentigen Schutz vor Gewaltvorfällen.

Erschreckend ist aber, wie tief verwurzelt das Problem zu sein scheint. SpVgg-Abteilungsleiter Mader spricht von "Ängsten, die geschürt werden, da liegt mehr im Argen". SV-DJK-Trainer Marhöfer erzählt, dass seine Spieler bei Auswärtsfahrten teilweise als "Hartz-IV-Empfänger" bezeichnet würden. Er möchte sich bald bei Matthias W. im Namen der Mannschaft und des Vereins auch persönlich entschuldigen. Als Konsequenz aus dem Vorfall hat Taufkirchen seine C-Klassen-Mannschaft mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb abgemeldet.