Süddeutsche Zeitung

Geplante Entlassungen:Aufstand der Aufsichten

Mitarbeiter des Hauses der Kunst kämpfen um Arbeitsplätze

Der Kampf der Aufsichtskräfte um ihre Arbeitsplätze im Haus der Kunst geht weiter. Ihre Jobs sind bereits offiziell ausgeschrieben, um sie extern zu vergeben. Wie sich dem Internetportal für öffentliche Ausschreibung entnehmen lässt, sucht die Geschäftsführung bereits seit 8. Juli nach einem geeigneten Anbieter für die "Sicherung von Ausstellungen". Speziell genannt werden dabei "Garderobendienste, Ausstellungs-/Sicherheits- und Ordnungsdienst für den Einlass zu den Ausstellungen, die Kasse, die Hauptpforte, die zentrale Leitstelle und die Objektleitung". Angebote können bis zum 12. August abgegeben werden. Der Vertrag mit den neuen Dienstleistern soll von November an starten.

Unterdessen versuchen die 48 Mitarbeiter, die vom Outsourcing betroffen sein sollen, sich mit Kampfgeist und Kreativität gegen ihre Entlassung zu wehren. Ein Teil der Pförtner, Aufsichten und Kassenkräfte - die meisten in Teilzeit oder als Minijobber beschäftigt - sind selbst Künstler. Am vergangenen Wochenende haben sie mit einer Flugblattaktion vor dem Haus der Kunst auf ihre Lage aufmerksam gemacht. Aus 1200 Din-A3-Kopien haben die Protestierenden eine Verbindungslinie zwischen dem Haus der Kunst und der Staatskanzlei gezogen, "um die Dringlichkeit der Sachlage zu betonen und um den Faden der echten Kommunikation wieder aufzunehmen", wie der Betriebsrat des Hauses der Kunst erklärt. Auf den Kopien waren Meinungen der Unterstützer einer Petitionen zu lesen, die einige der Aufsichten selbst ins Leben gerufen haben.

Unterschrieben haben diese Petition bisher mehr als 1400 Personen, darunter auch die Autorin Christine Wunnicke, die seit Jahren als Übersetzerin für das Haus der Kunst arbeitet. Wunnicke, die in diesem Jahr durch ihre Ablehnung des Ernst-Hoferichter-Preises auch außerhalb der Literaturszene größere Bekanntheit erlangte (sie konnte sich nicht dazu entschließen, gemeinsam mit dem Karikaturisten Dieter Hanitzsch Preisträgerin zu sein) schreibt in ihrem Kommentar zur Petition: "Die museumseigenen Aufsichten - zum großen Teil sehr originelle und kunstinteressierte Leute - sind ein wichtiger Teil des Profils dieses Hauses! Ein Outsourcing ist eine inhaltlich deprimierende und völlig unsoziale Idee."

Wunnicke ist nach Chris Dercon nicht die einzige prominente Unterstützerin der Aufsichten aus der Kulturszene. Auch der ghanaische Bildhauer El Anatsui, dessen Ausstellung am Sonntag im Haus der Kunst endete, hat sich demonstrativ auf ihre Seite gestellt. Im Rahmen einer Führung durch seine eigene Werkschau verteilte er vor einigen Tagen einen Anstecker, durch den er seine Solidarität bekunden wollte. Der Button trägt die Aufschrift "Yaw Berko (Stand up and shout)". Dies ist auch der Titel einer Holzarbeit El Anatsuis. Darunter steht zudem "No Outsourcing - save the guards of hdk".

Der kaufmännische Direktor des Hauses, Bernhard Spies, verweist unterdessen auf die angespannte Lage des Hauses. Jahrelange finanzielle Misswirtschaft haben das Haus der Kunst, dessen Aufsichtsrat der Kunst und Wissenschaftsminister vorsitzt und in dem auch das Finanzministerium vertreten ist, an den Rand der Insolvenz gebracht. Das Outsourcing der Aufsichten und Sicherheitskräfte soll auf unterschiedlichen Wegen Entlastung schaffen. Man will weniger bei den ohnehin niedrigen Stundensätzen von 11,84 Euro der Mitarbeiter sparen. Es sollen vor allem Verwaltungskosten für deren Dienstplanung und die Abrechnung ihrer Löhne wegfallen.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4546192
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 31.07.2019
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.