Gesetze:In München leider verboten!

Draußen sitzen, nackert ausziehen, Noagerl trinken: Seit August dürfen die Münchner in Gaststätten nicht mehr Rauchen - doch es gibt noch viel mehr Dinge, die in der bayerischen Hauptstadt verboten oder zumindest nicht erwünscht sind.

18 Bilder

Closing-Party wegen Rauchverbots

Quelle: ddp

1 / 18

Eine Zigarette zum Bier anzünden

Es war ein Hin und Her, nun ist eine endgültige Entscheidung gefallen: Die Münchner dürfen sich - wie auch im restlichen Bayern - seit dem 1. August in Wirtschaften keine Zigaretten mehr anzünden. Es herrscht das strengste Rauchverbot Deutschlands. Doch Rauchen ist nicht das Einzige, was in München verboten oder zumindest nicht erwünscht ist. Eine Bildergalerie mit den "No-Go"s für Münchner und München-Besucher. 

Touristen in München, 2009

Quelle: Alessandra Schellnegger

2 / 18

Links stehen auf der Rolltreppe

Die Rolltreppe dient der Beschleunigung, also weg da von der linken Spur! Wir haben's eilig, müssen in die Arbeit, und unten fährt die U 3 ein, also geh schon aus dem Weg, Depp! So denken sie, die Einheimischen, wenn sie ihre Gefühle im Griff haben, brüllen sie noch "'Tschuldigung!" und verschwinden im Off. Das ist für Besucher, die im Reiseführer viel von der Münchner Gemütlichkeit gelesen haben, ein Schock. Aber ein kleiner Bodycheck ist auch ein hübsches Souvenir: blaue Flecken aus der weiß-blauen Metropole.

Text: Christian Mayer

-

Quelle: Robert Haas

3 / 18

Gemütlichkeit am Mittleren Ring

Der Mittlere Ring heißt mal Landshuter Allee, mal Petuelring. Doch eigentlich müsste er Münchner Ring heißen, weil hier der Münchner ist, wie er ist. Was zur Folge hat, dass der Nichtmünchner sofort auffällt. Da wäre das Links- und Mittefahrverbot. Etwa vor dem Brudermühltunnel Richtung West: Grob fahrlässig handelt, wer auf den vorgeschriebenen beiden Spuren fährt (pardon: steht). Man fährt hurtig in der rechten Abbiegespur in den Tunnel und quetscht sich, egal ob's geht oder nicht, kurz vor der Ausfahrt zur Wolfratshauser Straße links in die Lücke. Oder Kreuzungen frei halten, was für ein Quatsch. Ort: Luise-Kiesselbach-Platz; Situation: Stau; Zustand: Gelbphase vor Rot; was tun? Mittenreinquetschen! Wenn ich stehe, sollen andere auch stehen. Oder rechts abbiegen. Das geht prinzipiell nur auf den letzten Drücker von der linken Spur: Wer nicht spurt, wird mit Verachtung bestraft.

Text: Franz Kotteder

Gaststätte "Salotto" im Münchner Lehel, 2009

Quelle: Stephan Rumpf

4 / 18

Nach 23 Uhr draußen sitzen

München ist die nördlichste Stadt Italiens - dass dieses Klischee nicht stimmt, bemerkt man täglich um 23 Uhr. Denn während in Milano oder Marittima die Menschen gemütlich bei einem Glas Wein auf der Piazza sitzen, herrscht in Monaco di Baviera unruhiges Treiben. Denn nach 23 Uhr darf man in Münchens Lokalen nicht mehr draußen sitzen, die Nachbarn könnten sich gestört fühlen. Da den Gaststätten hohe Strafen drohen, halten sich alle Wirte an diese Regel. Nur in wenigen Lokalen kann man an lauen Sommernächten länger im Freien sitzen: Im Volksgarten am Stiglmaierplatz oder im Café Cord in der Sonnenstraße gibt es keine Anwohner, hier darf man bis nach Mitternacht draußen trinken und plaudern - wie in Italien.

