Nachruf:Viel Bier, wenig Schaum

Nachruf: Gerhard Ohneis leitetet jahrelang die Geschicke der Augustiner Brauerei.

Gerhard Ohneis leitetet jahrelang die Geschicke der Augustiner Brauerei.

(Foto: Schunk Claus)

Das Wort Bier-Baron wird ihm nur bedingt gerecht. Gerhard Ohneis lenkte über Jahrzehnte das Münchner Biergeschäft - und nicht nur das. Nun ist der ehemalige Augustiner-Chef gestorben.

Von René Hofmann

Als Gerhard Ohneis im Januar 2005 nach acht Jahren als Chef der Augustiner Brauerei verabschiedet wurde, gab es ein Fest mit mehr als 300 Gästen. Ohneis wäre zu der Gelegenheit auch weniger Rummel recht gewesen - weil "Abschiedsfeste immer den Touch einer Beerdigung haben, man muss nur die Reden in die Vergangenheit setzen und schon ist der Nachruf perfekt": So hat er das damals gesagt. Nun ist es tatsächlich Zeit für die Vergangenheitsform.

"Wir trauern um unseren geschätzten und liebenswürdigen Direktor", teilt die Augustiner Brauerei mit und streicht die große Erfahrung und das Fachwissen heraus, das Ohneis eingebracht habe. Der Verein Münchner Brauereien würdigt ihn "als große Persönlichkeit des Münchner Brauwesens". Ohneis war ab 1967 fast 30 Jahre lang Geschäftsführer des Vereins und auch der Wirtschaftsvereinigung Münchener Brauereien. "Er war uns stets ein wichtiger Ratgeber und ein wesentlicher Förderer von Münchner Brauchtum und Kultur", sagt Paulaner-Chef Andreas Steinfatt, der dem Verein inzwischen vorsteht. Alle Münchner Brauereien hätten von seinem Einsatz profitiert. Und nicht nur diese: 1998 wurde Ohneis auch zum Präsident des Bayerischen Brauerbundes gewählt.

Das Wort Bier-Baron drängt sich bei einer solchen Vita auf. Aber es würde Ohneis nur bedingt gerecht. Glanz und Außenwirkung dienten ihm nie als Selbstzweck. Für Augustiner hat er die Zurückhaltung quasi für alle Zeit festgeschrieben. Die Brauerei verzichtet auf jede Anpreisung, was Ohneis stets verteidigte, unter anderem mit dem Argument: "Wenn wir jetzt anfangen würden mit Werbung, würden alle sagen: Die haben's wohl nötig." Viel Bier, wenig Schaum: Das war sein Stil.

In seine Zeit an der Spitze der Bierlobby fiel ein "Fusions- und Beteiligungsfeuerwerk" (O-Ton Ohneis): Internationale Konzerne entdeckten den deutschen Bier-Markt, auch den sehr speziellen in München. Heineken kaufte sich bei Paulaner ein, Interbrew übernahm die Spaten-Löwenbräu-Gruppe. Eine Entwicklung, die auch Ohneis in dieser Dimension nicht hatte kommen sehen.

Für sein Engagement als Kuratoriumsvorsitzender der Freunde der Bundesgartenschau 2005 wurde er mit der Medaille "München leuchtet" in Gold ausgezeichnet. Blumen und Bier, auch das ging für ihn zusammen, denn: "Biergärten sind ja schon immer ein wichtiger Teil der Gartengestaltung Münchens gewesen."

Ende Januar ist Gerd Ohneis im Alter von 85 Jahren gestorben.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusHandel
:War's das mit dem Billigbier?

Die schwäbische Brauerei Oettinger wurde mit Kampfpreisen zum Riesen. Doch das Traditionsunternehmen schwächelt und muss teurer werden. Über Sparsamkeit, Lockangebote und die Frage, ob ein günstiges Bier gut schmecken kann.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: