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Georg Schlagbauer:Drogenaffäre erschüttert Münchner Rathaus-CSU

Georg Schlagbauer saß seit 2008 für die CSU im Münchner Stadtrat.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Überraschend ist der Münchner Stadtrat Georg Schlagbauer von allen seinen Ämtern zurückgetreten.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Drogenmissbrauch.
  • Auch Kontakte ins Rotlichtmilieu soll es gegeben haben. Ein Club-Betreiber spricht von offenen Rechnungen in fünfstelliger Höhe.

Georg Schlagbauer hatte alles für eine steile Karriere in der CSU: Ein gelernter Metzgermeister mit eigenem Familienbetrieb, bestens vernetzt über viele Ehrenämter, amtierender Wiesnstadtrat, den Landtag schon im Visier. Doch die Karriere des 44 Jahre alten Politikers ist vorbei, bevor sie voll in Fahrt gekommen ist: Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt seit Mittwoch gegen Schlagbauer wegen des Verdachts, Drogen gekauft und genommen zu haben. Er selbst hat das Verfahren mit einer Aussage angestoßen. Am Donnerstag tritt der CSU-Stadtrat mit einer schriftlichen Erklärung von allen öffentlichen Ämtern zurück.

Das Rücktrittsschreiben seines Hamburger Anwalts Michael Philippi bezeichnet ein Parteifreund schon kurz danach als "Nebelkerze". Von Drogen ist darin nämlich nicht die Rede, sondern von gesundheitlichen und familiären Gründen. Doch schon der letzte Satz der Erklärung enthält den Hinweis, dass hinter dem Ende der politischen Karriere ganz andere Gründe stecken. "Privates hat zu keinem Zeitpunkt Auswirkungen auf seine Amtsführung gehabt", schreibt Anwalt Philippi.

Es ist von Schuldscheinen in fünfstelliger Höhe die Rede

Zwei Stunden später bestätigt die Staatsanwaltschaft, dass sie wegen Drogendelikten ermittelt. Sie macht keine Angaben dazu, was der Stadtrat genommen haben soll. Aus der CSU ist immer wieder von Kokain zu hören. Und noch einiges mehr. Zum Beispiel von offenen Rechnungen im Rotlicht-Milieu. Der Betreiber eines Clubs gibt im Gespräch mit der SZ an, Schuldscheine in fünfstelliger Höhe von Schlagbauer zu besitzen. Bis Mittag hält sich die CSU dennoch offiziell an die vereinbarte Sprachregelung. "Wir nehmen den Rücktritt zur Kenntnis", sagen Bürgermeister Josef Schmid (CSU) und Fraktionsvize Michael Kuffer.

Der Münchner Parteichef Ludwig Spaenle betont am Rande einer Plenarsitzung im Landtag, er kenne nur die schriftliche Stellungnahme Schlagbauers, zu einem Gespräch mit ihm sei es noch nicht gekommen. Alles weitere sei jetzt eine persönliche Sache Schlagbauers, da er von allen Ämtern bereits zurückgetreten sei. Ministerpräsident Horst Seehofer reagiert betroffen: "Das ist wieder eine äußerst betrübliche Nachricht." Das Thema sei "sehr ernst" und "sehr ärgerlich", sagt Seehofer.

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