Georg Baselitz – schon zu Lebzeiten wurde sein Werk vielfach ausgestellt, gefeiert, geehrt und teuer gehandelt. Mit dem Tod des Künstlers Ende April wird die Wertschätzung all jener, die ihn schon immer gefördert, gesammelt und der Öffentlichkeit präsentiert haben, gewiss nicht enden. Weil das Werk nun aber definitiv endlich ist und eine noch breitere Öffentlichkeit durch den Tod des Künstlers darauf aufmerksam wurde, steigt auch die Nachfrage an Ausstellungen. Ob sich daraus – wie in früheren Fällen – eine Art Hype entwickelt, bleibt abzuwarten. Erste Kunstmarktanalysten geben jedoch entsprechende Prognosen ab. Und wer Baselitz im Bestand hat, zeigt ihn – jetzt erst recht.
Die Eröffnung seiner letzten Ausstellung hatte Georg Baselitz, wenngleich sehr gebrechlich und im Rollstuhl sitzend, wenige Tage vor seinem Tod noch selbst miterleben können: „Baselitz Jetzt“ in Salzburg. Die Schau zeigt großformatige Arbeiten aus dem Spätwerk und ist im Museum der Moderne auf dem Mönchsberg zu sehen (bis 18. Oktober 2026). Der Künstler hatte sie noch selbst konzipiert. Ebenso wie die erst vor wenigen Tagen eröffnete Ausstellung „Baselitzt Manifeste“ im Rupertinum in der Altstadt von Salzburg, das zum Museum der Moderne gehört. Hier zu sehen sind kleinformatige Zeichnungen aus dem Frühwerk (bis 4. Oktober 2026)
Eine der ersten Institutionen, die auf den Tod des Künstlers reagierten, war die Staatliche Graphische Sammlung in München. In Erinnerung an Baselitz plante sie kurzfristig eine kleine Schau im sogenannten Vitrinengang der Pinakothek der Moderne und zeigte bis Ende Juni zwölf Werke. Dass sie so schnell reagieren konnte, liegt auch daran, dass sie ein großes Konvolut grafischer Arbeiten von Baselitz im Bestand hat. Zuletzt hatte sie ihm vor drei Jahren die Ausstellung „Malelade“ zum 85. Geburtstag gewidmet.

Die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne hat gerade den Baselitz-Saal neu eingerichtet. Auch sie konnte dabei aus dem Vollen schöpfen. Nicht weniger als 31 Bilder aus mehr als fünf Jahrzehnten nennt sie ihr Eigen. Franz Herzog von Bayern hat früh als Förderer und Sammler von Baselitz etliche Werke erworben, die heute dem Museum gehören. Direktorinnen wie Carla Schulz-Hoffmann, Fördervereine wie Pin und Sammler wie Udo und Anette Brandhorst sorgten für zahlreiche Neuzugänge. Und schließlich machte Georg Baselitz dem Museum 2019 eine große Schenkung zu Ehren von Herzog Franz. Und so sind Bilder aus den Sechziger- und Siebzigerjahren wie „Der Mann am Baum“ (1969) und „Fingermalerei – Adler“ (1972) ebenso zu sehen wie solche aus dem Spätwerk wie „Avignon ade“ von 2017 und die Skulptur „Zero Ende“ von 2013.

Zudem zeigt das Museum Brandhorst parallel zur Baselitz-Neupräsentation in der Pinakothek der Moderne in Gedenken an Georg Baselitz „Manopola – Fausthandschuh“ von 2019. Das schwarz-goldene Trumm misst 2,90 auf 1,73 Meter wurde an zentraler Stelle im großen Treppenhaus platziert.
Einer, der oft beratend an der Seite von Franz von Bayern war, ist der Galerist Fred Jahn. Er gehört – nicht nur, aber auch was Baselitz betrifft – zu jenen, die das Werk des Künstlers nach München brachte. Und so verwundert es auch nicht, dass die Galerie Jahn und Jahn kurzfristig eine Ausstellung mit Werken von Georg Baselitz ins Programm genommen hat und diese am 14. Juli eröffnet (bis 12. September 2026).
Und auch die Konzertreihe musica viva des Bayerischen Rundfunks widmet sich Georg Baselitz. Der gestaltete 2025 die Marionetten für die Neuinszenierung von Igor Strawinskys „Histoire du Soldat“ bei den Salzburger Festspielen. Im Spätsommer kommt die gefeierte Produktion des Salzburger Marionettentheaters mit Dominique Horwitz, Isabelle Faust und einem All-Star-Ensemble zur musica viva nach München (Prinzregententheater, 22. September 2026, 19 Uhr).