Biergartenbesucher im Gewitterregen, 2003

Quelle: DPA-SZ

5 / 18

Das Noagerl austrinken

Das Bier auf der Wiesn ist teuer, 8,90 Euro muss man 2010 für einen Liter berappen. Dennoch lassen die Münchner etwa zehn Prozent des Inhaltes stehen und bestellen sich lieber eine neue Maß. Das liegt nicht daran, dass auf dem Oktoberfest nur Großkopferte verkehren, sondern das hat Tradition. Das Noargerl - den letzten Schluck Bier - trinkt kein Münchner mit. Zu abgestanden und warm ist es. Trinken Sie also niemals ein Bier bis auf den letzten Schluck aus - und schimpfen Sie nicht die Bedienung, wenn sie Ihnen das noch nicht leere Glas abserviert: Sie will Ihnen doch nur etwas Gutes!

Oktoberfest 2008

Quelle: ddp

6 / 18

Bayern imitieren

Wenn er großes Glück hat, begegnet der Tourist in München einem Bayern. Meist stammen diese Menschen aus Plattling, Kirchanschöring oder Fischbachau. In der Stadt kommen sie ungefähr so häufig vor wie der Nachtkauz. Phänotypisch sind Dialektsprecher meist unauffällig. Erst während der Oktoberfestzeit stechen sie aus der Masse heraus, weil sie sich in Jeans kleiden, während sich ganz München in umgenähte Kartoffelsäcke und Lederhosen wirft. Wer also feststellt, dass er gerade einen Dialektmenschen nach dem Weg gefragt hat, sollte folgende Regeln beachten: 1. Bewahren Sie Ruhe. 2. Imitieren Sie niemals den Dialekt, nie. Sparen Sie sich Peinlichkeiten wie: eins - zwei - gsoffa. Der Dialektmensch merkt auch so, dass Sie keine Ahnung haben. 3. Schließen Sie die Augen und hören Sie aufmerksam zu: Do gehns iatz oafach do viare, dann um Eckn umme, nachada stehns scho vorm oidn Päda. Do gengans beim Türl eine und dann de Staffe auffe. Und scho sans drom.

Biergarten München

Quelle: Stephan Rumpf

7 / 18

Gesetze:Biergarten München

Getränke in den Biergarten mitbringen

Wer einen Biergarten besucht, muss zahlreiche ungeschriebene Gesetze beachten: Man darf sich bei Fremden dazusetzen, zugeprostet wird so oft wie möglich, die Brotzeit wird in einem Picknickkorb transportiert. Doch es gibt auch Regeln, die geahndet werden und deswegen unbedingt eingehalten werden sollten. Insbesondere: Während es erlaubt ist, Essen von daheim mitzubringen, dürfen nur Getränke konsumiert werden, die an der Biergarten-Schänke gekauft werden. Den Maßkrug mit einer selbstmitgebrachten Flasche Bier wieder aufzufüllen, sollten Sie bleiben lassen!

Die ersten "Nackerten" am Eisbach im Englischen Garten, 2007

Quelle: sz.sonstige

8 / 18

Nicht einfach die Hüllen fallen lassen

Münchens Nackerte sind weltberühmt, in jedem Reiseführer über die Stadt sind sie erwähnt, täglich werden sie von Touristen begutachtet. Doch der ein oder andere, der das Gefühl, sich im Adamskostüm zur Schau zu stellen, einmal selbst erleben will, begibt sich auf Glatteis. Denn nicht überall in München darf man die Hüllen fallen lassen. Nur in acht Zonen ist FKK erlaubt, zum Beispiel am Feldmochinger See oder an der Brudermühlbrücke. Eine Übersicht über die Nackerten-Wiesen gibt es hier.

