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Landgericht:Nach Mord in Germering: 64-Jähriger muss in die Psychiatrie

Peter S. bewohnte die Wohnung über seinem Opfer.

(Foto: Voxbrunner Carmen)
  • Der Mann, der im Mai 2018 seine Nachbarin in Germering ermordet hat, wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt.
  • Der 64-Jährige wird allerdings zunächst auf unbestimmte Zeit in einer Psychiatrie untergebracht.
  • Einem forensischen Gutachten zufolge ist er "sehr schwer zu behandeln".

Es war eine böse Vorahnung, und am 2. Mai vergangenen Jahres wurde sie wahr. "Glaub's mir, irgendwann haut der mich um", hatte die 77-jährige Hertha L. ( Name geändert) einmal zu ihrer Bekannten gesagt. "Der", von dem sie fürchtete, er würde ihr Gewalt antun, war ihr psychisch schwer kranker Nachbar Peter S. Er lebte in der Wohnung über Hertha L. in einem Mehrfamilienhaus in Germering. Am Freitag verurteilte die Schwurgerichtskammer am Landgericht München II den 64-jährigen Hausmeister wegen Mordes aus Heimtücke und Mordlust an Hertha L. zu 13 Jahren Haft. Zudem ordnete die Kammer die Unterbringung des 64-Jährigen in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik an.

Der Hausmeister hat seit einem Schlaganfall eine hirnorganische Erkrankung, unter der er sehr leidet. Die Tat habe der 64-Jährige "in akutem Erkrankungszustand begangen", sagte der Vorsitzende, Richter Thomas Bott, bei der Urteilsbegründung. An jenem 2. Mai 2018 habe sich bei Peter S. "Frust angestaut" wegen der "nicht behebbaren Folgen des Schlaganfalls". Der Angeklagte, so Bott, habe wie schon in der Vergangenheit "Tötungsfantasien" gehabt, die er vor seinem Schlaganfall allerdings noch habe unterdrücken können. Er sei in der "Stimmung" gewesen, "jeden umzubringen, der mir begegnet", hatte S. den Richtern freimütig erklärt. Hertha L. sei ein "reines Zufallsopfer" gewesen, sagte der Vorsitzende.

Nach der Tat legte sich der Mann schlafen

Nachdem der Hausmeister sich mit einer Axt und einem Messer bewaffnet hatte, sah er am späten Nachmittag seine Nachbarin Hertha L. im Treppenhaus. Sie wollte gerade ihre Wohnungstüre abschließen und stand mit dem Rücken zu Peter S. Ohne zu zögern holte der 64-Jährige mit der Axt aus und schlug mit brachialer Gewalt viermal auf den Hinterkopf der Seniorin. Da sie noch Lebenszeichen von sich gab, würgte er sie erst mit bloßen Händen, dann strangulierte er die 77-Jährige mit einem Seil. Danach versetzte er ihr mit der Axt noch einmal mindestens sechs Schläge auf den Kopf. Weil sie aber "immer noch gejammert" habe, so S. bei seiner Aussage, habe er ihr sein Messer dreimal in die Brust gestoßen. Nach der Tat hatte sich der 64-Jährige schlafen gelegt.

Als er gegen 20 Uhr aufwachte, rief er die Polizei an und sagte: "Ich möchte mich selber anzeigen", weil er eine Frau erschlagen habe. Als die Besatzung eines Streifenwagens zu dem Anwesen fuhr, stand der 64-Jährige bereits im Garten und wartete. Eine Polizistin berichtete, der Angeklagte sei auf sie zugelaufen und habe "in klaren Worten gesagt, dass er heute Nachmittag jemanden umgebracht" hat. Peter S. habe einen "Blutspritzer" an der Wange gehabt. Eine Kriminalpolizistin erklärte, sie habe bei der Vernehmung des 64-Jährigen den Eindruck gehabt, "dass er es genießt, dass er so im Mittelpunkt steht."

Obwohl bei Peter S. eine "hirnorganische Beeinträchtigung" vorliegt, ging das Gericht davon aus, dass er sich zur Tatzeit bewusst war, "dass die Tötung eines Menschen Unrecht darstellt". Der Mord an Hertha L. sei "eine klassische Symptomtat", die auf die "hirnorganische Schädigung" des Angeklagten zurückzuführen sei, stellte Richter Bott fest. Deshalb verhängte die Kammer auch keine lebenslange Haftstrafe.

Seit der Tat war S. im Isar-Amper-Klinikum in Haar einstweilig untergebracht. Zu einem Oberarzt sagte er, "er würde gerne eine Bombe auf dem Oktoberfest zünden oder mit dem Auto auf der Autobahn eine Massenkarambolage" herbeiführen. Ein Gerichtspsychiater, der den Hausmeister untersuchte, sagte, dieser stelle eine Gefahr für die Allgemeinheit dar und müsse in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik behandelt werden. Ob der 64-Jährige jemals wieder in die Freiheit entlassen wird, ist ungewiss. Dem forensischen Gutachten zufolge sei er "sehr schwer zu behandeln". Peter S. sagte über sich selbst: "Wenn ich rauskomme passiert die nächste Scheiße. Ich bin für die Freiheit nicht geschaffen." Das Urteil ist bereits rechtskräftig.