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Gehälter in der Kunst:Was Künstler an Münchner Theatern verdienen

Premiere ´Die Räuber"

Mit einem Schauspielergehalt in München wohnen, das scheint doppelt schwierig. Es hat aber auch seine Vorteile.

(Foto: Andreas Pohlmann/dpa)
  • Schauspieler, Sänger und andere künstlerisch Beschäftigte an deutschen Theatern verdienen künftig etwas mehr Geld.
  • Darauf haben sich die jeweiligen Künstlergewerkschaften mit dem Deutschen Bühnenverein als Arbeitgeberverband geeinigt.
  • Künstlervertreter begrüßen das, pochen aber darauf, dass die Verhandlungen weitergehen. Viele Künstler können heute schon kaum von ihren Gagen leben.

Von Christiane Lutz

Steinreich werden Künstler in der Regel nicht. Das dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Auch nicht, wer mit seiner Kunst auf der Bühne im Rampenlicht steht, als Schauspieler oder Tänzer. Immerhin aber bekommen alle künstlerisch Beschäftigten an den deutschen Theatern - Schauspieler, Sänger, Tänzer, Musiker, Dramaturgen, Inspizienten und Bühnentechniker - künftig etwas mehr Geld.

Darauf haben sich die Gewerkschaften DOV, GDBA, VdO und der Deutsche Bühnenverein als Arbeitgeberverband geeinigt. Konkret heißt das: Der Lohn für künstlerische Mitarbeiter in Theater und Orchestern, die vom Land getragen sind - beispielsweise das Residenztheater und die Staatsoper -, steigt um zwei Prozent, mindestens aber um 75 Euro im Monat. Bei kommunalen Theatern und Orchestern wie den Kammerspielen steigt die Gage um 2,35 Prozent. Je nachdem, wie viel ein Mitarbeiter verdient, können zwei Prozent natürlich unterschiedlich hoch ausfallen.

Wie viel genau ihre künstlerischen Mitarbeiter verdienen, verraten die Münchner Häuser nicht. Das Staatsballett nennt nur ein Beispiel: Dort bekomme ein Gruppentänzer knapp 3400 Euro - und jetzt 75 Euro mehr. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es den Bühnen in München verhältnismäßig sehr gut geht - das sind Residenztheater, Kammerspiele, Volkstheater, Staatsoper samt Ballett und Gärtnerplatztheater.

Das Volkstheater zahlt, wie die Pressestelle wissen lässt, einem Berufsanfänger "etwas mehr" als die Mindestgage von 1850 Euro monatlich, am Residenztheater bekommen Schauspieler im ersten Jahr einen Aufschlag von 20 Prozent - das wären etwa 2220 Euro im Monat. Auch die Kammerspiele zahlen "weit über 2000 Euro" im Monat, sagt der geschäftsführende Direktor Oliver Beckmann. Weil München so ein teures Pflaster sei und die jungen Menschen sich nicht mehr allein durch das Renommee eines Hauses locken ließen. Er betont aber auch, dass das nur möglich sei, weil die Kammerspiele eben von einer reichen Kommune finanziert würden.

Die Mindestgage von 1850 Euro brutto wurde erst Ende 2016 beschlossen, davor lag sie bei 1765 Euro. Künstlervereinigungen wie das "Ensemble Netzwerk" begrüßen diese Erhöhung, pochen aber darauf, dass die Verhandlungen weitergehen. Viele Mitarbeiter am Theater können von ihren Gagen kaum leben, Nebenjobs beim Fernsehen oder als Synchronsprecher sind auch unter Münchner Schauspielern nicht selten. Dazu kommt die extreme Arbeitsbelastung durch Abend- und Wochenendvorstellungen, nahtlose Übergänge zwischen den Produktionen und die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

In München profitieren Schauspieler von der Größe der Häuser

Laut Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins liegen die durchschnittlichen Gagen je nach künstlerischem Beruf am Theater zwischen 2700 und 3100 Euro im Monat. Aber Durchschnitt kann eben auch bedeuten, dass ein paar Mitarbeiter sehr gut und die anderen deutlich schlechter entlohnt werden. Natürlich hängt die Gage noch von anderen Faktoren ab wie Verhandlungsgeschick, Berufserfahrung und individuellem Erfolg.

Eine Schauspielerin wie Brigitte Hobmeier verdient an den Kammerspielen natürlich mehr als ein 23-jähriger Berufseinsteiger, der gerade von der Falckenberg-Schule kommt. Die Münchner Schauspieler profitieren zudem davon, dass die hiesigen Häuser vergleichsweise groß sind und dementsprechend über mehr finanzielle Mittel verfügen. Nicht nur wegen der Zuschüsse von Stadt oder Freistaat. Ein größeres Haus wie das Residenztheater bedeutet: mehr Spielstätten, also potenziell mehr Zuschauer, mehr verkaufte Eintrittskarten, mehr Umsatz.

Die jetzt beschlossene Gagenerhöhung geht nicht automatisch mit höheren Subventionen einher. Der Freistaat habe in den vergangenen Jahren allerdings die Mehrkosten durch höhere Gehälter stets ausgeglichen, heißt es an der Staatsoper. Anders als in anderen Bundesländern, wo in der Folge dann weniger Geld für einzelne Produktionen, teure Bühnenbilder oder besondere Gäste zur Verfügung stehen kann.

© SZ vom 10.03.2017/bhi

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