Öffentlicher Raum:Auf dem Gehweg ist die Hölle los

Lesezeit: 1 min

Öffentlicher Raum: Das Rangeln um den letzten Meter: Radlieferdienst, hier in Obergiesing.

Das Rangeln um den letzten Meter: Radlieferdienst, hier in Obergiesing.

(Foto: Rene Hofmann)

E-Scooter, Lastenräder - der Verteilungskampf um den öffentlichen Raum ist voll entbrannt. Und er wird mit ganz neuen Verkehrsmitteln geführt.

Glosse von René Hofmann

Burt Reynolds hat in einigen denkwürdigen Filmen mitgewirkt, darunter die Actionkomödie "Auf dem Highway ist die Hölle los". In der geht es um ein illegales Autorennen in den USA, von Küste zu Küste, von Connecticut nach Kalifornien. 1981 ist das Werk erschienen, lange her inzwischen, doch es gibt zeitgemäße Adaptionen: Anfang dieser Woche lud die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) nach Laim ein. Hinter dem Laimer Platz führte sie vor, welche Hölle aktuell auf den Gehwegen tobt. Parkende Autos, links wie rechts, kaum ein Durchkommen für Rollator-Benutzerinnen oder Kinderwagen-Schieber. Die verbliebenen Freiräume wurden mit dem Zollstock auf den Zentimeter genau vermessen, die Diagnose "Parkplatzblechwüste" über alle modernen Medien verbreitet, sodass der Missstand nun auch in Connecticut und Kalifornien bekannt sein dürfte.

Bei allem Eifer griff die Aktion aber doch zu kurz, weil sie aussparte, was noch auf die Münchnerinnen und Münchner zurollt. Denn die Autos sind keineswegs mehr die einzigen Höllengefährte, die im Weg stehen. E-Scooter parken auch dort, wo strenge Schilder mahnen: "Fahrräder anlehnen verboten". Vor Kindergärten stehen die Lastenräder an Elternabenden inzwischen in Zweierreihen (unbeleuchtet!). Der Verteilungskampf um den öffentlichen Raum ist voll entbrannt - und er wird mit ganz neuen Verkehrsmitteln geführt.

Paketzusteller und Lieferdienste schicken für die letzten Meter zu den Kunden Elektro-unterstützte Dreiräder los. Gehwegparken gilt mit ihnen als Standard, bei der Kalkulation der Zustellzeiten ist es fest eingepreist. Und es dürfte noch dicker kommen. Ein Start-up in Nordrhein-Westfalen sammelt gerade Geld ein, für die Serienproduktion eines Transportwagens, vor dessen Ladecontainer eine Kabine sitzt mit Fahrradlenker und Pedale. "Ein Fahrzeug, das man als halb Fahrrad, halb LKW bezeichnen könnte", verspricht die Firma und bewirbt diesen mit einer Art ultimativen Freifahrtschein: "Mit einer Breite von 1,18 m kann es sich auf den üblichen Radwegen fortbewegen." Und: "Für den Fahrrad-LKW braucht es keinen Führerschein." Freie Fahrt und befreites Stehen also jederzeit für jeden. Ein Traum.

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