Dachauer Straße Künstler nicht in elenden Ateliers arbeiten lassen

Noch sind die Gänge im ehemaligen Gesundheitshaus an der Dachauer Straße verwaist, bald sollen Künstler und Kreative das Gebäude übernehmen.

(Foto: Robert Haas)

Bald sollen Kreative das ehemalige Gesundheitshaus übernehmen, doch das Gebäude ist in einem erbärmlichen Zustand. OB Reiter spricht mit Anwohnern über die Zwischennutzung.

Von Kathrin Aldenhoff

Es wird Zeit, dass etwas passiert mit dem ehemaligen Gesundheitshaus an der Dachauer Straße, so weit sind sich alle einig. Oberbürgermeister Dieter Reiter und auch die Vertreter des Bezirksausschusses Maxvorstadt. Nur wie es passieren soll und was genau, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Und um diese auszutauschen, dazu stehen an diesem regnerischen Freitag alle hier, auf den Stufen vor dem verschlossenen Gesundheitshaus.

Seit Jahren ist das ehemalige Gesundheitshaus verwaist, "die Planung hat sich gepflegte drei Jahre vor sich hingewälzt", wie der Oberbürgermeister es ausdrückt. Er will, dass noch in diesem Jahr etwas passiert, dass das riesige Gebäude mit seinen knapp 9000 Quadratmetern Fläche mitten in München nicht länger ungenutzt herumsteht. Zwischennutzung, das sei vor etwa einem halben Jahr die Idee gewesen, sagt Reiter.

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Zwei Stunden bevor am Freitag um zwölf Uhr die Bewerbungsfrist für diese Zwischennutzung abläuft, sitzt er mit den Politikern des Bezirks und Anwohnern im Gruppenraum des benachbarten Männerwohnheims und diskutiert. Ins Gesundheitshaus dürfen sie nicht, aus Sicherheitsgründen. Nach einem Rundgang um das Haus hat eine Mitarbeiterin des Männerwohnheims angesichts des Regens spontan nach nebenan eingeladen.

Das Wohnheim hofft seit Jahren auf einen Anbau, das Gebäude sollte in den Verwaltungsneubau integriert werden. Bis ein neues Gesundheitshaus an der Stelle des alten steht, wird jedoch noch viel Zeit vergehen. Das Referat für Gesundheit und Umwelt ist gewachsen, deshalb funktionieren die ursprünglichen Pläne nicht mehr. Nun soll ein Bebauungsplan erstellt werden, und das kann dauern.

Die geplante Zwischennutzung ist für fünf Jahre ausgeschrieben. Und bei diesem Schritt fühlt sich der Bezirksausschuss Maxvorstadt übergangen. Es gehe um die Art der Zwischennutzung, sagt Katharina Blepp (SPD). "Wir müssen auf die Anwohner Rücksicht nehmen." Die lasen von einer möglichen Disco im Gesundheitshaus und beschwerten sich. Eine Diskothek sehe er in den Räumen nicht, sagt Oberbürgermeister Reiter bei dem Treffen. Künstlerateliers könne er sich hingegen sehr gut vorstellen, vielleicht in Kombination mit einer Gastronomie, um die Zwischennutzung zu finanzieren. Denn die Liste der Mängel am Gebäude ist lang: Unter anderem muss der Brandschutz erneuert werden, die Aufzüge funktionieren nicht und das Gebäude braucht wegen Legionellen ein neues Trinkwassernetz. "Es sind keine Investitionen geplant in ein Gebäude, das wir in fünf Jahren abreißen", sagt Reiter.

Genau deshalb gibt es Kritik von den Bezirkspolitikern. Das Gebäude habe durch den langen Leerstand gelitten. Man könne Künstler nicht in elenden Ateliers arbeiten lassen, müsse den Kulturschaffenden Respekt zeigen. Und Künstler schwimmen eben nicht im Geld, wie einer der Lokalpolitiker anmerkt.

Der Bildhauer Corbinian Böhm hat trotz all der Mängel Interesse an dem Gebäude. Gemeinsam mit anderen Künstlern und Kreativwirtschaftlern hat er sich mit einem Konzept beworben. "Die Zwischennutzung ist eine Möglichkeit, überhaupt noch zentrumsnah Flächen bespielen zu können", sagt er. Sie sei aber kein Allheilmittel, eine langfristige Lösung sei immer besser. Die Künstler könnten die Finanzierung nicht tragen, sagt Böhm, deshalb sieht das Konzept vor, eine Trägerschaft zu etablieren. Kunst sei immer ein Zuschussgeschäft. "Die Gesellschaft muss sich des Werts bewusst werden, den wir in die Gesellschaft hineinbringen."

Wie viele Bewerbungen eingegangen sind, dazu gibt das Kommunalreferat noch keine Auskunft. Die verschiedenen Konzepte sollen aber auch mit dem Bezirksausschuss und den Anwohnern bei einer Informationsveranstaltung besprochen werden, versprach Oberbürgermeister Reiter.

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