Germany's Next Topmodel 2011:"Manche sagen jetzt, ich sei gescheitert"

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"Ich habe in den zwei Jahren 350 000 Euro verdient", sagt Beller. "Aber das Klischee stimmt leider: Wenn ich einen Job will, hilft es, mit dem Fotografen zu flirten." Wollte sie nicht. Was sie wollte, war schnell klar: etwas Berechenbares. Ihr Freund studierte Wirtschaft, sie suchten auf einer Franchise-Webseite, sie investierte das Ersparte aus den beiden Model-Jahren in den Shop am Starnberger-Flügelbahnhof, den sie im Dezember eröffnet haben, zogen nach München. "Manche sagen jetzt, ich sei gescheitert", sagt sie und lächelt. Speisen statt Reisen, Salz streuen statt Rouge pudern. Die Auslage bestücken statt sie selbst zu sein.

Die Ausbildung zum Model dauerte bei Klum vier Monate, die im Backshop einen Monat. "Wir haben die Zubereitung gelernt und das Sortiment." Beller weiß, wie lange eine Pizza in der Auslage liegen darf, bevor sie weggeworfen werden muss, und wie viel Schokosirup auf ein Croissant gehört.

Es wirkt so, als ob sich die junge Frau in klaren Strukturen durchaus wohlfühlt, so lange sie nicht komplett eingeschnürt wird und manches selbst entscheiden kann. Welche Model-Jobs sie annehmen möchte zum Beispiel, denn das macht sie weiter. Diese Woche etwa: Montag bis Mittwoch Shooting, Donnerstag Backshop, Freitag Shooting. "Mein Honorar als Model liegt für einen Tag bei 1400 Euro." Aber Beller weiß: "Ich werde im Laufe der Zeit in dem Beruf immer weniger verdienen." In fast allen Branchen verdient man im Laufe der Jahre mehr, als Model ab einem gewissen Zeitpunkt immer weniger. Eine seltsame Branche eben.

Stetige Grundzufriedenheit im neuen Job

Aber es gab auch schöne Momente, sagt Beller, "eine neue Stadt erkunden, gelungene Bilder von mir sehen". Heute ist es in ihrem neuen Job eine stetige Grundzufriedenheit, die ihr in der Summe mehr wert ist. "Allein, dass ich jeden Morgen zur gleichen Adresse fahre, ist wunderbar."

Amin sagt: "Viele Bewerberinnen denken: Das ist eine große Party, auf der man fotografiert und gut bezahlt wird. Ich habe oft erlebt, dass Models das Geschäft falsch einschätzen." Vielleicht hat Beller das Geschäft falsch eingeschätzt. Vielleicht hat sie aber auch schnell gelernt und gemerkt, worauf es ihr selbst ankommt, nicht den Kunden. Sicher ist, dass das Beispiel Beller nicht ins GNTM-Konzept passt. In Klums Märchenwelt endet eine Modelkarriere nach einer Traumhochzeit mit einem Fußballer, Musiker oder Schauspieler.

Beller entknotet die Beine, geht durch ihr Geschäft, spricht mit den beiden Angestellten und baut eine Ciabatta zusammen, mit vier Minischeibchen Grana Padano. "Jedes Gramm zählt", sagt sie und muss lachen. Noch vor wenigen Monaten hätte dieser Satz etwas anderes für sie bedeutet.

Beller-Bagel mit Diät-Remoulade?

Plakatwerbung mit Beller für ihren Backshop? Beller-Bagel mit Diät-Remoulade? Geht alles nicht in einem Franchise-System mit vorgegebenen Produkten, aber die Frau im Schlabberpulli wirkt darüber nicht unglücklich. Ab und zu schauen ein paar Fans vorbei im Laden und fragen nach einem Foto mit ihr. Die Bilder sind dann natürlich nicht so professionell, wie Beller das gewohnt ist. "Das Licht hier kommt von oben", sagt die Frau, die zwei Jahre lang auf der ganzen Welt ins rechte Licht gesetzt wurde, lächelnd, "genau richtig für die Semmeln."

Jana Beller wird sich die erste GNTM-Sendung der neuen Staffel am Donnerstag ansehen, "ganz gemütlich, mit einem Snack aus meinem Geschäft".

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