Der Bayerische Dackelklub im PresseClub in München, 2010

Quelle: sz.sonstige

9 / 18

Sich über Wursthunde lustig machen

Auf ihren kurzen Beinchen wackeln sie durch den Park, der Körper drei Mal so lang wie hoch: Münchens Dackel. "Oh my God, a sausage Dog", hört man gelegentlich Touristen ausrufen und kichern. "Oh mein Gott, ein Wursthund!" Doch hüten Sie sich davor, Witze über Dackel zu machen! Denn Dackel sind die münchnerischsten aller Hunde, ein Wahrzeichen der Stadt. Sie gehören zu München wie die Frauenkirche oder das Oktoberfest. München ohne Dackel - das wäre wie Athen ohne Eulen oder Berlin ohne Bär. Also bloß keine falsche Bemerkung! Sonst haben Sie eine ganze Stadt gegen sich - und hunderte Wursthunde.

-

Quelle: FFB

10 / 18

Nach einem Schnitt noch ein Bier bestellen

Das Getränk steht auf keiner Speisekarte, wird aber in jeder guten Münchner Kneipe geführt: der Schnitt. Das ist eine halbe Halbe - also etwa 0,25 Liter Bier, aber in der Regel vom Wirt großzügig eingeschänkt. Meist kostet er die Hälfte eines normalen Bieres. Für Wenigtrinker und Sparfüchse ist der Schnitt also durchaus interessant. Doch eines gilt es beim Bestellen zu beachten: Der Schnitt wird nur zur vorgerückter Stunde bestellt und als letztes Getränk getrunken. Danach heißt es: nach Hause gehen! Noch ein normales Bier oder einen weiteren Schnitt bestellen, geht nicht. Ausnahmen gibt es nicht.

-

Quelle: AP

11 / 18

Nach 12 Uhr Weißwürste bestellen

"Die Weißwurst darf das 12-Uhr-Läuten nicht hören." Diese Regel kommt daher, dass die bayerische Spezialität früher nicht gekühlt gelagert werden konnnte und deswegen möglichst rasch verzehrt werden musste. Heute gibt es natürlich Kühlschränke und die Wirtschaften bieten Weißwürste auch abends an. Doch viele Münchner halten sich weiter an die 12-Uhr-Regel - und beobachten argwöhnisch, wenn jemand diese Regel bricht.

Der Muenchener Viktualienmarkt

Quelle: ddp

12 / 18

Auf dem Viktualienmarkt feilschen

Die Waren auf dem Viktualienmarkt, im Herzen der Stadt, haben einen stolzen Preis. Eine Schale Erdbeeren kosten schon einmal 5 Euro und Spargel 9 Euro das Pfund. Die Preise sind jedoch nicht wie auf einem Bazar zu hoch angegeben und damit Verhandlungssache, sondern sie sind völlig ernst gemeint und bindend. Die Händler schwören auf die Qualität ihrer Produkte und viele Münchner meinen, diese auch herauszuschmecken. Feilschen wird als Affront gesehen und ist völlig zwecklos!

Münchner Hofbräuhaus feiert 400 jähriges Jubiläum, 2007

Quelle: Catherina Hess

13 / 18

Im Hofbräuhaus an den Stammtisch setzen

Ins Hofbräuhaus zieht es jeden München-Tourist, aber auch viele Einheimische. Grundsätzlich gilt: Hingesetzt werden darf sich überall, wo frei ist, nur an einen Tisch nicht - den Stammtisch. Denn der ist den Gästen vorbehalten, die regelmäßig hierher kommen. Im Hofbräuhaus gibt es so einige Stammtische, zum Beispiel De Zwiedan, die Geselligen, die Altbayern, D'Forstenrieder Ratschkathln, D'Licht Ausglopfa, die Zentralisten, die Jäger, die Hunderter, die Lumpen, die Singenden Löffler, De zammagwiafedn oder den Wanderverein Schwabing. Frei ist der Tisch also fast nie.

