Getötete Mädchen in Krailling:Morde eiskalt geplant

Das Seil, mit dem die beiden Schwestern in Krailling getötet wurden, stammt nach Informationen der SZ aus dem Haushalt ihres Onkels. Daraus lässt sich wohl schließen, dass Thomas S. die Morde eiskalt geplant hatte.

Susi Wimmer und Christian Deussing

Die Beweislast gegen Thomas S. scheint erdrückend zu sein: Nach Informationen der SZ stammt das Seil, mit dem die Schwestern Chiara und Sharon am 24. März in Krailling ermordet wurden, aus dem Haushalt des 50-jährigen Onkels. Daraus schließen wohl Staatsanwaltschaft und Polizei, dass Thomas S. die Morde eiskalt geplant hatte: Mit dem Seil muss der 50-Jährige in der Tatnacht nach Krailling gefahren sein, in der Absicht, die Kinder und auch seine Schwägerin zu töten - aus reiner Habgier. Thomas S. sitzt in Untersuchungshaft und schweigt.

Krailling Trauer um getötete Mädchen

Auch Wochen nach dem Doppelmord bleiben immer noch Menschen stehen und betrachten die Gedenkstätte vor dem Haus der beiden Schwestern.

(Foto: Georgine Treybal)

Dass man mit Thomas S. den richtigen Täter verhaftet hat, darüber scheint bei den ermittelnden Behörden kein Zweifel zu bestehen. Schließlich fand man an allen drei Tatwaffen DNS des 50-jährigen Onkels: an einem Küchenmesser, einer Kurzhantelstange und schließlich auch an dem Seil, das der vierfache Familienvater von seinem Zuhause in Peißenberg mitgebracht hatte.

Bereits von Anfang an war von einer "stark emotionalen Tat" die Rede gewesen, denn der Mörder hatte die Elf- und Achtjährige zu Tode gebracht, indem er sie würgte, auf sie einprügelte und einstach. Die beiden Mädchen müssen sich aus Leibeskräften gewehrt haben, unter den Fingernägeln fanden sich Hautpartikel des Onkels und an den Mädchen wohl auch sein Blut. Entweder habe sich der 50-Jährige bei der Tat selbst verletzt - oder eines der Mädchen muss ihn kräftig gebissen haben.

Für die Ermittler der Soko und die Staatsanwaltschaft waren die Spuren so eindeutig und die Beweislage so klar, dass sie nach der Verhaftung des Familienvaters sogar mit seinem Foto an die Öffentlichkeit gegangen waren. Sie wollten das Puzzle aus Indizien ganz zusammensetzen: Anhand von Zeugen etwa, die den Mann in der Nacht zum 24. März auf der Fahrt von Peißenberg nach Krailling gesehen hatten - oder als er vermutlich in der Nähe des Hauses seiner Schwägerin an der Margaretenstraße aus dem Auto gestiegen war.

Die Haustür zur Wohnung der 41-Jährigen war unversperrt. Nur: Die Mutter der Kinder war nachts noch nicht nach Hause gekommen. Sie befand sich im Lokal ihres Lebensgefährten, die Kinder schliefen allein zu Hause.

Thomas S. soll seine Nichten mit äußerster Brutalität getötet haben. Ob er dann noch auf seine Schwägerin gewartet hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Sie kam gegen 4.40 Uhr früh nach Hause und fand ihre Kinder blutüberströmt in der Wohnung. Jede Hilfe kam zu spät. Von einem möglichen Täter keine Spur.

Thomas S. musste um 6.30 Uhr seinen Dienst als Postausträger in Feldafing antreten. Von dort aus rief er seine Ehefrau an, allerdings schon eine Stunde vor Dienstbeginn gegen 5.30 Uhr: Er wollte sie wecken, sie an einen Arzttermin erinnern und ihr mitteilen, dass er wegen starker Zahnschmerzen nicht mehr im Bett habe bleiben können. Das zumindest erzählte S. später seinem Anwalt.

Haus sollte noch in diesem Jahr versteigert werden

Da der mutmaßliche Täter schweigt, kann auch über das Motiv nur spekuliert werden. Thomas S. ist hoch verschuldet. Sein Haus sollte noch in diesem Jahr versteigert werden, wie der Weilheimer Amtsgerichtsdirektor Wilfried Wittig der SZ bestätigte.

Offenbar über eine lange Zeit hatte die Frau von Thomas S. mit ihrer Schwester in Krailling um den Anteil an einer geerbten Wohnung gestritten. Dem Vernehmen nach soll die Kraillingerin im Januar schließlich bereit gewesen sein, den Anteil der älteren Schwester auszuzahlen. Es ging wohl um 40.000 Euro.

Hätte der Betrag nicht ausgereicht, um das Haus in Peißenberg zu retten? Drohte der sechsköpfigen Familie der Ruin? Diese Version eines Motives sei vorstellbar, "aber nicht zwingend", sagt Karl Peter Lachniet, Anwalt des Tatverdächtigen. Er wertet auch die DNS-Spuren auf Tatwaffen und in der Tatwohnung als "nicht zwingend". Sein Mandant wirke in seiner Untersuchungshaft "noch immer gelassen". Ein psychiatrisches Gutachten über S. wurde in Auftrag gegeben, das Ergebnis steht noch aus.

© SZ vom 07.05.2011/sonn
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