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Getränke:Münchner machen Limonade aus Basilikum

Robert Redweik, Jasmin Redweik und Kristijan Krolo (v. li.) haben ein Jahr experimentiert, bis ihr jägergrünes Getränk den richtigen Geschmack hatte.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Basilikum schmeckt nicht nur in Kombination mit Tomate und Mozzarella. Drei Unternehmer haben das Kraut nun trinkbar gemacht.

Von Christiane Lutz

Das mit der Aussprache, das klappt noch nicht so gut. Manche Gäste bestellen ein "Beylis" oder ein "Baliiis" oder probieren es gar nicht erst und wollen einfach "diese grüne Limonade da". Dabei ist die Aussprache wirklich ganz leicht. Jasmin Redweik macht es vor: "Balis. Wie die Insel, nur mit s."

Wenn etwas wie eine Insel heißt, kann es so schlecht schon mal gar nicht sein, auch wenn Limonaden-Erfinderin Redweik gemeinsam mit ihren Partnern Kristijan Krolo und Robert Redweik gerade wegen dieser durchaus angenehmen Assoziation zur Sicherheit erst mal Markenanwälte befragt haben, ob der Name "Balis" in Ordnung geht. Nun steht sie da, das 0,25-Liter-Fläschchen voll Basilikum-Ingwer-Limonade, jägergrün. Freudig um sie herum sitzen in der Loretta Bar: die drei Erfinder.

Das Basilikum arbeitet sich langsam aus seiner Nische als würziger Mozzarellabegleiter und Tomatenaufhübscher heraus und hat schon vor einiger Zeit den Sprung ins Eissortiment geschafft, wo es meist als Zitronen-Basilikum-Eis serviert wird. Und dass seit Neustem jedes erdenkliche Kraut und Gemüse in Drinks gerührt wird, ist auch nicht neu. Aber eine Basilikum-Limonade, die gab es bisher tatsächlich nicht.

Kristijan Krolo, 36, ist Inhaber und Barkeeper der Loretta-Bar an der Müllerstraße. Er sagt: "Ich mixe seit Jahren mit Basilikum. Der Gin Basil Smash ist zum Beispiel ein beliebter Drink auf unserer Karte. Irgendwann aber wollten die Leute den alkoholfrei haben. Nach dem gefühlt tausendsten Mal aber fragte ich mich: Wenn es alle trinken wollen, muss es das doch als Limo auf dem Markt geben. Gab es nicht." Und weil er findet, dass es viel zu viele Menschen gibt, die nur reden, aber nichts machen, wollte Kristijan Krolo mit seiner Freundin Jasmin und deren Bruder Robert einfach selbst eine Basilikum-Limonade entwickeln.

Nun ist das natürlich nicht einfach. Die drei wussten ja, welchen Geschmack sie haben wollen. Aber wie kommt man da hin? Mehrmals reiste ein Lebensmitteltechnologe mit einem Koffer voller Flaschen an. Rohstoffe, Fruchtextrakte, Säfte oder Tonics, aus denen Getränke entstehen können. "Dann fingen wir an zu bauen", sagt Jasmin Redweik. Ihr Bruder fügt an: "Uns war oft schlecht." Die Suche dauerte ein Jahr. Immer gab es etwas zu verbessern: Ist die Farbe schön? Mehr Zucker vielleicht? Weniger Schärfe? Wie im Parfümladen sei das gewesen, irgendwann schmeckte alles gleich. Sie forderten Testflaschen an und ließen die Gäste der Loretta-Bar probieren.

Viele gehen mit Limonade pleite

Dann hatten sie es, das Rezept für die Limonade. Jeder im Unternehmer-Trio bringt seine eigenen Qualitäten mit: Robert Redweik, 33, kennt sich mit Start-ups aus, seine Schwester Jasmin, 28, hat BWL studiert und arbeitete schon im Marketing, und Kristijan Krolo kennt als Gastronom die Bedürfnisse der Gäste, aber auch die Härte des Business: "Zu mir kommen ja selbst ständig Leute, die irgendwas erfunden haben, was ich dann hier verkaufen soll", sagt er.

"Rosmarin-Limo, Thymian-Drinks, alles. Für mich war es gar nicht leicht, dann mit meinem Produkt auf die Leute hinterm Tresen zuzugehen." Er hat es aber gemacht und wollte stets, dass die Barleute seine Limo vor ihm probieren und ihre Meinung äußern. Krolo weiß, dass es nicht leicht ist, ein neues Getränk auf dem bereits gut befüllten Getränkemarkt zu etablieren.

Derzeit gibt es laut Industrie- und Handelskammer allein in Oberbayern 62 Unternehmen, die sich mit der Herstellung von Erfrischungsgetränken und natürlichen Mineralwässern beschäftigen. Tatsächlich wurden 23 davon in den vergangenen fünf Jahren gegründet, also gut ein Drittel. "Man darf sich da nichts vormachen", sagt Krolo, "es ist ein wirklich hartes Geschäft. Du musst Tag und Nacht arbeiten und bist am Ende wahrscheinlich trotzdem kein Start-up-Millionär.

Man muss sich anschauen, wie viele Leute pleite gehen mit Limonade." Seine Freundin lächelt ihn an: "Er ist der Realist bei uns. Ich bin eher so die Idealistin." Dass Balis sich in keine bereits existierende Geschmacksrichtung einordnen lässt wie ein neues Spezi oder ein Eistee, garantiert ihnen zwar einerseits Unverwechselbarkeit, "andererseits aber muss der Gast überhaupt erst mal wissen, dass es Basilikum-Limonade gibt, um sie zu bestellen", sagt Krolo.

Bisher klappt das ganz gut. Seit drei Monaten gibt es Balis in 45 ganz unterschiedlichen Münchner Restaurants und Bars zu bestellen, vereinzelt im Rest Bayerns und in Stuttgart. Abgefüllt wird über eine Firma in Würzburg. Jasmin Redweik sagt "wir" und "uns", wenn sie die Limonade meint: "Uns kann man hervorragend mit Prosecco trinken", zum Beispiel. Das passiert wohl, wenn man sein Produkt richtig gut findet. Anders geht es aber kaum. Am liebsten trinkt sie ihr Balis aber pur, ohne Prosecco oder Gin. Die grüne Limonade schmeckt leicht und würzig, ein wenig nach Ingwer und ja, natürlich auch nach Basilikum.

© SZ vom 08.09.2016/amm

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