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Gentrifizierung in Münchner Maxvorstadt:Luxus, wo es keinen geben darf

Luxussaniertes Mietshaus in München.

"Große Panorama-Dachgauben mit Top-Aussicht": So wurde eine der Wohnungen an der Georgenstraße 83 beworben. Das Haus wurde luxussaniert. Das Kommunalreferat weist indes die Schuld an der Gentrifizierung zurück.

(Foto: Catherina Hess)

In einem "kernsanierten, designprämierten" Objekt an der Münchner Georgenstraße kosten Wohnungen bis zu 10.000 Euro pro Quadratmeter. Dabei liegt das ehemalige Mietshaus mitten im Erhaltungssatzungsgebiet, in dem eine Verdrängung der angestammten Bevölkerung verhindert werden soll. Wie konnte das passieren?

Ein verlockendes Angebot, diese "perfekte Stadtwohnung mit großen Panorama-Dachgauben mit Top-Aussicht", Blick auf die Schwabinger Dachlandschaft und in die Altstadt sowie bei Föhn sogar Sicht zur Alpenkette: zwei Zimmer, 68 Quadratmeter Wohnfläche, derzeit vermietet, angeboten von einem Makler für 638.000 Euro. In dem "kernsanierten, designprämierten" Objekt in der Georgenstraße 83 "in prominenter Ecklage" war auch eine Drei-Zimmer-Wohnung mit 105 Quadratmetern Fläche für 880.000 Euro angeboten worden.

Martha Hipp und Hubert Schuler, Mitglieder der Grünen-Fraktion im Bezirksausschuss Maxvorstadt, sind mehr als nur verwundert über diese Luxussanierung in ihrem Stadtbezirk. Denn die edel aufgewertete Immobilie aus der Nachkriegszeit liegt in einem Gebiet, für das bereits seit langem eine Erhaltungssatzung gilt - um die negativen Folgen von Aufwertungs- und Verdrängungsprozessen für die angestammte Bevölkerung zu vermindern.

Seit 1987 bestanden in diesem Teil der Maxvorstadt Erhaltungssatzungen. Mit geringfügigen Gebietskorrekturen ist auch im vergangenen Jahr die Erhaltungssatzung für weitere fünf Jahre erlassen worden. Das Planungsreferat attestierte, dass ein Teil der Haushalte bei einer Mietpreissteigerung potenziell verdrängungsgefährdet sei. Die Bausubstanz biete zudem ein "sehr hohes Aufwertungspotenzial". Deswegen hat der Stadtrat das Areal erneut als Erhaltungssatzungsgebiet ausgewiesen.

Dennoch hat ein Investor das Mietshaus erwerben können, kritisiert Martha Hipp: "Es wurde entmietet, in den letzten Jahren saniert und in Eigentumswohnungen umgewandelt." Bereits aus dem Verkaufsprospekt sei unschwer zu erkennen, dass es sich um eine Luxussanierung gehandelt habe. Da wurde die Maxvorstadt als "intellektuelles Zentrum Münchens" gepriesen, das "eine illustre Ansammlung von kulturellen Highlights für offene Geister in direkter Nachbarschaft" biete. Der "begehrte Lebensmittelpunkt" war nicht günstig zu haben.

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