Junge Männer mit Bierkasten an der Isar, 2010

Quelle: Alessandra Schellnegger

14 / 18

Alkohol in der U-Bahn trinken

Die Münchner trinken gerne und immer Alkohol, so das Klischee: vormittags die erste Maß im Biergarten, nach Feierabend eine Halbe in der Eckkneipe gegenüber oder ein "Wegbier" auf dem Marsch in den Club. Doch Vorsicht: An einem Ort herrscht in der Stadt des Bieres alkoholfreie Zone - in der U-Bahn. Seit einem Jahr ist dort der Alkoholgenuss verboten.

-

Quelle: Robert Haas

15 / 18

Den Grill auf der Wiese anschmeißen

In München stehen an jeder Ecke mindestens zwei Polizisten und die erwischen wirklich jeden Täter - so das Gerücht. Doch zumindest an der Isar gelingt es der Münchner Polizei tatsächlich, jeden "Gauner" zu erwischen. Bei gutem Wetter machen sich gleich mehrere Beamte auf, um Wildgriller auffliegen zu lassen. Die Münchner dürfen nämlich nur in ausgeschilderten Bereichen ihren Grill anwerfen - zum Beispiel am Flaucher. Eine Übersicht über Münchens Grillzonen gibt es hier.

Rauchverbot in Bayern

Quelle: dpa

16 / 18

Einen Maßkrug klauen

"Stimmt es, dass die Menschen bei Euch aus Gläsern trinken - so groß wie Eimer?" Das Phänomen Maßkrüge fasziniert Menschen aus aller Welt. Umso mehr beeindruckt es Philippiner, Peruaner oder Preußen, wenn ein Münchenbesucher eine derartige Trophäe in die Heimat mitbringt. Maßkrugdieben wird es auch denkbar leicht gemacht, oft muss nicht einmal Pfand für das Ein-Liter-Glas bezahlt werden, Kontrollen am Biergarten-Ausgang gibt es keine. Dennoch wird der Krugklau bestraft - egal wie hoch der Alkoholpegel - und wird ähnlich ungern gesehen wie beispielsweise Wildbieseln, das Urinieren in freier Wildbahn.

Golfparty im P1 vor den BMW International Open, 2010

Quelle: Stephan Rumpf

17 / 18

Mit Turnschuhen ins P1 kommen wollen

Das P1 gilt als Münchens Nobeldisco, hier verkehren vor allem Schickimickis. Das Gute: Wie teuer ein Anzug oder ein Kleid ist, sieht man auf den ersten Blick oft nicht. Deswegen haben auch Münchner Normalos Chancen, es bis ins Innere des P1 zu schaffen. Vorausgesetzt: Sie tragen keine Turnschuhe. Denn die können Türsteher auf den ersten Blick von Lackschuhen oder Highheels unterscheiden und Sneaker-Träger wollen Türsteher auf keinen Fall im Club haben. Doch München ist nicht nur ein Pflaster für Schickimickis. Wer in der Schwabinger 7 oder einer ähnlich verranzten Boazn nach einem Glas Champagner fragt, wird mindestens genauso schief angeschaut wie ein Turnschuhgänger, der im P1 um Einlass bittet.

-

Quelle: Claus Schunk

18 / 18

Brötchen bestellen

In München gibt es zahlreiche sprachliche Dinge zu beachten, wenn man mit Einheimischen in Kontakt tritt. Zur Begrüßung sagt man "Grüß Gott" oder "Servus beianand" (nicht Guten Tag) - und in der Bäckerei bestellt man auf keinen Fall wie gewohnt Brötchen. Denn dann erntet man einen grantigen Blick des Verkäufers und wenn man Pech hat, wird man einfach übergangen und der nächste Kunde kommt an die Reihe. Es heißt hier: Semmeln!

© sueddeutsche.de/Lisa Sonnabend
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB