Geschichte Wo der FC Bayern laufen lernte

Vielen Dank, Herr Wamsler: Wer weiß, ob ohne den Herd- und Ofenfabrikanten aus dem FC Bayern jemals ein Weltklub hätte werden können.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

An die einst verschollene erste Heimspielstätte des damaligen "Münchner Fußball Klubs Bayern" erinnert jetzt eine Gedenktafel an der Clemensstraße

Von Christoph Leischwitz

Es hatte nur wenige Monate gedauert, da wurde dem Ende Februar des Jahres 1900 gegründeten "Münchner Fußball Klub Bayern" ein damals seltenes Privileg zuteil: ein eigener Rasenplatz an der Clemensstraße, auf dem die Mannschaften sieben Jahre lang ihre Heimspiele austrugen. Vergessen war allerdings lange Zeit, wo sich dieser Platz genau befand. Die vereinsnahe Kurt Landauer Stiftung hatte vergangenes Jahr damit begonnen, den Ort ausfindig zu machen - und war nach monatelanger Detektivarbeit erfolgreich. Am Freitagmittag, pünktlich zum Saisonstart der Bayern, wurde nun eine Gedenktafel am Haus der Clemensstraße 50 eingeweiht.

Dass die Ur-Bayern nur zwei gute Kilometer von ihrem Gründungsort an der Fürsten-/Ecke Jägerstraße entfernt hinter einem Holzzaun kicken konnten, verdankten sie zwei Gründungsmitgliedern: Fritz und Carl Wamsler überzeugten ihren Vater Friedrich, einen Herd- und Ofenfabrikanten, das Gelände zur Verfügung zu stellen. Er stiftete zudem die ersten Tore des Vereins. Diese von Schwabing aber immer wieder zur Schyrenwiese zu tragen, wo in den Anfängen des Münchner Fußballs viele Mannschaften spielten, war recht mühsam. Und die Vertreter der Kommune hatten ohnehin stets beanstandet, dass die Fußballer so viele Löcher im Rasen hinterlassen würden. Nur ein paar Monate nach der Einweihung des Platzes wurde Friedrich Wamsler zum ersten Ehrenmitglied des Vereins ernannt.

In den Club-Nachrichten von 1952 heißt es über den Platz: "Für die Zuschauer gab es nur an den Längsseiten ein bescheidenes Unterkommen." Für einige Spiele ist eine hohe dreistellige Zuschauerzahl dokumentiert, zum Beispiel für die Partie der Bayern gegen den damaligen süddeutschen Dauermeister Karlsruher FV im Jahr 1905 (0:0). Das erste Spiel auf dem Platz nahe dem heutigen Pündterplatz fand am 2. Dezember 1900 gegen den MTV München statt, von dem man sich abgespalten hatte. Es endete 2:2. Der erste Bayern-Torschütze dort hieß Kuno Friederich. Das erste Derby an der Clemensstraße gegen 1860 München am 21. September 1902 endete 3:0.

1908 musste der Fußballplatz dem Wohnungsbau weichen. Der Verein blieb noch eine Weile in Schwabing, ins Grünwalder Stadion zog man erst 1925. Die Geschäftsstelle an der Säbener Straße gibt es seit 1949. Für geschichtsbewusste Fans waren die ursprünglichen Bayern ein Verein aus dem Münchner Norden, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Dunstkreis der Schwabinger Bohème bewegte.

Umso bedeutender ist es, dass der genaue Ort der Spielstätte jetzt ermittelt werden konnte. "Wir blicken stolz auf die Wiederentdeckung des Fußballplatzes an der Clemensstraße und sind froh, hiermit einen wichtigen ersten Erinnerungsort der Vereinsgeschichte an den FC Bayern und seine Anhänger als Geschenk zu übergeben", sagt der Sprecher der Landauer Stiftung, Michael Linninger. An der Wiederentdeckung des Platzes hatten sich unter anderem Mitarbeiter des Stadtarchivs, Archäologen und die FC Bayern Erlebniswelt beteiligt. Endgültige Gewissheit hatten Luftaufnahmen gebracht, die seinerzeit von einem Heißluftballon aus gemacht wurden.