Gericht entscheidet Pumuckl hat zwei Mütter

Die Autorin Ellis Kaut unterliegt im Urheber-Streit um den Klabautermann gegen die Zeichnerein Barbara von Johnson. Pumuckl, Deutschlands berühmteste Comic-Nervensäge, behält seine (Ur-) Mutter.

Von Von Ekkehard Müller-Jentsch

(SZ vom 5.9.2003) Nein, zum Scheidungskind ist Deutschlands bekanntester Kobold, der Pumuckl, nun nicht geworden. Das haben gestern Richter des Oberlandesgerichts München zu verhindern gewusst. Ohne Wenn und Aber stellten sie fest, dass der Kobold nunmal zwei Mütter habe. Neben der Schriftstellerin Ellis Kaut stehe auch der Zeichnerin Barbara von Johnson ein Urheberrecht an dem rothaarigen Klabautermann zu, erklärte der 29.Zivilsenat.

Die spinnen, die Menschen!

(Foto: Foto: AP)

Das Gericht bestimmte deshalb, dass sie bei jeder Verbreitung von Pumuckl-Illustrationen als Urheberin der grafischen Vorlage genannt werden müsse, selbstverständlich auch im Internet.

"Unfreie Bearbeitung des Ur-Pumuckl"

ibt es eigentlich zwei Pumuckls? Den in seinen Konturen geglätteten, leicht plastifiziert wirkenden Wicht von heute - und den alten, zerzausten Gassenjungen von damals? Nein, sagten die Richter in ihrem Urteil. Denn bei dem Kobold im modernen Look handle sich bloß um eine "unfreie Bearbeitung des Ur-Pumuckl und nicht um ein davon losgelöstes eigenständiges Werk".

Zur Erinnerung: Bis 1978 hatte die Grafikerin Barbara von Johnson die Zeichnungen für alle Pumuckl-Bücher und Schallplattenhüllen angefertigt. Dann, mit der Produktion des ersten Filmes, wurde ihre Figur umgestylt. Brian Bagnall, der Schwiegersohn von Ellis Kaut, hatte den Zeichenstift in seine Hand genommen.

Von 1992 an habe sie gar keinen Einfluss mehr gehabt, klagte die Johnson - "ich wurde als die ,optische Mutter' von Pumuckl vergessen". Mangelnde Anerkennung war also die Antriebsfeder für den Rechtsstreit. Denn alle seien ständig überall erwähnt worden: Die Kaut als Autorin, Hans Clarin als Pumuckls Stimme - nur sie nehme niemand zur Kenntnis.

Vor allem wegen der im Internet veröffentlichten Darstellungen des Rotschopfs und allen damit verbundenen Verwertungsmöglichkeiten klagte sie gegen Kaut und zwei Vermarktungs-Unternehmen, darunter das zu ProSieben gehörende "München-Merchandising".

Unverkennbar: wirrer Haarschopf, abstehende Ohren

Schon in erster Instanz beim Landgericht MünchenI hatten die Richter festgestellt: Unverkennbar habe auch der Internet-Pumuckl die von ihr geschaffenen charakteristischen Merkmale - wirrer Haarschopf, runder Kopf, abstehende Ohren, die typische Bekleidung und die übergroßen Hände und Füße.

1982 habe es noch kein Internet gegeben, deshalb habe sich die Klägerin seinerzeit auch nicht die entsprechenden Rechte sichern können. Dagegen hatten, wie berichtet, Ellis Kaut und die Firmen Berufung beim Oberlandesgericht eingelegt.

Nachdem sich überraschend in der vergangenen Woche, buchstäblich in letzter Minute vor der Urteilsverkündung, die Merchandising-Unternehmen mit Barbara von Johnson außergerichtlich auf eine Abfindung geeinigt hatten, brauchte das Oberlandesgericht jetzt nur noch über die Berufung von Ellis Kaut zu entscheiden.

Der 29.Senat stellte dabei fest, dass der Klägerin Barbara von Johnson auch an der Figur des Pumuckl in seinem heutigen Erscheinungsbild ein Urheberrecht zustehe. Ferner kam der Senat zu dem Ergebnis, dass die von Johnson mit Ellis Kaut in einem Vertrag von Anfang 1982 vereinbarte Einschränkung ihres Urheberbenennungsrechts im Juli 2001 wirksam zurückgerufen worden sei, "weil Frau von Johnson sonst immer mehr als Urheberin in Vergessenheit geraten könnte, wie sich bei einigen unberechtigten - wenn auch ,gutgläubigen' - Nutzungen der grafischen Pumuckl-Figur durch Dritte gezeigt hat" (Az.: 29U4743/02 ).