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Etat für Staatsbibliothek:Konjunkturprogramm für Buchbinder

Auf eine Etatkürzung von 1,4 Millionen Euro sollte sich die Bayerische Staatsbibliothek im vergangen Herbst einstellen. Doch das Ministerium nimmt seine Sparbeschlüsse zurück - besonders für gesammelte Bücher.

Vom Untergang des Abendlandes war die Rede, als im vergangenen Herbst die Sparbeschlüsse für die bayerischen Hochschulen und Bibliotheken bekannt wurden. Und das war nicht übertrieben, denn es ging an die Substanz der Kultur. Besonders betroffen war die Bayerische Staatsbibliothek. Dem ehrwürdigen Haus an der Ludwigstraße drohte eine Etatkürzung um 1,4 Millionen. Bibliotheksdirektor Rudolf Griebel protestierte laut. Jetzt kommt überraschend die gute Nachricht: Im Wissenschaftsministerium ist Einsicht eingekehrt. 1,2 Millionen werden jetzt doch wieder bereitgestellt. Der Landtag hat die Entscheidung soeben abgesegnet.

Damit ist der laufende Betrieb der Bibliothek einigermaßen gerettet. Vor allem können die gesammelten Bücher wieder gebunden werden. Griebel hatte unter dem Sparzwang die Aufträge an die bayerischen Buchbindereien storniert, um nicht gleich auf wichtige Literatur überhaupt verzichten zu müssen. Viele Buchbinder, die fast ausnahmslos für die Stabi arbeiten, waren dadurch in ihrer Existenz bedroht. Jetzt können sie Taschenbücher, Zeitschriften und Noten wieder mit festen Umschlägen versehen und damit haltbar machen.

Mit fast zehn Millionen Büchern aus allen Kulturkreisen, Sprachen und Epochen sowie 57.000 laufenden Zeitschriften ist die einstige Hofbibliothek der Wittelsbacher die größte Bibliothek im deutschsprachigen Raum und nach der British Library die bedeutendste in Europa. Hinter den Mauern des Friedrich-von-Gärtner-Prachtbaus wird das Gedächtnis der Welt bewahrt. Von einer Nibelungen-Handschrift über die Gutenberg-Bibel oder Mozart-Partituren bis zur einzigartigen Sammlung an islamischen Schriften reicht der Bestand an alten Handschriften und Drucken.

Auch bei den neuen Medien sind die Bibliothekare an der Ludwigstraße führend: Leseroboter scannen alte Bücher, eine Kooperation mit Google macht zahlreiche rechtefreie Werke jetzt schon online verfügbar. Und für alle bayerischen Universitätsbibliotheken führt die Staatsbibliothek zentral teure Zeitschriften. Denn gerade bei naturwissenschaftlichen Journalen sind die Abo-Preise rasant gestiegen.

So hat sich der Umfang von Fernleihe und Dokumentenlieferung in nur wenigen Jahren verdoppelt. Vor allem aber ist die Stabi ein beliebter Dienstleister für Studenten und Professoren, die in andächtiger Stille über ihren Texten grübeln. 1,2 Millionen Besuche im Lesesaal haben die Mitarbeiter im vergangenen Jahr gezählt. Ankäufe und Abos sind zwar mit dem jetzt zugesagten Etat weiterhin sehr begrenzt, meint der Direktor. Aber der Untergang des Abendlandes ist doch erstmal abgewendet.