Geschasster LMU-Dozent Keine Zeit für die Wissenschaft

Es war eine kuriose Situation vor Gericht. Auth und seine Anwältin sagten, er arbeite nicht als Wissenschaftler. Die LMU behauptete das Gegenteil - um damit die Trennung zu rechtfertigen. Auth müsse in den Kursen "komplizierte Sachverhalte kompetent vermitteln", argumentierte ihr Anwalt. "Wenn das nicht Wissenschaft ist, falle ich vom Glauben ab." Es handele sich keineswegs, wie von Auth behauptet, "um eine rein reproduzierende Tätigkeit". Und dass Auth sich in den sechs Jahren nicht weiterqualifiziert habe, etwa mit einer Habilitation, das sei ein "hausgemachtes Problem".

In der offiziellen Beschreibung von Auths Stelle ist allerdings keine Rede von eigenständiger Forschung. Indirekt sagt der LMU-Anwalt also, Auth hätte in der Freizeit forschen sollen. De facto ist das im Wissenschaftsbetrieb Alltag. Dass eine Uni es aber vor Gericht als Versäumnis darstellt, wenn jemand das nicht mitmacht, ist doch bemerkenswert.

Das Gericht folgt den LMU-Argumenten nicht

Das Arbeitsgericht ließ sich von der Linie der LMU nicht überzeugen. Auth habe 80 Prozent seiner Arbeitszeit mit einer "unterrichtenden Lehrtätigkeit ohne Wissenschaftsbezug" verbracht. Denn in Auths Kursen gehe es nicht darum, "neue Kenntnisse zu gewinnen und zu verarbeiten", sondern jungen Studenten bereits etablierte Grundlagen zu vermitteln. Deshalb gab das Arbeitsgericht Auths Klage statt.

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Die LMU legte Berufung ein. Die aber hat das Landesarbeitsgericht (LAG) nun abgewiesen - und keine Revision zugelassen. Rechtskräftig ist das Urteil damit aber immer noch nicht. Die LMU könnte beim Bundesarbeitsgericht (BAG) Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision einlegen. Ihr Anwalt hatte im Gerichtssaal davon gesprochen, dass "eigentlich das BAG die Frage entscheiden muss". Das aber wäre noch ein langer Weg. Die LMU will sich zum weiteren Vorgehen derzeit nicht äußern, sondern die Urteilsbegründung des LAG abwarten.

Rechtssicherheit für alle Beteiligten

Die drohende Niederlage vor Gericht hätte vermutlich Auswirkungen über den Fall hinaus: Allein an der LMU gab es Anfang des Jahres, zum Zeitpunkt der jüngsten Erhebung, 44 Lehrkräfte für besondere Aufgaben mit befristeten Verträgen, wie Auth sie hatte. Auch andere bayerische Unis sind betroffen. Eine grundsätzliche Erklärung zum Thema gibt die LMU ab: "Wir begrüßen es, dass die Befristungsmöglichkeiten von wissenschaftlichen Beschäftigungsverhältnissen mit hohem Lehrdeputat nun gerichtlich geklärt werden." Damit werde für alle Beteiligten Rechtssicherheit geschaffen. "Zugleich können wir so künftig unserer Verantwortung für die Karriereperspektiven" von Nachwuchswissenschaftlern "noch besser gerecht werden". Aber wie verhält es sich im Fall Günther Auth? Ist die LMU ihrer sozialen Verantwortung als Arbeitgeber gerecht geworden? Dazu gibt es keinen Kommentar von der Uni.

Günther Auth hofft, dass die Zeit der Ungewissheit bald vorbei ist. Er will möglichst schnell zurück in seinen Job am GSI. Ob es zum kommenden Wintersemester klappt? "Ich habe an die Uni geschrieben und meine Arbeitskraft angeboten", sagt Auth. "In der Antwort hieß es, die LMU wolle die Urteilsbegründung abwarten." Das kann noch einige Wochen, theoretisch auch Monate dauern.