Vor Gericht Haft und Bewährung für Angriff auf Asylbewerber

Erst beschimpften zwei Männer einen Eritreer rassistisch. Dann griffen sie zu dritt drei Asylbewerber an. Nun verhandelte das Amtsgericht den Fall.

Von Thomas Anlauf

Der Mann lächelt freundlich, in seinen Händen hält er zwei Briefumschläge, in denen sich ein paar Hundert Euro befinden. Sie sollen eine Entschädigung dafür sein, dass er und zwei weitere Männer auf drei junge Geflüchtete einprügelten; einem Opfer wurde noch gegen den Kopf getreten, als es ohnmächtig am Boden lag. Der Mann, der bei Gericht so freundlich auftritt, heißt Tobias S. - und er ist der Polizei einschlägig bekannt.

Als der Richter am Amtsgericht am Donnerstag seine Vorstrafen verliest und bei einem Fall nachfragt, welche Waffe er benutzt habe, überlegt S. zunächst und sagt dann: einen Schlagring. Kurz darauf korrigiert er sich jedoch: In jenem Fall sei es doch ein verbotenes Butterfly-Messer gewesen. Die drei Opfer, um die es am Donnerstag ging, können offenbar von Glück reden, dass sie nur verprügelt wurden. Wegen seiner Vorstrafen - S. hat derzeit eine offene Bewährungsstrafe und wurde bereits verurteilt wegen Diebstahls mit Waffen und vorsätzlicher Körperverletzung - muss er nun ein Jahr und zwei Monate lang ins Gefängnis. Zwei Mitangeklagte erhielten Bewährungsstrafen wegen gefährlicher Körperverletzung.

Vor Gericht

Stripclub erfunden: 38-Jähriger zu Haftstrafe verurteilt

Der Mann hat Frauen für das angebliche Lokal angeworben, ohne sie zu bezahlen. Ins Gefängnis muss er auch wegen sexueller Belästigung.

Im Juni vergangenen Jahres trafen Tobias S. und Dominik Z. in der S-Bahn in Richtung Flughafen auf Gebriel F., der aus Eritrea stammt und damals in einer Unterkunft in Ismaning lebte. Die beiden Deutschen aus dem Münchner Umland beschimpften den heute 23-jährigen Eritreer als "Nigger", er sollte "sich verpissen zurück nach Afrika". Die Beschimpfungen räumten die Angeklagten ein. Das Gericht wertete diese allerdings nicht als rassistisch, da beide zum Tatzeitpunkt alkoholisiert waren und sich vor Gericht reuig zeigten. Es tue seinem Mandanten sehr leid, sagte der Verteidiger von S. vor Gericht. Er könne sich an die Tat nicht erinnern, dennoch sei sein Verhalten keinesfalls ausländerfeindlich.

Als Tobias S., Dominik Z. und Gebriel F. in Ismaning aus der S-Bahn stiegen, standen dort drei junge Männer aus der Unterkunft, in der F. lebte. Offenbar aus einem schwelenden Streit heraus griff F. die Männer an. Auch Tobias S. und Dominik Z. mischten mit und fingen an, auf die Opfer einzutreten und zu prügeln. Einer der Täter trug Stahlkappenschuhe und trat einen Mann, als dieser wehrlos am Boden lag.

Vor Gericht erschienen nur zwei der drei Opfer. Sie hörten sich die Entschuldigung der drei Täter wortlos an. Doch die Umschläge mit dem Geld, das nach Absprache zwischen den Anwälten und dem Richter als eine Art Wiedergutmachung überreicht werden sollte, lehnten die Opfer ab.