bedeckt München 22°

Geheime Fortsetzung von Tunick-Fotoshooting:Nackt und blau am Flaucher

Bei der spektakulären Nackt-Kunstaktion von Spencer Tunick vor der Münchner Staatsoper war die Öffentlichkeit ausdrücklich erwünscht. Doch es gab noch ein zweites Shooting, bei dem der Künstler keine Zuschauer wollte. Ein freier Fotograf erfuhr dennoch davon - durch einen Zufall.

Sabine Buchwald

Für die frühmorgendliche Aktion am Wochenende auf dem Opernplatz und auch vor der Feldherrnhalle gab es kräftig Presse und somit jede Menge Werbung. Das war Spencer Tunick und seinem Team nur recht.

Nackt und blau: Die Medien waren eigentlich unerwünscht beim geheimen Shooting am Flaucher, Ordner drängten den einzigen Fotografen ab.

(Foto: Vilmos Kent)

Für ein anderes, sehr viel stilleres Projekt, das in den Stunden danach folgte, wollte er aber keine Zuschauer. Schon gar niemand, der mit einem Teleobjektiv das Tun beobachtet. Als "Ladies' Morning an einem schönen Fleckchen Natur" war die Aktion in der rot-goldenen Menge bekannt - sehr zum Bedauern einiger Männer waren zu diesem Shooting nur Frauen erwünscht.

Und wo hat München schöne Flecken Natur? An der Isar zum Beispiel. Wer gerne nackt badet, kennt den Flaucher längst. Und das hat sich wohl auch bis zu Tunick herumgesprochen.

Dass es nun doch Belege für die geheim gehaltene Fotosession im Grünen gibt, ist der Hartnäckigkeit des tschechischen Fotografen Vilmos Kent zu verdanken. Er kam erst gegen fünf Uhr am Sonntagmorgen an den Opernplatz - einen Tag zu spät, weil er sich im Datum vertan hatte. Ein Straßenkehrer erzählte ihm, dass auch an diesem Tag ein kleiner Tross von geschätzten 30 bis 40 Nackedeis Richtung Isarauen zu sehen sein würde. Kent radelte dorthin und sah statt roten und goldenen nun blau gefärbte Menschen. Mit Hilfe eines Gestells formten sich die nackten Frauen zu einer Pyramide.

Leider ließ man Kent nicht so fotografieren, wie er wollte. Das Gelände sei weiträumig von Sicherheitsleuten umstellt worden, die ihn "sehr unhöflich" behandelten. "So etwas ist mir noch nie zuvor passiert", sagt der Fotograf. Entmutigen aber ließ er sich nicht, und die Kamera hat man ihm auch nicht abgenommen. Das wäre wohl auch rechtlich nicht haltbar gewesen.

© SZ vom 25.06.2012/tob
Zur SZ-Startseite