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Geschichte:Kampf für die Freiheit

Mit einem vielseitigen Programm wird an die Münchner Revolution von 1918/19 erinnert

Es waren an die 60 000 Menschen, die sich am 7. November 1918 auf der Theresienwiese versammelten. Noch in der selben Nacht rief Kurt Eisner von der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USDP) den Freistaat Bayern aus, am 8. November wurde er dann vom Münchner Arbeiter- und Soldatenrat zum ersten bayerischen Ministerpräsidenten gewählt. Das Ende der Monarchie und der Beginn der Demokratie waren damit besiegelt - und kein Tropfen Blut war vergossen worden. Hundert Jahre später, am 7. November 2018, wird auf der Theresienhöhe das "Fest der Demokratie" gefeiert, um genau an dieses historische Ereignis zu erinnern. Die Initiative dazu ging vom Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe aus. Der hat für den hundertsten Jahrestag der Novemberrevolution zusammen mit den Kollegen aus Sendling und Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt sowie dem Kulturreferat München eine Revue mit bayerischen Künstlergruppen verschiedener Disziplinen konzipiert.

Das Fest geht in dem vielgestaltigen Programm "100 Jahre Revolution und Rätezeit in München" auf, das die Ereignisse am Ende des Ersten Weltkriegs in München in den Fokus nimmt. Der Kulturausschuss des Stadtrates hat dem Vorhaben inzwischen zugestimmt.

Bereits Anfang 2017 hatten die Stadtviertelpolitiker der Schwanthalerhöhe angeregt, das öffentliche Augenmerk auf die Geschichte zu richten, die sich vor ihrer Haustür, im einstigen Arbeiterviertel ereignet hat. Die beiden anderen Anrainer-Bezirksausschüsse der Theresienwiese, Sendling und Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt sowie die SPD-Stadtratsfraktion schlossen sich der Idee an. "Würdig und lokal zu gedenken" lautete das selbst gesteckte Ziel. Dieses Wissen müsse auch ausführlich an Schulen vermittelt werden. Dazu zähle man auch Mord und Totschlag, die im Mai 1919 mit der Gegenrevolution des sogenannten Weißen Terrors und Unterstützung von Reichswehr und rechtsradikalen Freikorps-Gruppen in München wüteten, erklärt stellvertretend Daniel Günthör (Grüne) für die Antragsteller.

Im Kulturreferat hat man inzwischen eine große Retrospektive auf die historischen Ereignisse zusammengestellt und mit zahlreichen Akteuren der Stadt koordiniert. Im Mittelpunkt stehen der Blick auf die historischen Ereignisse, Errungenschaften wie auch Irrwege von 1918/ 19 sowie eine aktuelle Auseinandersetzung mit Demokratie als Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Einbezogen werden nicht nur internationale Partner, sondern auch Münchner Schulen.

Auf der Schwanthalerhöhe startet das Programm bereits am Dienstag 27. Februar, um 19 Uhr in der Pfarrei St. Benedikt, Schrenkstraße 2 a (Rückgebäude). Auf Einladung der Katholischen Arbeitnehmerbewegung Westend zeigt Filme-Macherin Uli Bez ihre Dokumentation zur Revolution und Räterepublik in München 1918/19 "Es geht durch die Welt ein Geflüster". Sie präsentiert selten gezeigte Bewegtbilder und gibt den Zeitzeugen aus dem linken Spektrum, die mutige Kämpfer für die Freiheit waren, eine Stimme. Der Eintritt zur Filmvorführung ist frei.